Geschichte

Das Zentrum für Kulturtechnik blickt auf eine rund 30-jährige Geschichte zurück: von den Anfängen als interdisziplinäres Zentrum über die Verstetigung als Zentralinstitut bis zur Neuausrichtung unter Direktorin Prof. Dr. Sharon Macdonald.

Gründung

Das Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik, mit dem Kurztitel „Zentrum für Kulturtechnik“ (ZfK), wurde im Jahr 1999 als erstes interdisziplinäres Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin gegründet. Zur Gründung bestand das ZfK aus drei Abteilungen: dem DFG-Projekt „Bild Schrift Zahl,“ der Arbeitsgruppe „Das Technische Bild“ und einem Projekt zur wissenschaftlichen Sammlungserschließung. 

Besonderes Anliegen war es, Forschungsergebnisse mittels Ausstellungen und Vorlesungen einer außeruniversitären Öffentlichkeit zu vermitteln. Dies gelang insbesondere mit Hilfe der Ausstellungsreihe „Auf dem Weg zum Humboldt Forum“, der Ausstellung „Theatrum naturae et artis. Wunderkammern des Wissens“ im Martin Gropius Bau und den regelmäßigen Helmholtz-Vorlesungen.

Die Gründungsmitglieder des Zentrums für Kulturtechnik waren:

  • Prof. Dr. Horst Bredekamp, Kunstgeschichtliches Seminar (HU)
  • Prof. Dr. Jochen Brüning, Institut für Mathematik (HU)
  • Prof. Dr. Wolfgang Coy, Institut für Mathematik (HU)
  • Prof. Dr. Friedrich Kittler, Seminar für Ästhetik (HU)
  • Prof. Dr. Sybille Krämer, Institut für Philosophie (FU)
  • Prof. Dr. Bernd Mahr, Institut für Telekommunikationssysteme (TU)
  • Prof. Dr. Thomas Macho, Kulturwissenschaftliches Seminar (HU)
  • Prof. Dr. Horst Wenzel, Institut für deutsche Literatur (HU)

Verstetigung & Umzug

Im Jahr 2012 wurde das Zentrum für Kulturtechnik als Zentralinstitut der HU verstetigt. Als Zentralinstitut verfolgt es ab diesem Zeitpunkt projektbezogene multidisziplinäre Forschung, interdisziplinäre Lehre und ihre Gestaltung. Auf der Basis einer einzigartigen Infrastruktur verknüpft das Zentrum seitdem historische und zukunftsorientierte Perspektiven auf der Ebene von Praktiken, Materialien und Objekten des Sammelns, Forschens und Gestaltens. Seine Ergebnisse macht es zugänglich durch universitäre Lehre, Tagungen, Publikationen, Ausstellungen und öffentliche Veranstaltungen. So wurde beispielsweise in den Jahren 2012 bis 2020 das interdisziplinäre Studienprogramm „Vielfalt der Wissenformen“ für Studierende aller Fachrichtungen am Zentrum für Kulturtechnik angesiedelt. Ziel des Programms war es, Wissen(schaft)sgeschichte am konkreten Objekt erfahrbar zu machen und Interdisziplinarität in der Praxis zu betreiben. 

Seit dem Jahr 2019 sitzt das Zentrum für Kulturtechnik im Gerlach- und Wolffbau auf dem Historischen Campus Nord im Bezirk Mitte, gleich neben dem Tieranatomischen Theater.

Unser Logo

Das Logo des Zentrums für Kulturtechnik vereint drei Phasen: Ästhetisch-visuell an lateinischen Buchstaben orientiert, lässt es sich als Abkürzung für „Zentrum für Kulturtechnik“ lesen. Tatsächlich sind die Zeichen jedoch dem sogenannten Unicode entnommen, d.h. dem paradoxen Versuch, die Vielfalt der mehr als 110.000 Schriften dieser Welt in einem einzigen Code zu vereinen, ohne dadurch eine semantische Einheit zu bilden. Das Logo erprobt das Zusammenwirken von material- und sammlungsbasierter Forschung und der Third Mission: Wissensaustausch mit der Gesellschaft und Vermittlung als dritte Säule der Universität.

Neuausrichtung & Open Humboldt

Unter der Leitung von Direktorin Sharon Macdonald und Vizedirektor Daniel Tyradellis wurde das Zentrum für Kulturtechnik seit dem Jahr 2021 ergänzt durch sozialanthropologische Perspektiven sowie die Arbeit zur Theorie und Praxis des Kuratierens. 

Mit der Ansiedelung des HU-übergreifenden Kompetenzfeldes Wissesaustausch mit der Gesellschaft widmet sich das Zentrum seit dem Jahr 2024 verstärkt dem Austausch mit Akteur*innen außerhalb der Universität und der Vermittlung von Wissenschaft an eine breite Öffentlichkeit im Sinne der Third Mission der HU (Open Humboldt). Die Arbeit des Zentrums lässt sich damit in drei zentrale Arbeitsfelder gliedern: Wissen & Gesellschaft, Ausstellungen und Sammlungen.

Seit dem Jahr 2025 ist der Kurztitel „Zentrum für Kulturtechnik“ (ZfK) sowie ein neues Logo in Gebrauch.

