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Berlin University Alliance

Die Entscheidung in der Exzellenzstrategie des Bundes fällt am 19. Juli 2019

Die Freie Universität Berlin (FU), die Humboldt-Universität zu Berlin (HU), die Technische Universität Berlin (TU) sowie die Charité – Universitätsmedizin Berlin bewerben sich unter dem Namen Berlin University Alliance gemeinsam in der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder. Mit dem neuen, bundesweiten Förderwettbewerb, der der Exzellenzinitiative folgt, sollen wissenschaftliche Spitzenleistungen, Forschungskooperationen und die Profilbildung von Universitäten weiter gestärkt werden. Im Herbst 2018 hatten die vier Berliner Partnerinnen sieben Exzellenzcluster, also große Verbundforschungsprojekte zu zukunftsträchtigen Themen, eingeworben und damit die „Fahrkarte“ erhalten, um sich als Universitäten-Verbund um den Exzellenztitel zu bewerben.

Die Entscheidung, wer den Titel erhält, fällt am 19. Juli 2019. Neben der Berlin University Alliance sind noch 17 Universitäten und ein weiterer Verbund im Rennen. Ab November 2019 sollen bis zu elf Exzellenzuniversitäten oder Exzellenzverbünde gefördert werden. Im Erfolgsfall kann der Berliner Verbund insgesamt 196 Millionen Euro in sieben Jahren beantragen, um seine strategischen Pläne umzusetzen.

Die HU hat ein eigenes Cluster, Matters of Activity, das an das 2012 bewilligte Cluster Bild Wissen Gestaltung anknüpft, eingeworben. Außerdem ist sie an drei erfolgreichen Clustern beteiligt: Science of Intelligence (SCIoI), ein Neuling unter den Clustern, Neurocure, ein Verbund von HU, FU und Charité, sowie MATH+, ein Zusammenschluss von HU, FU und TU.

Aktuelles aus dem Verbund

Anschubförderung für gemeinsame Forschungsprojekte - Die University of Melbourne und die Partnerinnen der Berlin University Alliance legen ein Förderprogramm für gemeinsame Forschungsprojekte auf

Neue Professuren für Digitalisierungsforschung - Vier Wissenschaftler forschen am Einstein Center Digital Future künftig zu computer-assistierter Medizin, Wandel der Arbeitswelt und biomedizinische Bildgebungsverfahren

Von Schlaganfallforschung bis Globalgeschichte

Einstein Stiftung Berlin fördert Forschungsvorhaben und -aufenthalte an den drei großen Berliner Universitäten und der Charité 

 

Matters of Activity: Image Space Material

Eine neue Kultur des Materialen

Matters of Activity
Foto: Bild Wissen Gestaltung

Konsequenter kann man die Idee der Trennung von Körper und Geist eigentlich nicht in ein Produkt umsetzen. Im Silicon Valley des 21. Jahrhunderts hat sich der Geist gleichsam des Körpers entledigt, „leben“ Algorithmen ohne Verfallsdatum auf immer neuen, verschleißenden Festplatten. So verführerisch scheint einigen dieses Unsterblichkeitsmodell zu sein, dass ein Start-up es nun gar auf den Menschen übertragen will, indem es das Gehirn, vielmehr: dessen Denkaktivität, in eine Cloud hochladen möchte. Der Körper als Trägermaterial einer unsterblichen Information, beliebig austauschbar oder sogar ganz und gar überflüssig?

Einem radikal anderen Blick auf die Welt der Materie kann man in der Sophienstraße in Berlin-Mitte begegnen. Hier befinden sich die Räumlichkeiten des Exzellenzclusters Matters of Activity, der im Januar 2019 die Arbeit aufgenommen hat. Schon der Name zeigt: Materie wird hier nicht als etwas Passives verstanden, das nach Maßgabe eines externen Willens funktionieren muss und bei Versagen verschrottet wird, sondern als etwas Eigengesetzliches, dessen Regungen bejaht und als produktiv betrachtet werden. Wolfgang Schäffner, Professor für Wissens- und Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, ist Sprecher des neuen Exzellenzclusters. Die westliche Postmoderne, deren Blick auf das Materiale er und seine Mitstreitenden verändern wollen, begreift er als geprägt von einer Kultur des Konservierens. „Veränderung ist in unserer gegenwärtigen Kultur des Materialen nicht vorgesehen, die Aktivität eines Materials will man also meist ausschalten. Ein Tisch aus Holz soll genau so bleiben, wie er ist, und nicht mit der Zeit aus dem Leim gehen; Eisen korrodiert, man braucht einen Korrosionsschutz.“

