Auf einen Blick

Datum
Veranstaltungsort
Hauptgebäude
Unter den Linden 6
Senatssaal, 1.OG
10099 Berlin
Gastgeber*innen

Humboldt-Universität zu Berlin

Freie Universität zu Berlin

Zentrum für Deutschlandstudien an der Peking Universität (ZDS)

Beschreibung

„Bildung“ gilt trotz analoger Begriffe in anderen Sprachen als genuin deutsche Prägung. Seit der Aufklärung – etwa bei Herder, Humboldt und Schiller – bezeichnet sie mehr als Wissensvermittlung oder berufliche Qualifikation: Bildung zielt auf die Formung des ganzen Menschen, auf Selbstreflexion, moralische Urteilskraft und geistige Freiheit. In der deutschen Geistesgeschichte wurde sie zu einem zentralen Bezugspunkt für das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft und fand ihren literarischen Ausdruck im Bildungsroman. Zugleich fungierte Bildung als Distinktionsmerkmal des Bürgertums.

Die Geschichte zeigt jedoch auch die Spannungen zwischen Bildungsideal und Zivilisationsbruch – symbolisch verdichtet etwa im Erinnerungsort Weimar und dem benachbarten KZ Buchenwald. Entsprechend wird der Bildungsbegriff bis heute kontrovers diskutiert: von Adornos Diagnose der „Halbbildung“ über Kritik an meritokratischen Versprechen bis hin zur Frage nach dem normativen Gehalt von Bildung in einer von geopolitischen Konflikten, Machtlogiken und technologischen Umbrüchen geprägten Welt.

Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz verschärfen sich diese Fragen. KI transformiert Forschung, Lehre und schulische Bildung weltweit – von europäischen Innovationsinitiativen bis hin zur umfassenden Integration in chinesischen Metropolen. Vor diesem Hintergrund stellen sich grundlegende Fragen neu:
 Wie definieren wir menschliche Bildung im KI-Zeitalter? Welche Fähigkeiten machen uns gegenüber der Maschine einzigartig? Und wie lassen sich technologische Innovation, soziale Gerechtigkeit und kulturelle Nachhaltigkeit verbinden?

Die Tagung wird im Rahmen des Zentrums für Deutschlanstudien (ZDS) an der Peking Universität in Kooperation mit der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin ausgerichtet und richtet sich an alle interessierten Wissenschaftler:innen, die den Bildungsbegriff historisch, systematisch und zukunftsorientiert reflektieren.

 

Eine Anmeldung für die Tagung ist erforderlich!

 

Programm

Freitag, der 03. Juli 2026

Ort: Humboldt-Universität zu Berlin, Juristische Fakultät, Raum 208, Unter den Linden 9, 10117 Berlin

 

09:30- 10:30 Uhr        Begrüßung

Grußwort von Herrn Niels Helle-Meyer, Vizepräsident für Technik, Service und Verwaltung an der Humboldt-Universität zu Berlin

Grußwort von Herrn Kai Franke, Leiter des DAAD Hauptstadt Büros

Grußwort von Prof. Dr. HUANG Liaoyu, Leitung des ZDS an der Peking Universität

Grußwort von Prof. Dr. Almut Hille, Wissenschaftliche Leitung des ZDS an der Freien Universität Berlin

Grußwort von Prof. Dr. Martin Heger, Wissenschaftliche Leitung des ZDS an der Humboldt-Universität zu Berlin

 

Sektion I: Bildungsideale und Bildungsgeschichte

Moderation: Prof. Dr. Martin Heger

10:30–11:10 Uhr

Prof. Dr. Jürgen Gerhards (FU Berlin, Sozialwissenschaft)
Latein: Fiktion und Wirklichkeit eines Humboldt’schen Bildungsideals

11:10–11:50 Uhr

Assist. Prof. Dr. LI Wendan (PKU, Geschichtswissenschaft)
Bildung im Heiligen Römischen Reich des 12. Jahrhunderts: Die Rezeption Karls des Großen und des Priesterkönigs Johannes als Fallbeispiele

 

12:00–13:30 Uhr – Mittagessen

 

Sektion II: Literatur, Kunst und Bildung

Moderation: Prof. Dr. Huang Liaoyu

13:30 – 14:10 Uhr

Prof. Dr. Hans-Richard Brittnacher (FU Berlin, Germanistik)
Wilhelms Brüder, Mignons Schwestern. Glanz und Elend der Bildung im deutschen Roman

