Medaillenkunde und institutionelle Zusammenarbeit

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Kunstwerk des Monats
Die Kunstsammlung der Humboldt-Universität umfasst unter anderem auch über 120 Medaillen. Dieser speziellen Gattung hat sich im Sommersemester ein Seminar mit Studierenden im Berliner Münzkabinett angenommen.

Komplexe Annäherung

Medaillen scheinen auf den ersten Blick häufig unspektakulär. Während wir die Darstellungen auf den Münzen, die wir immer noch im Alltag in den Händen halten, kaum mehr eines Blickes würdigen, werden Medaillen doch immerhin mit Neugier betrachtet. Der große Anteil an historischen Medaillen aus dem 19. Jahrhundert im Bestand der HU, von dem eine Auswahl die Objektbasis des Seminars bildete, ist dabei aber zuweilen gar nicht so leicht zu entschlüsseln. Lateinischen Inschriften und komplexen ikonographischen Darstellungen gilt es auf die Spur zu kommen.

Hilfe vom Experten

Da eine korrekte Medaillenbeschreibung noch viel mehr Angaben braucht – z.B. Münzstand, Stempelstellung, geprägt oder gegossen – und es normierte Vorgaben etwa für die Wiedergabe und die Platzierung von Inschriften gibt, ist man gut beraten, beim Experten nachzufragen. So fand das Seminar im Münzkabinett Berlin statt, wo auch die technischen Voraussetzungen für eine professionelle bildliche Aufnahme der Medaillen gegeben sind. Zudem wird dort bereits seit 2007 der Interaktive Katalog des Münzkabinetts (IKMK) der Staatlichen Museen zu Berlin betrieben, sowie die Webseite ikmk.net (Interaktive Kataloge der Münzkabinette) als institutionsübergreifendes Datenbankportal für die Numismatik im deutschsprachigen Raum mit derzeit über 167.000 verzeichneten Objekten. Die HU ist mit den ersten dort eingegebenen Medaillen nun auch Teil dieses Netzwerk universitärer Münzsammlungen in Deutschland, des sog. NUMiD-Verbundes.

Annäherung an eine Gattung

Durch Dr. Johannes Eberhardt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Münzkabinett, haben die Studierenden nicht nur die korrekte Eingabe in den ikmk gelernt, sondern auch technisches und historisches Wissen zur Gattung Medaille an sich. Viele Sitzungen waren vom konzentrierten Arbeiten vor den Stücken und an der Datenbank sowie in der Bibliothek des Münzkabinetts geprägt. So ist etwa nicht sofort ersichtlich, dass die Medaille der Universität Lwiw zu Ehren des 80. Geburtstags von Antoni Małecki nicht etwa in der ukrainischen Stadt hergestellt wurde, sondern in Wien. Auch die Punze auf dem Rand der Medaille auf das 100-jährige Jubiläum des Naturgeschichtlichen Museums in Paris galt es erst zu entschlüsseln – ein Füllhorn als Symbol der Monnaie de Paris. 

Dass nun umgekehrt auch ganz andere Stücke als bisher im numismatischen Portal zu finden sind und damit neue Normdaten von Medailleuren und anderen Beteiligten hinzukommen, verweist auf die spezielle Sammlung der HU. Es sind vor allem Ereignis- und Personenmedaillen der letzten 150 Jahre: Universitäts- und Institutsjubiläen waren und sind Anlässe, Medaillen zu prägen, ebenso wie Geburtstage und Ehrungen von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen. Durch zahlreiche Geschenke besitzt die Universität auch diverse Medaillen anderer Universitäten, ein Schwerpunkt sind u. a. südamerikanische und osteuropäische Prägungen.

Lebendiges Gegenwartsschaffen

Ein Höhepunkt des Seminars war die Teilnahme am 29. Treffen des Berliner Medailleurkreises. Hier hatten die Studierenden Gelegenheit, mit heutigen Medailleurinnen und Medailleuren ins Gespräch zu kommen und über Techniken und Motive, den schwierigen Absatzmarkt und die Zukunftssorgen dieser besonderen Gattung Wissen aus erster Hand zu bekommen. 

Die Ergebnisse des Seminars und damit die ersten Einträge im ikmk der HU sind nun online mit Beispielen aus Argentinien (Internationaler Kongress zum 100. Jubiläum der Argentinischen Revolution und anlässlich der Einweihung der Warschauer Universität, in den Semestfererien folgen weitere. Zudem soll das Profil der universitären Medaillensammlung noch mit ergänzenden und zusammenfassenden Informationen herausgearbeitet werden. Ein entsprechender von den Studierenden kollaborativ verfasster Text wird dann zukünftig als externe Bemerkung abrufbar sein. Langfristiges Ziel ist es, im Münzkabinett alle Medaillen der HU zu erfassen und damit zugänglich zu machen. 

Beitragsserie: Kunstwerk des Monats

Das Kunstwerk des Monats stellt ausgewählte Stücke aus der Kunstsammlung vor. Monatlich rücken ein oder mehrere Objekte in den Mittelpunkt, um Einblicke in materielle Kultur, Sammlungsgeschichte und wissenschaftliche Kontexte zu geben. Die Beiträge beleuchten mit unterschiedlichem Schwerpunkt Herkunft, Gestaltung und Bedeutung der Objekte und zeigen, welche Fragen sich an ihnen ablesen lassen. Auf diese Weise eröffnen sie neue Perspektiven auf historische Entwicklungen, kulturelle Praktiken und aktuelle Forschungsinteressen, die mit dem Kunstbestand verbunden sind.

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Ergebnisse 1 bis 4 von 4
Menschen mit Handschuhen sortieren Medaillen auf einem Tisch.
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