Alterungsprozesse aufhalten zugunsten eines Ideals starrer Unvergänglichkeit – in einem nach Unordnung strebenden Universum ist das ein Kampf auf verlorenem Posten. Dass man Artefakte auch ganz anders denken kann, zeigt der Philosoph, Literaturwissenschaftler und Medizinhistoriker, indem er die europäische Haltung mit einem Beispiel aus Fernost kontrastiert. „Japanische Schreine stehen unter Denkmalschutz wie viele Gebäude hierzulande auch, werden aber alle 20 Jahre abgerissen und dann neu aufgebaut“, sagt Schäffner. Der Forscher bezieht sich auf eine Tradition im Rahmen der Naturreligion Shintoismus, die im Gegensatz zu den meisten europäischen Denktraditionen auf das Diesseits fokussiert. „Dort ist es also der Bauprozess, der bewahrt wird, während wir die Objekte der Vergangenheit selbst wie Leichen konservieren.“ Eine Kultur des Einbalsamierens, die dem Tod so mindestens symbolisch ein Schnippchen schlagen will?

„Das Auto war niemals als Massenprodukt gedacht“

Die historischen Ursprünge der Neigung zum übermäßig haltbaren Produkt verortet Wolfgang Schäffner vor allem im 19. Jahrhundert. „Das war die Zeit der Eisenbahn, der Mechanik, von Beton und Stahl, von passiven, harten und starren Materialien.“ Prinzipien von damals hätten auch im 20. Jahrhundert Gültigkeit gehabt und fänden sogar heute noch Anwendung. Unter anderem im Gebrauch schwer recycelbarer Materialien, die oft bereits in der Herstellung übermäßig viel Energie verschlingen. Material würde hier ausschließlich passiv gedacht und müsste „gegenüber einem Befehlsgeber stillhalten, wie ein Sklave. Das ignoriert eine Intelligenz, die in der Sache selbst liegt, was extrem viel Energie kostet.“ Gemeint ist, dass in einem solchen Design das Einwirken von Umweltfaktoren – Sonneneinstrahlung, Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen – kostenintensiv unterbunden wird.

Solche Warendesignideen sind heute Basis einer globalen Industrie, die jedes Jahr ihre Erträge steigert. Verhängnisvoll ist das nicht nur in Hinblick auf die stetig wachsenden Plastikmüllgebirge. „Um ein konkretes Beispiel für dieses Denken in der Produktion zu nennen: Das Auto ist das Erbe der Eisenbahn, eine historische Altlast, die wir mit uns herumschleppen. Wir bauen da etwas, das eine Tonne schwer ist, um ein Objekt von unter 100 Kilogramm zu bewegen“, betont Wolfgang Schäffner und schüttelt den Kopf. „Noch dazu war das niemals als Massenprodukt gedacht. Dazu kann man nur sagen, dass die gegenwärtige Technologie in Hinblick auf die Gestaltung das Spiel von vornherein verloren hat. Ingenieurstechnisch steckt zwar eine Menge Know-how dahinter. Aber Matters of Activity denkt in einer ganz anderen Richtung.

