Wie lässt sich Berlin als Kulturstadt erforschen – und welche Rolle spielen dabei die räumliche Verteilung, Nutzung und Sicherung kultureller Orte? Diesen Fragen widmeten sich die Studierenden im Kurs „Berlin.Kultur.Stadt.“ unter der Leitung von Prof. Dr. Friederike Landau-Donnelly. Ziel des Blockseminars war es, interdisziplinäre Perspektiven auf die „kreative“ Stadt Berlin und ihre kultur- und stadtentwicklungspolitischen Strukturen zu vermitteln.
Studentisches „Kulturkatastern“
Die raumbezogene Erforschung der Stadt reichte von Street Art und weiteren kulturellen Praktiken im öffentlichen Raum bis hin zu institutionalisierten Infrastrukturen wie Museen, Theatern oder Kreativquartieren. Dabei wurde nicht nur theoretisch auf die Stadt geblickt, sondern gleichermaßen die Handhabung des Kulturkatasters eingeübt. Die Studierenden entwickelten so eigene Forschungsfragen und untersuchten selbst gewählte Stadtteile, Kultursparten und Raumtypen. Eine zentrale Grundlage bildete die Kooperation mit der Kulturraum gGmbH, die das Berliner Kulturkataster entwickelt hat. Im Seminar lernten die Studierenden dessen Entstehungsgeschichte und praktische Handhabung kennen und nutzten es zugleich als konkretes Forschungsinstrument. Im Seminar etablierte sich dabei die Wortneuschöpfung „kulturkatastern“ um den Umgang mit dieser großen Open-Source-Datenquelle für politisches und wissenschaftliches Arbeiten zu beschreiben.
In Gruppen kartierten die Studierenden unterschiedliche kulturelle Räume und Angebote in Berlin. Dabei entstanden nicht nur eigene Forschungsergebnisse, sondern auch konstruktive Vorschläge für neue Einträge und Kategorien im Kulturkataster. Erkundungen vor Ort schärften zudem den Blick für die Dichte und Vielfalt der Berliner Kulturlandschaft. So spürten die Studierenden etwa in Schöneweide bislang wenig bekannte Kulturorte und Street-Art-Positionen auf.
Ausstellung und Fishbowl-Diskussion
Den öffentlichen Abschluss des Seminars bildete am 29. Mai 2026 die Veranstaltung „Berlin.Kultur.Stadt. – Ausstellung und Fishbowl-Talk“ im Kurssaal des Zentrums für Kulturtechnik. Die Posterpräsentation bot den Studierenden Gelegenheit, ihre Ergebnisse einem breiteren Publikum vorzustellen und gemeinsam zu besprechen. In der abschließenden Fishbowl-Diskussion fanden sich Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung sowie zivilgesellschaftliche Akteur*innen in einer produktiven Gesprächsatmosphäre zusammen. Mit Beiträgen von Dr. Janet Merkel, Dr. Bastian Lange, Tobias Schmidt-Pathenheimer und Notker Schweikhardt wurden zukünftige Herausforderungen und Notwendigkeiten einer empirisch fundierten Kultur(Raum)Politik für die Stadt Berlin beleuchtet. Neben den festen Gesprächspartner*innen ermöglichte ein „freier Stuhl“ die direkte Beteiligung des Publikums. Dieses Angebot wurde vonseiten der Studierenden und weiterer Gäste rege genutzt, um eigene Fragen und Perspektiven in die Diskussion einzubringen.
Deutlich wurde dabei, wie wichtig gerade in politisch und budgetär angespannten Zeiten die Zusammenarbeit zwischen Freier Szene, Kulturverwaltung und Kulturpolitik ist, um der akuten Raumnot für künstlerische Produktion und Präsentation mit neuen Besitz-, Betriebs- und Fördermodellen zu begegnen.
Der Kurs mit seiner Abschlussveranstaltung wurde vom Kompetenzfeld Wissensaustausch mit der Gesellschaft am Zentrum für Kulturtechnik im Rahmen des Programms „Lernen und Lehren mit der Gesellschaft: transdisziplinäres Kursprogramm“ gefördert.