14:10 – 14:50 Uhr

Asso. Prof. Dr. HU Wei (PKU, Germanistik, digital)
Bildung und Umbildung: Goethes Morphologie zwischen Natur, Kunst und Mensch

14:50 – 15:30 Uhr

Asso. Prof. Dr. HE Xun (PKU, Kunstgeschichte)
Ein Versuch künstlerischer Bildung: Goethe über die chinesische Kunst

 

15:30 – 16:00 Uhr – Kaffeepause

 

Sektion III: Bildung, Leistung und soziale Ordnung

Moderation: Prof. Dr. Christoph Wulf

16:00 – 16:40 Uhr

Prof. i.R. Dr. Michael Kämper-van den Boogaart (HU Berlin, Germanistik)
Bildung, Leistung und Meritokratie: eine problematische Konstellation in der Diskussion

16:40 – 17:20 Uhr

Prof. Dr. QIN Mingrui (PKU, Soziologie)
Bildung als soziales System und die Herausforderungen aus anderen Systemen

 

ab 18:30 Uhr – Empfang

 

Samstag, der 04. Juli 2026

Ort: Humboldt-Universität zu Berlin, Senatssaal, Unter den Linden 6, 10117 Berlin

 

Sektion IV: Philosophie, Recht und Bildungstheorie

Moderation: Prof. Dr. Michael Kämper-van den Boogaart

09:00–09:40 Uhr

Prof. Dr. Martin Heger (HU Berlin, Rechtswissenschaft)

Rechtsbildung durch Rechtswissenschaft

09:40–10:20 Uhr

Assist. Prof. Dr. ZHOU Chibo (PKU, Philosophie)

Individualität, Allgemeinheit und Selbstvollzug. Zur Bildungsidee bei Kant und Fichte

 

10:20–10:50 Uhr – Kaffeepause

 

Sektion V: Künstliche Intelligenz und Hochschulbildung

Moderation: Prof. Dr. Almut Hille

10:50–11:30 Uhr

Prof. Dr. Han Shuifa (PKU, Philosophie, digital)

Hochschulbildung im Zeitalter der KI

11:30–12:10 Uhr

Dr. Uliana Pressacco (HU Berlin)

Selbstwirksamkeit und akademische Autonomie: Beobachtungen zur fachspezifischen KI-Literacy

 

12:10–13:30 Uhr – Mittagessen

 

Sektion VI: Politische, globale und narrative Kontexte von Bildung

Moderation: Prof. Dr. Hans-Richard Brittnacher 

13:30–14:10 Uhr 

Prof. Dr. GU Yu (PKU, Germanistik)

Über die politische Bildung im höfisch-historischen Barockdrama

14:10–14:50 Uhr

Dr. Britta Bendieck (Duitsland Instituut Amsterdam / Universiteit van Amsterdam) & Dr. Mirjam Elbers (KU Leuven)

Bildung: Fakt oder Fiktion? Sinnverlust, Krankheit und narrative Selbstbildung von Faust bis Hiob

 

14:50–15:20 Uhr – Kaffeepause

 

Sektion VII: Bildung, Anthropozän und historische Selbstverortung

Moderation: Prof. Dr. QIN Mingrui 

15:20–16:00 Uhr 

Prof. Dr. Christoph Wulf (FU Berlin, Erziehungswissenschaft/Anthropologie)

Bildung im Anthropozän. Neue Herausforderungen und Perspektiven

16:00–16:40 Uhr

Dr. NING Haiqin (FU Berlin, Erziehungswissenschaft)

Selbstverortung und globale Machtstrukturen: Referenzcluster in deutschen und festlandchinesischen PISA-Diskursen aus postkolonialer Perspektive

16:40–17:20 Uhr

Xinyuan Ye (Friedrich-Meinecke-Institut der FU Berlin)

Das Janusgesicht der preußischen Schulpolitik: Stadtschullehrerseminar in Berlin als Beispiel (1829–1860er)

 

17:20–17:40 Uhr – Abschluss der Tagung: Abschlussdiskussion und Verabschiedung

 

ab 18:30 Uhr – Gemeinsames Abendessen