Wo der Mensch nach wie vor gern Entwürfe in Beton gießt, arbeiten natürliche Systeme meist mit abbaubaren, adaptiven Materialien. „Die Dinge gehen in der Natur vielleicht nicht so schnell wie bei einem Flugzeug und mit Holz kann man vielleicht nicht ganz so hoch bauen – dafür ist das energetisch viel nachhaltiger“, sagt Wolfgang Schäffner. Hochkomplexe Strukturen würden in biologischen Systemen häufig durch die situativ anpassbare Architektur eines einzigen Stoffes, etwa eines Faserstoffes wie Zellulose, erreicht. Solche Materialien und Systeme, die an und in ihnen stattfindenden Prozesse des Webens, Schneidens und Filterns, will das Forscherteam untersuchen, in ihrer Funktionsweise besser verstehen und auf Adaptierbarkeit hin untersuchen, um so Alternativen in Hinblick auf überkommenes Objektdesign zu entwickeln.

Natürliche Materialien arbeiten energieeffizient

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für einen adaptiven Prozess, der im Cluster untersucht wird: der Biofilm. Dieser besteht aus einer Schleimschicht, in der Mikroorganismen unterschiedlichen oder gleichen Typs leben, über chemische Signale miteinander kommunizieren und je nach Situation kollektiv ihr Verhalten anpassen. So schützen sich die Mikroorganismen gegenseitig vor dem Verhungern oder helfen sich im Kampf gegen Angreifer. Fast keine wässrige Grenzfläche – ob Schneidezahn, Waschbecken oder Waldboden – ist vor dem blitzschnellen Entstehen solcher Verbünde sicher. Dreidimensionale Struktur und Wachstum von Biofilmen hängen ganz und gar von den spezifischen Umweltbedingungen ab. Aufgrund ihrer strukturellen Komplexität lassen sie sich mathematisch bislang nicht beschreiben. „Schon ein Häufchen Bakterien baut also Strukturen, die unsere bisherigen Vorstellungen von Code und Intelligenz überfordern“, resümiert Schäffner und zeigt so das große Potenzial entsprechender Grundlagenforschung auf.

Bislang sei die Intelligenz von Systemen stets in digitale Steuerungen ausgelagert worden. „In der Natur gibt es eine solche Trennung von Arbeits- und operativer Einheit aber nicht. In jeder Holzstruktur, in jedem Blatt, steckt Code – nicht nur in der DNA.“ Struktur und Funktion hingen hier zusammen, ließen sich nicht voneinander trennen. Ziel des Clusters sei es insofern, das Analoge in seiner transdigitalen Qualität sichtbar zu machen. „Unser Kampf heißt heute Anthropozän. Herkömmliche Artefakte durch Äquivalente aus abbaubaren Stoffen wie Zellulose oder Zuckern zu ersetzen, ist das Optimum, das wir als Weltgemeinschaft perspektivisch erreichen können. So würden wir vermeiden, dass weitere Müllberge entstehen, die sich nicht mehr in den Wertstoffkreislauf rückführen lassen.“ Mit interdisziplinärer Grundlagenforschung zu Struktur und Aufbau solcher vergänglichen Materialien hofft der Cluster, die Welt dieser Zukunft einen Schritt näher zu bringen.

Autorin: Nora Lessing

Berlin University Alliance-Beilage im Tagesspiegel

Sprecher

Prof. Dr. Wolfgang Schäffner
Tel.: +49 (0)30 2093-66257
wolfgang.schaeffner@hu-berlin.de

Antragstellende Hochschule

Humboldt-Universität zu Berlin

Kooperationspartner

Direkt beteiligte Institutionen: Charité Berlin, Freie Universität Berlin, HTW Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Kunstgewerbemuseum Berlin, MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung Potsdam, Technische Universität Berlin, Weißensee Kunsthochschule Berlin

Wichtigste Kooperationspartner (Auswahl)

Bard Graduate Center, New York; Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung, Berlin; École nationale supérieure des Arts Décoratifs, Paris; Universidad de Buenos Aires; Universidade de São Paulo; Wyss Institute / Harvard University

Weitere Informationen

Matters of Acitivity
Link zur Verbundwebseite

Weitere Cluster mit HU-Beteiligung

MATH+
Wie Berliner Mathematik die Zukunft gestaltet

 

