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Wie Kultur- und Kreativwirtschaft die städtische Ökonomie von heute prägen

Mode, Medien, Marketing – wirtschaftliche Aktivitäten in kulturellen und kreativen Kontexten spielen in Berlin und anderen europäischen Städten eine immer größere Rolle. Die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft ist eine beliebte Entwicklungsstrategie. Auch in der Wissenschaft wirft die Verbindung von Kreativität und ökonomischem Handeln viele Forschungsfragen auf. Die Erkenntnisse gehen mittlerweile weit über sektorale und lokale Sichtweisen hinaus. Den aktuellen Forschungsstand diskutieren Wissenschaftler auf dem „2nd European Colloquium on Culture, Creativity and Economy“ am 10. und 11. Oktober 2013 in Berlin.

Zu dem Kolloquium haben die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und das Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) als lokale Organisatoren eines jährlich stattfindenden, von der Universität Uppsala koordinierten Events führende Wissenschaftler verschiedener Disziplinen eingeladen. „Es handelt sich nicht um eine klassische Konferenz. Im Vordergrund stehen nicht wie üblich Vorträge und daran anschließende Fachfragen. Vielmehr soll das Netzwerken, die intensive kritische Auseinandersetzung mit Texten und die wissenschaftliche Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe gefördert werden“, sagt Dr. Lech Suwala vom Geographischen Institut der HU. „Führende Wissenschaftler aus Kanada, England, Italien, Schweden, Norwegen, Irland und Deutschland hinterfragen den inflationär gebrauchten Begriff Kreativität und diskutieren über die Schnittstellen aber auch die Konfliktlinien zwischen Kultur und Wirtschaft.“

In der akademischen Debatte wird die Kreativwirtschaft nicht mehr nur als eine Gruppe von kleinen und besonderen Branchen betrachtet, vielmehr ist das Kreative eine höchst relevante Ebene in allen Branchen und Sektoren. „Ein Schlüsselgedanke ist der kulturelle Mehrwert als ökonomischer Faktor, also als wichtiger Bestandteil vieler Produktions- und Vermarktungsketten“, erläutert Prof. Dr. Oliver Ibert vom IRS. „Kreative Produktionsschritte wie Design oder Komposition werden nicht bloß innerhalb von einzelnen Branchen, sondern in Form unternehmensorientierter Dienstleistungen erbracht. Sie bilden also den Kern harter Marken- und Marketingstrategie in beinahe allen Branchen. Wenn es Anbietern gelingt, den symbolischen Wert einer Ware zu betonen, dann erscheint diese als einzigartig und authentisch. Derart wertbehaftete Produkte können leichter außerhalb eines direkten Preiswettbewerbs positioniert werden – und erzielen gerade deshalb umso höhere Erlöse.“

Darüber hinaus gibt es das Bestreben in der Wissenschaft, von Kreativität als lokalem Phänomen abzurücken. Zwar gebe es Konzentrationen in der Wissensproduktion und damit ein ortsgebundenes Kreativitätspotenzial, beispielsweise in „kreativen“ Vierteln großer Metropolen mit hoher Dichte kultureller Einrichtungen, einer bunten Szene und gemischten Nutzungsstrukturen. „Der Gedanke einer lokalen Kapsel, in der das Kreative seinen Ursprung nimmt, sich entfaltet und ökonomisch verwertetet wird, erweist sich angesichts mobiler Arbeitsmärkte, virtueller Vertriebskanäle und vielfältiger Kundenbeziehungen leicht als Trugschluss. Oft wird der Mehrwert kultureller Arbeit in ganz anderen Branchen, etwa der Automobilindustrie, erzielt und auch anderen Standorten in der regionalen Wertschöpfung verrechnet“, so Ibert. Dies hat Konsequenzen für die regionalen Entwicklungsstrategien, die sich von ausschließlich lokalem Denken verabschieden müssten. Ibert sieht Berlin zwar als Konzentrationspunkt der Kultur- und Kreativwirtschaft an, die Stadt sei aber keine Kapsel, sondern eher ein Knoten in einem offenen System.

Medieninformationen

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, an dem Kolloquium teilzunehmen. Gespräche mit den beteiligten Wissenschaftlern von der HU und dem IRS sowie eingeladenen Referenten können im Umfeld der Konferenz organisiert werden. Bitte senden Sie hierfür eine E-Mail an: zwilling@irs-net.de

Programm und Teilnehmer

Auf dem Kolloquium werden insgesamt 5 Panels zu unterschiedlichen Facetten der Kultur- und Kreativwirtschaft durchgeführt:

  • Working with Creativity: The Conditions, Subjectivities and Possibilities of Creative Labor
  • Planning for Creativity: Identifying and Mediating Tensions
  • Creative Communities, Collaboration and Clusters 2.0
  • Conceptualizing Value Making Processes 1: Producers and Consumers
  • Conceptualizing Value Making Processes 2: Intermediaries

Als Teilnehmer werden unter anderem erwartet: David Hesmondhalgh, Deborah Leslie, Luciana Lazzeretti, Norma Rantisi, Robert Kloostermann, Andrew Leyshon, Andy C. Pratt und Dominic Power. Von der HU sind Lech Suwala, Elmar Kulke und Ilse Helbrecht vertreten, von dem IRS Oliver Ibert, Heiderose Kilper und Suntje Schmidt.

Veranstaltungsort
Tangoloft Berlin, Gerichtstraße 23, 13347 Berlin

Weitere Informationen

Kontakt

Jan Zwilling
Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplan
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: 03362 793-159
zwilling@irs-net.de
 

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Pressemitteilung vom 30.09.2013, erstellt von Susanne Cholodnicki