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Humboldt-Universität zu Berlin

Humboldt-Spektrum 2/2007

Editorial

Im Rampenlicht
Naturkundliche Forschung am Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin

Das Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin eröffnet am 13. Juli 2007, nach zwei Jahren Bauarbeiten, vier seiner Ausstellungssäle wieder, mit rund 1800 qm Ausstellungsfläche und teils runderneuerten, teils völlig neu konzipierten Ausstellungen. Zu diesem Anlass erscheint Humboldt-Spektrum als Themenheft zur Forschung an unserem Haus. Es gibt uns eine überaus willkommene Gelegenheit, direkte Einblicke in jene Bereiche zu gewähren, die dem Museumsbesucher üblicherweise verborgen bleiben.

Mit dem Museum für Naturkunde präsentiert sich in diesem Heft eine für eine Universität eher ungewöhnliche Einrichtung. Unser Haus gliedert sich nicht in die für eine Hochschule typischen, fachlich begründeten Institute, sondern in Abteilungen, die sich an unseren drei Hauptaufgaben (Sammeln, Forschen, Öffentliche Bildung) orientieren. Das Museum besitzt zudem riesige naturkundliche Sammlungen und, ebenfalls untypisch für eine universitäre Institution, ein großes öffentliches Ausstellungsmuseum, um es genau zu sagen: das größte naturkundliche Museum Deutschlands. In den Ausstellungen wird schwerpunktmäßig die Forschung des eigenen Hauses vermittelt. Dem breiten Spektrum der Forschung am Museum entsprechend umfassen die Ausstellungen Themen von der Kosmologie über die Evolution und globale Artenvielfalt bis hin zur einheimischen Fauna. Mittelpunkt unseres Hauses sind seine mehr als 30 Millionen Sammlungsobjekte, dank derer es mit den Museen in London, Paris, New York und Washington zu den fünf größten naturkundlichen Forschungsmuseen der Welt gehört. Unsere Sammlungen sind nicht lokal ausgerichtet, sondern umfassen Objekte aus aller Welt. Dies fußt auf der Funktion unseres Hauses als das nationale deutsche Naturkundemuseum, eine Funktion, die erst mit Ende des Zweiten Weltkrieges verloren ging und über Jahrzehnte dafür gesorgt hatte, dass die naturkundlichen Objekte, die von den großen deutschen Sammel- und Forschungsexpeditionen mitgebracht wurden, ganz selbstverständlich zu ihrer Pflege und wissenschaftlichen Erschließung in unsere Sammlungen eingingen.

Unsere Forschung ist dank unserer unschätzbar wertvollen Sammlungen vor allem sammlungsbasiert, von der Analyse von Meteoriten als Zeugen für die Entwicklung unseres Sonnensystems bis hin zu den Lebenswissenschaften, die auf unsere paläontologischen und zoologischen Sammlungen zurückgreifen können. Daneben haben aber durchaus auch experimentelle Ansätze und computergestützte Modellierungen ihren Platz im Forschungskanon des Museums; diese sind stets direkt oder indirekt mit unseren Sammlungen verbunden. Der Essay zur Forschung unseres Hauses und die weiteren Artikel in diesem Heft mögen Ihnen einen Eindruck von unserer wissenschaftlichen Bandbreite geben. Die Sammlungen fördern und fordern geradezu eine Fächer übergreifende Zusammenarbeit und sind somit Anlass und Mittel für eine intensive Vernetzung in der Forschung – innerhalb und weit über das Museum und die Humboldt-Universität hinaus. Wichtig in diesem Zusammenhang ist nicht zuletzt, dass sich das Museum für Naturkunde auch als Serviceeinrichtung versteht, die ihre Sammlungen als gewaltiges Archiv der Erdgeschichte und des Lebens genauso auswärtigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Verfügung stellt.

Mit dem öffentlichen Museum, insbesondere mit den im Juli neu eröffneten Dauerausstellungen, ist unser Haus in der wunderbaren Situation, als prominenter Vermittler von Wissenschaft und Forschung agieren und eigene und fremde Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können – womit gleich klar wird, dass die Eröffnung unserer neuen Ausstellungen kein an den Haaren herangezogener Anlass für ein Themenheft des Humboldt-Spektrums ist. Vielmehr ergänzen sich Ausstellungen und Themenheft ideal; es ist gewissermaßen die Fortführung der Ausstellungen mit anderen Mitteln. Dritter in diesem Bunde ist der vom Museum für Naturkunde herausgegebene Essayband »Als das Leben laufen lernte. Evolution in Aktion« (Prestel Verlag, München), der die Forschung an Naturkundemuseen am Beispiel unseres Hauses vorstellt und ebenfalls zeitgleich mit der Eröffnung unserer neuen Ausstellungen erscheint. So ergibt sich eine reizvolle Beleuchtung unserer naturkundlichen Forschung gleichzeitig von mehreren Seiten. Diese ist eine solche Präsentation im Rampenlicht allemal wert, nicht nur, weil sie spannend ist, sondern vor allem, wenn man ihre praktische Bedeutung für brandaktuelle Themen wie die Erhaltung der heute lebenden Tier- und Pflanzenwelt (Stichwort: Biodiversität) oder den Klimawandel und seine Folgen für diese Biodiversität bedenkt. Die Forschung am Museum für Naturkunde mag hinter den Kulissen erfolgen; sie geht dennoch jeden von uns unmittelbar etwas an.

 TITELBILD: 2/2007

Prof. Dr. Reinhold Leinfelder
Generaldirektor des Museums für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin


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