Das Exzellenzcluster Math Plus
Foto: MATH+

Mit dem Forschungszentrum der Berliner Mathematik MATH+ entsteht ein institutionen- und disziplinübergreifender Exzellenzcluster, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Ansätze in der anwendungsorientierten Mathematik erforschen und weiterentwickeln wollen. Im Fokus stehen mathematische Grundlagen zur Nutzung immer größerer Datenmengen in den Lebens- und Materialwissenschaften, der Energie- und Netzwerkforschung oder den Geistes- und Sozialwissenschaften. Ziel ist es, neben wissenschaftlichen Fortschritten auch technologische Innovationen und ein umfassendes Verständnis sozialer Prozesse zu forcieren. MATH+ wurde von den drei großen Berliner Universitäten – Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin und Technische Universität Berlin – gemeinsam beantragt und bindet das Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik sowie das Zuse-Institut Berlin konzeptionell wie strukturell ein. Es schreibt die Erfolgsgeschichten des renommierten Forschungszentrums Matheon und der Berlin Mathematical School fort, die seit 2006 durch die Exzellenzinitiative gefördert wird.

„Die Entscheidung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den Exzellenzcluster MATH+ zu fördern, bestätigt die herausragende Stellung Berlins als international exzellenter Standort, an dem die Mathematik in ihrer gesamten Breite, von der reinen Theorie bis hin zu einer großen Vielzahl mathematischer Anwendungsfelder, vorangetrieben wird“, betont Professor Martin Skutella von der Technischen Universität Berlin und einer der drei Sprecher von MATH+. Die konsequent interdisziplinäre Ausrichtung von MATH+ werde dazu beitragen, Fortschritte bei so wichtigen Zukunftsthemen wie der nachhaltigen Energieversorgung, der individualisierten Medizin oder auch der Analyse sozialer Prozesse zu erzielen.

„Unsere Forschung wird durch einen Transferbereich komplementiert, dessen Aufgabe es ist, Forschungsergebnisse möglichst zeitnah in Industrie und Gesellschaft zu bringen“, erläutert Clustersprecher Professor Michael Hintermüller von der Humboldt-Universität zu Berlin.

Das Forschungsprogramm von MATH+ geht aber weit über die technologie-orientierte Forschung hinaus. „Unser Ziel ist es, in ausgewählten Zukunftsfeldern mit Mathematik neue Themen zu erschließen“, erklärt der dritte Sprecher, Professor Christof Schütte von der Freien Universität Berlin. „Dabei denken wir an ungewöhnliche und neue Kooperationen zu gesellschaftlich relevanten Themen, insbesondere mit Kollegen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften.“ Neben konkrete Forschungsprojekte soll hier ein neues kreatives Element treten, das „Topic Development Lab“: Es schafft intellektuelle Freiräume und bietet einen Rahmen für ganz unterschiedliche Formate. Hier sollen weltweit renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Disziplinen zusammenkommen und neue Forschungsthemen explorieren. Darüber hinaus wird MATH+ selbst zum Forschungsobjekt: Im Rahmen einer soziologischen Untersuchung soll analysiert werden, welche Rolle der Exzellenzcluster in der Karriere-Entwicklung junger Mathematikerinnen einnimmt, wie er sich auf Karriere-Entscheidungen und die akademische Auswahlprozesse auswirkt.

MATH+ will nachhaltig auf die Entwicklung der Mathematik in Deutschland und der Welt ausstrahlen. Deshalb wird der Ausbildung in Studium und Forschung höchste Bedeutung zugemessen. Hier baut MATH+ auf eine Weiterentwicklung der international renommierten Berlin Mathematical School (BMS), unter anderem mit dem Ziel, die Karrierelücke zwischen der Phase als Postdoktorandin oder -doktorand und einer Professur zu schließen.

