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Guter Stoff

HU-Studierende beschäftigen sich mit der Kleidung im Alltag der DDR und präsentieren ihre Ergebnisse in einer Ausstellung

Kleider machen Leute. Oder Leute machen Kleider. Das umgemodelte Sprichwort passt gut für den Entstehungsprozess von Kleidung zu DDR-Zeiten. Vom Teenager zur Oma: Viele griffen selbst zu Nadel und Faden, um sich das auf den Leib zu schneidern, was die heimische Textilindustrie nicht im Angebot hatte. „Uns hat der kreative Umgang mit dem Mangel fasziniert. Neue Kleidungsstücke entstanden nicht nur aus neuen Stoffen, sondern auch aus alten Kleidern, Bettlaken und anderen Materialien“, sagt Christina Claes. Sie ist eine von acht Master-Studierenden des HU-Instituts für Europäische Ethnologie, die sich seit einem Jahr mit der Alltagskleidung in der DDR beschäftigen und dazu auch eine Ausstellung organisiert haben. Diese gibt nicht nur einen Einblick in die Alltagskleidung, sondern stellt auch die Menschen vor, die diese Exponate kreiert, geschneidert, getragen oder erworben haben. 

Guter Stoff - HU-Studierende forschen zu Kleidung im DDR-Alltag
Foto: Institut für Europäische Ethnologie |
HU Berlin

„Die Forschungen basieren auf einem biographischen Zugang sowie einem interdisziplinären Ansatz. So gehören sehr bekannte Namen der DDR-Mode zu den Interviewpartnern wie auch Personen, die ihre Erfahrungen im jeweiligen Milieu erinnert haben“, sagt Sigrid Jacobeit, Professorin für Europäische Ethnologie und Projektinitiatorin. Untersucht wurden sieben Themenfelder neben der Selbstschneiderei beispielsweise auch die Rolle der Jeans, die Modefotografie in der Zeitschrift Sibylle oder das Modeinstitut der DDR.

Ähnlich wie in anderen Lebensbereichen wollte die DDR-Führung auch in der Mode nichts dem Zufall überlassen und hat versucht, den Modegeschmack und die Modeauswahl zu steuern. Ziel war es, sich äußerlich vom kapitalistischen Westen zu unterscheiden, sparsamere und langlebigere Waren zu produzieren. Die offizielle Modelinie wurde vom Modeinstitut kreiert, das dem Ministerium für Leichtindustrie unterstand und in Fünf-Jahresplänen arbeitete.

Aber die triste Linie konnte nicht lange aufrecht erhalten werden: „In den 60er Jahren fingen die Modemacher an, sich an internationaler, vor allem Pariser Mode zu orientieren. Diese Stücke wurden zu hohen Preisen in Exquisit-Läden verkauft oder ins Ausland exportiert“, so die Professorin.

Dass Kleidung nicht nur Schutzfunktion hat, sondern viel mit Kreativität und Ausdruck von Individualität zu tun hat, für die die Idee staatlicher Steuerung absurd ist, davon zeugt auch die Modeszene, die sich in den 80er Jahren in Ostberlin etablierte. „Der Zusammenschluss aus Künstlern, Modemachern, Theaterleuten und anderen Kreativen persiflierte die Stücke staatlich gelenkter Modeindustrie und erlangte mit ihren Performances republikweite Popularität und Nachahmer“, berichtet Tobias Müller, der sich mit dem Mode-Unterground beschäftigt hat; eine Entwicklung, die vom Staat nicht gerne gesehen und ausgebremst wurde, aber letztlich nicht eingedämmt werden konnte.

Die Studierenden haben mit dem DDR-Museum, dem Museum Europäische Kulturen, dem Haus der Geschichte in der Lutherstadt Wittenberg und dem Modemuseum Schloss Meyenburg zusammengearbeitet. Finanziell unterstützt werden sie durch die Humboldt-Universitätsgesellschaft.

Weitere Informationen

Die Ausstellung „Guter Stoff. Kleidung im DDR-Alltag“ wird am 17. April um 18 Uhr eröffnet und ist bis zum 15. Mai im Lichthof des Ostflügels, Hauptgebäude, zu sehen.

Vom 22. Mai bis zum 24. Juli 2015 wird sie im Haus der Geschichte in Wittenberg gezeigt. Es wird ein Begleitband erscheinen, außerdem ein Begleitprogramm mit Filmen und Diskussionsforen stattfinden.

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