Über das Lautarchiv
Das Lautarchiv gehört zu den ersten Klangarchiven Europas mit Schwerpunkt auf Sprachaufnahmen.

Über das Lautarchiv
Das Lautarchiv gehört zu den ersten Klangarchiven Europas mit Schwerpunkt auf Sprachaufnahmen.
Sammlungsbestände im Lautarchiv
Der Kernbereich des Lautarchivs umfasst rund 4.500 Schellackplatten mit etwa 3.800 Sprach- und rund 700 Musikaufnahmen. Weitere Trägermaterialien sind Wachswalzen und Magnettonbänder. Folgende Bestände bilden dabei den Kern der Sammlung.
Die Königlich Preußische Phonographische Kommission wurde vom Preußischen Kultusministerium eingerichtet, um während des Ersten Weltkriegs Sprache und Musik von Soldaten aufzunehmen, die in deutschen Kriegsgefangenenlagern interniert waren.
Die Sammlung PK 1 bis PK 1650 entstand zwischen 1915 und 1918 in 33 deutschen Kriegsgefangenenlagern. Die Signatur PK steht für Phonographische Kommission. Ziel der Kommission war es, Sprachen und Musiken „aller Völker der Erde“ zu dokumentieren.
Die Sammlung AUT 0 bis AUT 74 entstand zwischen 1917 und 1925 und trug ursprünglich den Titel „Stimmen berühmter Persönlichkeiten“. Als Sammlung von Stimmporträts wurde sie an der Preußischen Staatsbibliothek aufgebaut, wo sie Ludwig Darmstaedters Autographensammlung durch Audioaufnahmen ergänzen sollte. Die Signatur AUT steht für „Autophon“.
Wilhelm Doegen legte die Sammlung gemeinsam mit dem Chemiker und Wissenschaftshistoriker Ludwig Darmstaedter an. Berücksichtigt wurden ausschließlich männliche Stimmen aus Politik, Wissenschaft und Kultur.
Die Dialektsammlung LA 1 bis LA 2059 umfasst vorwiegend Aufnahmen deutscher Sprachvarianten, schließt aber auch Aufnahmen anderer Sprachen ein.
Die Audioaufnahmen dieser Bestandsgruppe entstanden zwischen 1920 und 1944. Ziel der Sammlung war es, die schriftlichen Erhebungen des Deutschen Sprachatlas, der seit dem späten 19. Jahrhundert an der Philipps-Universität Marburg erarbeitet wurde, durch Audioaufnahmen zu ergänzen. Die Sammlung entstand als Gemeinschaftsprojekt von Wilhelm Doegen und dem Marburger Germanisten Ferdinand Wrede. Historisch trug der Bestand den Titel „Deutsche Mundarten“.
Die Signatur LA steht für „Lautabteilung“ – unter diesem Namen wurde das heutige Lautarchiv 1920 institutionell an der Preußischen Staatsbibliothek begründet.
Einblicke in das Lautarchiv
Weitere Bestände
Die Strukturierung der Teilbestände – teils nach Medien, teils nach Inhalten, teils nach chronologischer Ordnung – ist historisch gewachsen. Nicht alle Bestandsgruppen sind auch in der Datenbank des Lautarchivs vollständig recherchierbar. So sind derzeit etwa Wachswalzen, historische Fotografien und technische Geräte noch nicht vollständig erfasst.
Während der Berliner Polizeiausstellung 1926 zeichnete Wilhelm Doegen Tondokumente mit Inhaftierten aus Berliner Gefängnissen auf. Die Aufnahmen bilden innerhalb der Dialektsammlung ein eigenes Konvolut. Sie tragen die Signaturen LA 709 bis LA 731.
Die Aufnahmen entstanden im Kontext zeitgenössischer Forschungen zu Physiognomik und Charakterologie. Diese gingen davon aus, dass sich vermeintlich „kriminelle“ Eigenschaften möglicherweise an der Stimme erkennen ließen.
Aufgrund ihrer Entstehungsbedingungen sowie der Machtverhältnisse zwischen den Aufgenommenen, den beteiligten Forschenden und Polizeibehörden gelten die Aufnahmen heute als sensibler Bestand.
Dieser Teilbestand umfasst rund 500 beschichtete Schallplatten sowie etwa 200 Gelatineplatten. Er ist bislang nur in Ansätzen erschlossen und stellt einen wichtigen Gegenstand zukünftiger Forschung dar.
Die Entstehungszusammenhänge und Inhalte der beschichteten Platten sind bislang weitgehend unbekannt. Historische Dokumentationen zu diesem Bestand sind nicht überliefert. Aufgrund ihres schlechten Erhaltungszustands können die Platten derzeit nicht abgespielt werden. Perspektivisch kommen berührungslose Digitalisierungsverfahren in Betracht.
Ein Teil der Gelatineplatten ist unter den Signaturen GA 1 bis GA 175 in einem historischen Inventarbuch verzeichnet. Dieses dokumentiert Aufnahmen, die in Zusammenhang mit den zwischen 1935 und 1940 entstandenen Dialektaufnahmen stehen. Darüber hinaus sind auch Aufnahmen aus anderen sprachlichen Kontexten überliefert, darunter Sprecher aus Togo und Haiti.
Dieser Teilbestand umfasst 312 Magnettonbänder aus der Zeit der DDR. Die Bänder sind digitalisiert; die Digitalisate können nach Anmeldung im Lautarchiv angehört werden.
Es handelt sich inhaltlich um einen sehr heterogenen Bestand, der bislang nur grundlegend erfasst ist. Dokumentiert sind derzeit lediglich eine laufende Nummerierung, die Beschriftungen der Bandkartons und Tonbandspulen sowie der Spulendurchmesser und weitere Daten zum Bandformat und Hersteller. Eine tabellarische Übersicht kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden.
Die Originalbänder können aus konservatorischen Gründen nicht abgespielt werden; einzelne Exemplare können jedoch im Lautarchiv gezeigt werden.