Sprecher

Prof. Dr. Michael Hintermüller (Humboldt-Universität zu Berlin)
Tel.: 030 2093-2668
hint@math.hu-berlin.de

Prof. Dr. Christof Schütte (Freie Universität Berlin),
Tel.: 030 838-75353
schuette@mi.fu-berlin.de

Prof. Dr. Martin Skutella (Technische Universität Berlin)
Tel.: 030 314-78654
martin.skutella@tu-berlin.de

Antragstellende Forschungsinstitutionen:

Technische Universität Berlin (Sprecherhochschule)

Freie Universität Berlin

Humboldt-Universität zu Berlin

Kooperationspartner

  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)

  • Deutsches Archäologisches Institut (DAI)

  • Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH)

  • Helmholtz Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB)

  • Max Delbrück Centrum für molekulare Medizin (MDC)

  • Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (MPIMG)

  • Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

  • Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)

  • Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

Weitere Informationen

Link zur Verbundwebseite

 

NeuroCure
Neue Perspektiven in der Therapie neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen

 

Das Exzellenzcluster NeuroCure
Foto: Andreas Horn

Der neurowissenschaftliche Exzellenzcluster NeuroCure wird bereits seit 2007 im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder an der Charité – Universitätsmedizin Berlin gefördert und kann nun seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen. Die Erforschung von neurologischen sowie psychiatrischen Krankheitsmechanismen und die Übertragung grundlagenwissenschaftlicher Erkenntnisse in klinisches Handeln, kurz: Translation, stehen im Zentrum des interdisziplinären und internationalen Konsortiums. NeuroCure wird sich in Zukunft mit Projekten aus dem gesamten Lebensbereich – von der embryonalen Entwicklung bis ins hohe Alter – beschäftigen und neue innovative Module etablieren, die den Translationsprozess beschleunigen.
NeuroCure ist an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der gemeinsamen medizinischen Fakultät von Freier Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin – angesiedelt und kooperiert eng mit verschiedenen außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

„Unser Ziel ist, Erkenntnisse aus der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung noch erfolgreicher als bisher in die klinische Anwendung zu überführen und neue therapeutische sowie diagnostische Ansätze für Patientinnen und Patienten zu entwickeln,“ sagt Prof. Dietmar Schmitz, Direktor des Neurowissenschaftlichen Forschungszentrums an der Charité und Sprecher des Clusters.

Die Untersuchungsansätze reichen von molekularen Methoden über bildgebende Verfahren bis zu verhaltensbiologischen und neuropsychologischen Untersuchungen. Dabei stehen Entwicklungsstörungen, aber auch Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose, Demenz und Epilepsie sowie verschiedene psychiatrische Krankheitsbilder wie Schizophrenie, Sucht und Depression im Vordergrund. „Mit unserer Forschung möchten wir übergreifende Mechanismen über die Entstehung und die Verläufe von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen identifizieren und uns nicht allein auf eine spezifische Krankheit des zentralen Nervensystems fokussieren. Dabei ist unsere interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr wichtig, damit wir aussichtsreiche Therapien entwickeln können“, erklärt Dietmar Schmitz. Um die Forschung der Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu unterstützen, werden Know-how und hochmoderne Geräte in zentralen Einrichtungen zur Verfügung gestellt.

Zur Förderung der klinischen Forschung wird das bereits etablierte NeuroCure Clinical Research Center durch das Modul 'BrainLab' erweitert. Zukünftig werden in enger Zusammenarbeit mit den klinischen Bereichen der Neurochirurgie und der neurologischen Intensivstation Behandlungswege insbesondere für akute und hyperakute Erkrankungen entwickelt. Dies ermöglicht eine noch umfassendere Erforschung verschiedenster neurologischer Krankheitsbilder.

Das Mentoring-Programm 'SPARK-Berlin' soll die Umsetzung von Ergebnissen aus der Forschung in klinisch-relevante Arzneimittel und Diagnostika beschleunigen.

Mithilfe des 'VOS-Moduls' (Value and Open Science) soll die Vorhersagekraft und Reproduzierbarkeit der Forschung verbessert werden; zudem soll ein freier Zugang zu den Resultaten der wissenschaftlichen Arbeiten ermöglicht werden.
„Gerade durch die Schaffung dieser neuen strukturellen Module, der Vernetzung der laufenden Forschungsaktivitäten sowie durch die Rekrutierung exzellenter Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler wird der neurowissenschaftliche Standort Berlin beständig ausgebaut“, so Schmitz.

