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Das Flechtwerk der Dinge

Die Universität öffnet ab 21. Oktober 2019 ihre Sammlungen für ein neues, interaktives Besuchserlebnis


Der Lavastein des Abu Djihad stammt aus Westsyrien.
Geomorphologisch-Geologische Sammlung / Dr. Mohsen Makki
Foto: Felix Sattler

Die Humboldt-Universität verfügt über 40 vielfältige Sammlungen, die aus unterschiedlichsten Fächern, Zeiten und Kontexten stammen. Sie befinden sich in den jeweiligen Instituten, werden zu Zwecken der Forschung und Lehre genutzt und wurden bislang nur zu ausgewählten Anlässen der Öffentlichkeit präsentiert. Das wird nun anders. Ab dem 21. Oktober 2019 werden Ausstellungsobjekte aus den HU-Sammlungen unter dem Titel „Das Flechtwerk der Dinge. Sammlungsschaufenster der Humboldt-Universität“ im Tieranatomischen Theater (TAT) in einer Dauerausstellung mit interaktiven Elementen präsentiert.

„Wir nutzen die vier historischen Bibliotheksschränke von 1790 im ersten Stockwerk, um ansonsten räumlich und fachlich getrennte Exponate zusammenzubringen und diese mittels einer App auf Smartphone oder Tablet-PC, das im TAT auch ausgeliehen werden kann, virtuell erfahrbar zu machen“, berichtet Felix Sattler, Ideengeber und Kurator der Ausstellung – zusammen mit Sarah Becker und Jessica Korp.

Stein des Abu Djihad

Ausgehend von vier Themenfeldern – „Gebrauch der Dinge“, „Herkunft und Verlust“, „Objektvielfalt“ und „Brandenburg“ – werden vertraute Objekte und berühmte Personen ebenso wie weniger Bekanntes, aber Überraschendes zu sehen sein. So lässt sich in Heiner Müllers Forschungsbibliothek blicken. Darin befinden sich nicht nur wertvolle und alte Dokumente, sondern auch ein Krimi zu 1,99 Reichsmark, „Grünes Eis“ von Raoul Whitfield, in dem Heiner Müller seine Gedanken zum Lesen auf Reisen notierte.

Nicht besonders spektakulär erscheint der Stein des Abu Djihad aus Westsyrien, die Geschichte dahinter schon: Max von Oppenheim nahm ihn 1894 in seine Sammlung auf. Der aus jüdischer Familie stammende Archäologe und Abenteurer entwickelte sich zu einem glühenden deutschen Nationalisten. Er engagierte sich für den „heiligen Krieg“ der arabischen Gemeinschaften, da er ihn als Mittel ansah, das osmanische Imperium von der arabischen Halbinsel zu vertreiben. Das brachte ihm den Spitznamen Abu Djihad ein.

Zum Auftakt 80 Objekte aus 24 Sammlungen der HU

„Die Besucherinnen und Besucher werden sich gezielt über einzelne Objekte informieren oder sie in virtuellen Touren durch Texte, Bilder und Filme zu diversen Themen und in verschiedensten Zusammenhängen kennenlernen können“, unterstreicht Sattler. Die virtuellen Touren zu Sammlungspraktiken, zeithistorischen Einordnungen, genderspezifischen Fragestellungen und Objektgattungen bilden Brücken zwischen wissenschaftlichen Disziplinen, die auch neue Perspektiven auf hochaktuelle gesellschaftliche Themen wie beispielsweise Migration einschließen.

Zum Auftakt präsentiert das Sammlungsschaufenster 80 Objekte aus 24 Sammlungen der HU und von Partnerinstitutionen. „Als dynamische Dauerausstellung konzipiert, werden die Objekte und Themenschwerpunkte in zeitlichen Abständen von sechs bis vierundzwanzig Monaten ausgetauscht, sodass sich wieder neue Themen und Verknüpfungen ergeben und die Objekte auch für die Forschung und Lehre weiterhin in den Sammlungen nutzbar bleiben“, sagt Sattler.

Interessierte sind eingeladen, immer wieder vorbeizuschauen und Neues für sich zu erkunden, beispielsweise im Anschluss an Besuche der Sonderausstellungen oder der Basisausstellung rund um die Entstehungsgeschichte des TAT. Die App wurde von shoutr labs konzipiert, das aus einem Startup an der HU hervorgegangene Unternehmen widmet sich der Entwicklung von Augmented-Reality-Anwendungen im Ausstellungsbereich.

Autorin: Ljiljana Nikolic

Weitere Informationen

Ausstellungseröffnung „Das Flechtwerk der Dinge“

Webseite des TAT 

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