Gebäudehistorie

Das Zentrum für Kulturtechnik hat seinen Sitz auf dem Historischen Campus Nord der Humboldt-Universität. Der Campus Nord liegt im Bezirk Mitte, relativ versteckt zwischen Invaliden- und Luisenstraße. Auf dem parkähnlichen Herzstück des Campus entstand Ende des 18. Jahrhunderts die Königliche Tierarzneischule. Heute forschen und lehren hier Wissenschaftler*innen der HU gemeinsam mit anderen renommierten Berliner Wissenschaftsinstitutionen auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften sowie der Humboldt Graduate School. 

Das Zentrum für Kulturtechnik hat seinen Sitz in Haus 3, welches aus insgesamt drei Gebäudeteilen unterschiedlicher Entstehungszeit besteht: dem Tieranatomischen Theater, dem Gerlach- und dem Wolffbau.

Das Tieranatomische Theater

Das Tieranatomische Theater, im Volksmund auch „Trichinentempel“ genannt, wurde auf Geheiß von König Friedrich Wilhelm II 1789/90 von Carl Gotthard Langhans errichtet. Es ist das älteste erhaltene akademische Lehrgebäude Berlins und beherbergte die erste Tierarzneischule Preußens. Das Haus ist einer italienische Renaissancevilla in Vicenza und einem Anatomischen Theater in Padua nachempfunden. Im ersten Obergeschoss beherbergte es den Hörsaal, die Bibliothek, das Instrumentenkabinett, die Hufeisensammlung und die Galerie der Präparate und Skelette. Im Souterrain befanden sich die Räume der praktischen Anatomie, die anatomische Küche und die Präparationsräume. Der anatomische Unterricht und die Operationsübungen erfolgten in den Räumen im ersten Obergeschoss, während die Vorbereitung der (Pferde-)Kadaver in Räumen im Souterrain erfolgte. Für die Demonstrationen wurden die vorbereiteten Kadaver mittels eines Hubtisches in das darüberlegende „Anatomische Theater“ befördert.

Ab 1840 fanden mehrere Umbauten im Gebäude statt, mit dem Ziel mehr Raum für die Forschung zu gewinnen. Ab 1934 beherbergte das erste Obergeschoss neben dem Hörsaal, die Zimmer für die Institutsdirektion, die Laboratorien, die Sammlung und die Bibliothek. Im Souterrain war die Wohnung für den Institutsgehilfen, ein milchwirtschaftliches Labor, Technikräume und Räume für Versuchstiere untergebracht. In mehreren Jahren seit 2005 wurden die Fassaden und das Dach des Tieranatomischen Theaters instandgesetzt. Von 2009 bis 2012 konnte dann die Grundinstandsetzung des Gebäudeinneren folgen. Seither wird das Gebäude als Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude durch das Zentrum für Kulturtechnik betrieben.

Der Gerlachbau

1870 wurde Andreas Christian Gerlach (1811–1877) zum wissenschaftlichen und administrativen Direktor der Tierarzneischule berufen. Auf sein Drängen hin wurde das „Anatomische Theater“ um einen Anbau erweitert, der mittels einer Brücke mit diesem verbunden ist. Der Entwurf des Anbaus von 1873 stammt von Julius Emmerich (1834–1917). Der Anbau wurde als Obduktionsgebäude konzipiert und nahm zusätzlich im ersten Obergeschoss die Tierpräparatesammlung auf. 1889/90 wurden die Sammlungsräume zum Experimentierhörsaal umgebaut. 1934 bis 1936 wurde der Hörsaal zum Kurssaal umgestaltet.

Der Wolffbau

Der Architekt Walter Wolff ergänzte 1935 den Gerlachbau um einen Kopfbau an der Westseite. Initiator dieses Anbaus war Martin Lerche (1892–1980), der Ordinarius des Instituts für Nahrungsmittelkunde, das fortan seinen Sitz im Gebäude hatte. Der Anbau beherbergte eine Schlachthalle für Demonstrationen auf dem Gebiet der Fleischbeschau und -untersuchung. Im Zweiten Weltkrieg wurde der gesamte Gebäudekomplex beschädigt, blieb aber erhalten. Er diente nach Kriegsende als Ausbildungsstätte für Tierärzte und war vorübergehender Sitz der Lebensmittelhygieniker, Hygieniker sowie der Tierseuchentherapie. 1992 entschied der Berliner Senat aufgrund des Fusionsgesetzes die Zuordnung der Veterinärmedizin zur Freien Universität Berlin. Das Institut für Fleischhygiene und -technologie nutzt nun den Kurssaal, den Raum der historischen Bibliothek und die Labore im Souterrain. 

Die Sanierung des Gebäudeensembles wurde durch die Unterstützung zahlreicher Partner*innen ermöglicht, darunter die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Treuhandstiftung-Stiftung Anatomisches Theater, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, die Hermann Reemtsma Stiftung und die Stiftung Humboldt-Universität.

Zentralinstitut Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik

Sitz

Zentralinstitut Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik
Philippstraße 12 (Haus 3)
10115 Berlin