Zu den Partnern von NeuroCure zählen das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC). Auch wird die Zusammenarbeit mit den beiden transnationalen Forschungszentren, dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH) und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), weiter ausgebaut.

Sprecher

Prof. Dr. Dietmar Schmitz (Charité – Universitätsmedizin Berlin)

Antragstellende Hochschulen

Freie Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin als Trägerinnen der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Beteiligte Institutionen

Helmholtz Gemeinschaft (Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen/DZNE

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin/MDC), Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)

Max-Planck Gesellschaft (MPIIB)

Kooperationspartner

Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH)

Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB)

Weitere Informationen

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Science of Intelligence (SCIoI)
 

Science of Intelligence
Foto: Oliver Brock

Künstliche Intelligenz (KI) wird unseren Alltag grundlegend verändern – so sagen es wissenschaftliche Studien vor- aus. Der Exzellenzcluster Science of Intelligence (SCIoI) beschäftigt sich ganz grundlegend mit allen Facetten der Intelligenz: Welche fundamentalen Prinzipien liegen den unterschiedlichen Formen von Intelligenz zugrunde? In dem Cluster kooperieren Forschende aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen, von der Psychologie, der Medizin, der Robotik bis hin zur Philosophie, daher ist die Begriffsschärfung ein wesentliches Etappenziel.

 

„In der Informatik und Robotik definieren wir künstliche Intelligenz als ein Verhalten bei technischen Systemen, das wir bei biologischen Systemen als intelligent bezeichnen würden“, sagt Verena Hafner, Professorin für Adaptive Systeme an der Humboldt-Universität. „Nicht nur Menschen, sondern auch einzelne Tiere, Fischschwärme oder Roboter können intelligent sein. Intelligentes Verhalten bei künstlichen Systemen kann völlig anders aussehen als bei Menschen.“

Ihr Kollege John-Dylan Haynes, Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der Humboldt-Universität und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, definiert Intelligenz so: „In der Psychologie hat die Intelligenzforschung eine lange Tradition. Der berühmte Intelligenzquotient gilt dort als Maß für geistige Leistungsfähigkeit. Aber auch die psychologischen Intelligenzforscher finden nur schwer eine gemeinsame Definition. Es gibt immer noch keine Einigkeit über die Grundmechanismen menschlicher Denkprozesse.“ Sabine Ammon hält die Spannungen zwischen den Disziplinen für unvermeidbar: „Wir können sie aber produktiv nutzen und Unstimmigkeiten als Auslöser neuer Denkansätze sehen“, sagt die Professorin für Philosophie an der Technischen Universität Berlin. „Allein in der Philosophie versuchen wir seit mehr als 2000 Jahren das Denken zu verstehen. Was heute als Intelligenz diskutiert wird, wurde zu anderen Zeiten Verstand oder Geist genannt.“

In einem Programm wird jede neue Theorie nachgebaut

Damit bei so unterschiedlichen Zugängen Zusammenarbeit überhaupt gelingen kann, haben sich die Forschenden vorab auf ein paar zentrale Kriterien für Intelligenz geeinigt: Sie ist anpassbar, liefert nicht nur Lösungen für Nischenprobleme, sondern ist in vielen Anwendungssituationen einsetzbar. „Intelligente Lösungen sind elegant und effektiv, sie arbeiten nicht mit der Brechstange. In einem Schachcomputer werden mit viel Rechenleistung alle denkbaren Handlungsoptionen durchgespielt. Die meisten Alltagsprobleme sind aber mit hohem Zeitdruck verbunden. Da bleibt keine Gelegenheit, alle Optionen durchzuspielen“, erläutert Haynes. „Intelligent ist es, die erfolgversprechendsten Lösungsoptionen auf effektive Weise herauszufiltern und nur diese auszuprobieren.“

