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„Ich hab's überlebt, das ist die Hauptsache“

Eine Webseite mit Biographien und Interviews klärt über die Vertreibung jüdischer Studierender 1933-1938 aus der Berliner Universität auf

Etwa zweitausend jüdische Studierende waren 1933-1938 an der Berliner Universität – der heutigen Humboldt-Universität – eingeschrieben. „Viele Studierende haben die Universität bereits wenige Monate nach Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft verlassen und nicht darauf gewartet, dass sie zwangsexmatrikuliert werden. Sie waren sich aufgrund der vorhergehenden Geschehnisse schon bewusst, was sie erwarten würde. Sie hatten Angst vor gewaltsamen Angriffen auf dem Campus oder sahen keinen Sinn mehr in einer akademischen Ausbildung in Deutschland“, sagt Johanna Langenbrinck vom Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität. Zahlreiche Studierende emigrierten frühzeitig in die USA, nach Palästina oder in andere europäische Länder. Wenige blieben in Deutschland, studierten weiter und schlossen ihr Studium trotz widrigster Umstände ab; die vielen, die nicht überlebten, wurden deportiert und ermordet. Nur die Überlebenden konnten ihre Geschichten überliefern. Eine Reihe von diesen Lebensgeschichten wird nun erstmals der Öffentlichkeit auf einer Webseite zugänglich gemacht – das Ergebnis einer jahrelangen Recherche von Wissenschaftlern der Humboldt-Universität.

Montag, 13. Mai 2013 um 18 Uhr
Freischaltung und Vorstellung einer Webseite mit Biographien und Interviews jüdischer Studierender von 1933-1938 im Lichthof, Hauptgebäude der Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, 10117 Berlin

Spurensuche

Zwischen Oktober 2000 und März 2003 recherchierte der kürzlich verstorbene ehemalige Lehrer Peter Nolte im Rahmen eines Projekts am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität die Schicksale von Studierenden der Berliner Universität, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Im Oktober 2001 besuchten 22 ehemalige Studierende, die auf diese Weise ausfindig gemacht werden konnten, die Humboldt-Universität. Die Broschüre „Spurensuche“ dokumentiert das Programm dieses Besuchs und über 40 biographische Porträts jüdischer Studenten und Studentinnen von 1933.

Peter Nolte hat die Daten von über 2300 ehemaligen jüdischen Studierenden zusammengetragen. Er recherchierte im Universitätsarchiv mit dessen Unterstützung die Namen der Studierenden und Absolventen von 1933-1938 – die Repressalien verschiedenster Art zu erleiden hatten – wie die Aberkennung akademischer Grade, Relegation von der Universität, Ausschluss vom weiteren Studium, nur bedingter Erlaubnis zum weiteren Studium, Nötigung zur Emigration aber auch Verhaftungen. In Europa, den USA und Israel führte Peter Nolte über 80 Filminterviews mit Überlebenden, die hier nun in Ausschnitten zum ersten Mal zu sehen sind.

Webseite mit Biographien und Interviews jüdischer Studierender von 1933-1938

Um das Projekt abzuschließen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorzustellen, wurde eine neue Webseite am „Lehrstuhl für die Geschichte des 20. Jahrhunderts“ in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Humboldt-Universität fertig gestellt. „In der Literatur wird die Vertreibung der jüdischen Studierenden zwar zahlenmäßig behandelt, aber nicht als Erfahrungsgeschichte“, sagt die Historikerin Johanna Langenbrinck, die die Interviewauswahl gemeinsam mit dem Lehrstuhlinhaber Michael Wildt zur Freischaltung der Webseite am 13. Mai vorstellen wird.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Gedenkwoche der Humboldt-Universität aus Anlass der Bücherverbrennung vor 80 Jahren statt. Nachkommen der jüdischen Kommilitonen von 1933-1938 werden bei der Veranstaltung anwesend sein.

Die Webseite finden Sie nach der Freischaltung unter folgender URL:
http://u.hu-berlin.de/juedische-studierende.

Weitere Informationen

Kontakt

Johanna Langenbrinck
Institut für Geschichtswissenschaften
Humboldt-Universität zu Berlin
Tel.: 030 2093-4762
langenjo@hu-berlin.de

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