Auch Tierstimmen finden sich auf einzelnen Schellackplatten des Lautarchivs. Wilhelm Doegen nahm 1925 im Berliner Zirkus Krone die Laute von Elefanten, Seelöwen, Bären, Tigern und Löwen auf. Zwei Jahre später entstanden weitere Aufnahmen im Dresdner Zoo, darunter von Hyänen, Tigern und Affen. Sie wurden im historischen Signatursystem des Lautarchivs der LA-Gruppe zugeordnet.
Die Tierstimmenaufnahmen bilden keinen eigenständigen Teilbestand des Lautarchivs. Sie sind nicht mit dem Tierstimmenarchiv zu verwechseln, das 1951 von Günter Tembrock an der Humboldt-Universität zu Berlin begründet wurde und seit 1995 zum Museum für Naturkunde Berlin gehört.

Die „Lautbibliothek“ ist eine zwischen 1926 und 1944 erschienene Publikationsreihe der Lautabteilung an der Preußischen Staatsbibliothek sowie ab 1934 des Instituts für Lautforschung an der Berliner Universität. Der Bestand umfasst rund 150 Hefte.
Die Publikationen enthalten vor allem phonetische Transkriptionen und Übersetzungen von Sprach- und Dialektaufnahmen des Lautarchivs. Sie entstanden im Zusammenhang mit sprachwissenschaftlichen Forschungen zu den Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg sowie den Dialektaufnahmen der 1920er- und 1930er-Jahre.
Die Lautbibliothek ist nicht mit der Präsenzbibliothek des Lautarchivs zu verwechseln. Die Hefte können im Lautarchiv eingesehen werden.

Der Bestand umfasst rund 120 historische Fotografien aus dem Kontext des Lautarchivs. Die Fotografien sind bislang nicht systematisch erfasst und erschlossen. Ein historisches Inventar ist nicht überliefert. Digitalisate wurden vereinzelt, etwa für Ausstellungen und Publikationen, angefertigt.
Der Bestand ist – mit Ausnahme einzelner Fotografien – derzeit nicht über die Online-Datenbank nachgewiesen und recherchierbar. Bei spezifischen Anfragen wenden Sie sich bitte per E-Mail an uns.

Aktuelle Nachrichten des Lautarchivs
Forschungsprojekt des Lautarchivs
Besuch
Adresse
Lautarchiv im Humboldt Forum
Schloßplatz
10178 Berlin
Öffnungszeiten
nach Vereinbarung