Neben dieser gemeinsamen Arbeitsdefinition spielen künstliche Systeme eine zentrale Rolle im Cluster. „Jede neue Theorie wird in einem Roboter oder einem Computerprogramm nachgebaut. Damit können wir testen, ob das System sich wirklich intelligent verhält“, sagt Verena Hafner. „Das ist keine Einbahnstraße. Das Verhalten der künstlichen Systeme hilft uns, bessere Fragen an natürliche Systeme zu stellen. Diese Schleife – von der Natur zum Roboter und wieder zurück – ist ein zentrales Arbeitsprinzip im Cluster.“

 

Dabei setzen die Forschenden voraus, dass der Intelligenzbegriff nicht statisch ist. „Menschliche Intelligenz entsteht immer im Austausch von Kultur und Technik. Durch den Einsatz intelligenter Maschinen und Systeme werden sich unsere Kulturtechniken verändern – und damit auch das, was wir als intelligentes Verhalten bezeichnen“, sagt Sabine Ammon.

Die Auswirkungen des wachsenden Anteils künstlicher Intelligenz in unserem Alltag zu erforschen, gehört ebenfalls zu den Zielen von SCIoI. „Laut einer Forschungsarbeit aus dem Jahr 2013 sollten potenziell 47 Prozent aller Jobs durch Computer ersetzt werden. Diese Studie wurde damals in allen Medien zitiert“, erinnert sich Haynes. Bei genauerer Betrachtung zeigte sich aber: Die Studie war zu undifferenziert, und die Einschätzung musste stark relativiert werden.

Lehrer sind absehbar nur schwer durch Maschinen zu ersetzen

Heute geht man von viel geringeren Quoten aus, einige Studien sehen sogar eine Nettozunahme der Arbeitsplätze. „Im Zuge technischer Entwicklungen sind schon immer einige Berufe obsolet geworden. Heute bedauert niemand, dass es keine Lieferanten für Eisblöcke, Gaslampenanzünder, Liftboys oder Telefonvermittler mehr gibt“, sagt Haynes. „Berufe, die manuelle Geschicklichkeit oder soziale Interaktionen und Einfühlungsvermögen erfordern, wie Friseur und Lehrer, sind absehbar nur schwer durch Roboter zu ersetzen. Entscheidend ist jedoch, dass es uns gelingt, eine harmonische Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine zu erreichen. Gerade im Zusammenspiel zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz liegt ein großes Potenzial.“

Die aktuellen Veränderungen sehen die Forschenden als eine Aufforderung, aktiv zu werden. Niemand ist in der Lage, gesellschaftliche Veränderungen vorauszusehen. Daher können Überlegungen über zukünftige Entwicklungen nur aus der Erfahrung der Gegenwart heraus angestellt werden. Inwiefern diese Voraussagen Wirklichkeit werden, liegt auch in der Hand der Gesellschaft.

„Das Thema künstliche Intelligenz polarisiert: paradiesartige Verheißungen treffen auf Weltuntergangsängste. Hinzu kommt das Gefühl einer großen zeitlichen Beschleunigung der technologischen Veränderungen und die Sorge, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden“, sagt Ammon. „Aber ich bin optimistisch, dass unsere Gesellschaft robust genug ist, angemessene Antworten auf die neuen Herausforderungen zu finden.“ Ein Schlüssel liege sicherlich im Faktor Zeit. „Es braucht einen gesellschaftlichen Dialog und ausreichend Zeit für Lernprozesse und die Ausgestaltung der neuen Technologien im Einklang mit unseren Wertvorstellungen.“

Autorin: Katharina Jung

Sprecher

Prof. Dr. Oliver Brock, Technische Universität Berlin

Antragstellende Hochschulen

Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin

Partnerinstitutionen

Charité – Universitätsmedizin Berlin, Freie Universität Berlin, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin, Universität Potsdam

Kooperationspartner

Internationale Kooperationen: MIT (Center for Brains, Minds, and Machines); University of Oxford; Aarhus University (Interacting Minds Center);
Nationale Kooperationen: Bernstein Center for Computational Neuroscience Berlin, Einsteincenter Neuroscience
Kooperationen mit der Industrie: Amazon Development Center Berlin, Datalab Volkswagen AG, PSIORI, mindX, Hypoport

Weitere Informationen

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