Hintergrund
Der Fokus auf Wissenschaftlerinnen mit Care-Verpflichtungen ergibt sich aus der empirischen Realität: Frauen übernehmen gesellschaftlich weiterhin den Großteil der Sorgearbeit. Für Wissenschaftlerinnen hat dies erhebliche Folgen für Sichtbarkeit und Chancengleichheit, da das Wissenschaftssystem stark auf Mobilität und permanente Verfügbarkeit ausgerichtet ist (vgl. Acker, 1990, S. 146–148).
Besonders deutlich wurde diese strukturelle Ungleichheit während der Pandemie: In über 50 Prozent der Haushalte übernahmen Frauen die gesamte Kinderbetreuung allein, während dies bei Männern nur in 24 Prozent der Fälle zutraf (vgl. Möhring et al., 2020, S. 12). Welche konkreten Auswirkungen diese Mehrfachbelastung für Sichtbarkeit, Produktivität und Karriereverläufe von Wissenschaftlerinnen an der HU hatte, soll im Rahmen dieses Projekts untersucht werden.
Projektfokus und Beteiligung
| Im Mittelpunkt stehen | Gesucht werden |
|---|---|
| die Auswirkungen der Pandemie auf die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Care-Arbeit | Wissenschaftlerinnen (Postdocs, Juniorprofessorinnen) mit Care-Verpflichtungen |
| die pandemiebedingten Auswirkungen auf die Karriereentwicklung der Zielgruppe | Personalverantwortliche und Gleichstellungsakteur*innen oder Führungskräfte, die pandemiebedingte Entwicklungen institutionell begleitet haben |
| bestehende strukturelle Gleichstellungslücken, die durch das ‚Brennglas‘ der Pandemie verstärkt sichtbar wurden | |
| sowie institutionelle Reaktionen und Maßnahmen während und nach der Krise |
In qualitativen Einzelinterviews und Fokusgruppen mit betroffenen Wissenschaftlerinnen sowie Personalverantwortlichen, Gleichstellungsakteur*innen und Führungskräften werden Erfahrungen in den Bereichen Karriereverlauf, Sichtbarkeit, Vereinbarkeit, institutionelle Unterstützung und Lebensrealitäten während der Pandemie erhoben.
Ziel ist es, Handlungsempfehlungen und Instrumente für die HU zu entwickeln und pilotweise an einzelnen Einrichtungen zu testen, die pandemiebedingte Nachteile gezielt ausgleichen und die strukturelle Benachteiligung von Wissenschaftlerinnen mit Care-Aufgaben nachhaltig abbauen.
Förderung
Das Projekt ist am Zentrum Chancengerechtigkeit im Themenfeld Geschlechtergerechtigkeit & Gleichstellung angesiedelt und läuft bis Ende 2026. Es wird durch das Berliner Chancengleichheitsprogramm (BCP) gefördert.
