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„Das Hauptgebäude wird 2020 durchgängig schick aussehen“

Es wird ab 2016 innen wie außen bei laufendem Betrieb saniert. Interview mit dem Leiter der Technischen Abteilung, Ewald Joachim Schwalgin

Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin

Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin
Foto: Bernd Prusowski

Studierende, Wissenschaftler und Mitarbeiter, die im Hauptgebäude der Universität studieren und arbeiten, müssen sich in den kommenden fünf Jahren auf Bauarbeiten bei laufendem Universitätsbetrieb einstellen. Denn von 2016 bis 2020 wird das Gebäude Unter den Linden 6 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt innen wie außen saniert.

Anlass für die Baumaßnahmen sind gravierende Schäden an der Gebäudehülle, die Verbesserung des baulichen Brandschutzes auf Grundlage der heutigen bauordnungsrechtlichen Standards sowie die Komplett­erneuerung maroder haustechnischer Anlagen und Installationen, soweit dies seit 1990 von der Universität noch nicht erfolgt ist. Die Maßnahme „Grund­instandsetzung – 1. Bauabschnitt“ wird mit Gesamtkosten von rund 43 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt finanziert. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt tritt hierbei als Bauherr auf – sie trägt die Verantwortung für die Projektleitung und -steuerung. Die Technische Abteilung der HU übernimmt die Rolle der Kontaktbauleitung, das heißt, sie vertritt und koordiniert im Bauprozess die Interessen der Universität als Ganzes und der einzelnen Nutzer.

Wir haben dazu mit Ewald Joachim Schwalgin gesprochen, dem Leiter der Technischen Abteilung der Humboldt-Universität zu Berlin.

Herr Schwalgin, das Hauptgebäude verwandelt sich ab 2016 in eine Baustelle – werden die Nutzer das aushalten können?

Zuallererst möchte ich betonen, wie glücklich wir sind, dass wir die Grundinstandsetzung des Hauptgebäudes erfolgreich zum Landeshaushalt anmelden konnten. Die Dringlichkeit ist an den bröckelnden Fassaden des Innenhofes und der Ostseite für jedermann sichtbar. Mit eigenen ­Mitteln wäre die Sanierung in einem überschaubaren Zeitraum nicht zu leisten. Wir haben den beteiligten Senatsverwaltungen für Bildung, Jugend und Wissenschaft, für Stadtentwicklung und Umwelt und nicht zuletzt für Finanzen zu danken, dass sie unser Vorhaben unterstützt und vorangebracht haben.

Sodann zu Ihrer Frage: Die Belastun­gen, die für die Nutzer mit der Sanierung verbunden sind, möchte ich gar nicht schön reden. Sie werden nicht unerheblich sein. Wir haben jedoch bei vergleichbaren Bauvorhaben die Erfahrung gesammelt, dass unsere Nutzer sich mit einer Baustelle arrangieren, sobald sie überzeugt sind, dass sie unter dem Strich Nutznießer der Bauarbeiten sind. Die Technische Abteilung wird im partnerschaftlichen Dialog mit der Senatsbauverwaltung darauf achten, dass die Belastungen sowohl vom Umfang als auch hinsichtlich der Zeiten im erträglichen Rahmen bleiben. Die Nutzer sollen sich durch frühzeitige Informationen auf die Beeinträchtigungen einstellen können. Ferner werden wir eine „Hotline“ einrichten, mittels der Beschwerden und Anliegen der Nutzer unverzüglich an die Bauleute weitergeleitet werden können.

Vorgesehene Bauphasen 2016-2020 - für Detailansicht Grafik anklicken

Was wird alles saniert?

Vereinfachend gesagt: Von der Landesbaumaßnahme sind im Gebäudeinneren alle Flächen außer dem bereits sanierten Westflügel an der Universitätsstraße betroffen. Außen werden alle noch nicht sanierten Dächer, Fassaden und Fenster instandgesetzt beziehungsweise erneuert. Ein Schwerpunkt der Landesmaßnahme liegt auf der Ertüchtigung des Brandschutzes. Das Gebäude wird in Brandabschnitte unterteilt. Alle notwendigen Fluchttreppenräume werden zu den Fluren mit Rauchsicherheitstüren abgeschottet und fehlende Fluchtwege ins Freie nachgerüstet. Überalterte haustechnische Installationen und Anlagen werden erneuert. Davon sind alle Räume betroffen, in denen noch alte Wasser-, Abwasser-, Elektro- und Heizungsleitungen verlegt sind.

Im Nordkopf Ost entsteht ein neues Treppenhaus neben dem bereits bestehenden. Warum ist das notwendig?

Nicht direkt daneben, sondern am nord-östlichen Ende des Gebäudeflügels Richtung Gorki-Theater, wird ein neues Treppenhaus eingebaut. Dies ist notwendig, um für die Nutzungsbereiche, die bisher nur über das Treppenhaus am Audimax zugänglich sind, einen zweiten baulichen Rettungsweg zu schaffen. Die jetzige Fluchtwegsituation, die im Brandfall einen Rettungseinsatz der Feuerwehr erforderlich macht, kann nicht länger durch den Begriff „Bestandsschutz“ geduldet und gerechtfertigt werden. Neben der großen Garderobe oder dem „Orbis“ erfordert insbesondere die große Zahl der Seminarteilnehmer im Menzeldach den Einbau eines zweiten Treppenhauses.

Menzeldach
Menzeldach
Foto: Bernd Prusowski

Was passiert mit dem Menzeldach – wird es nach den Arbeiten nicht mehr da sein?

Das Menzeldach gehört zum ersten ­Sanierungsschwerpunkt, mit dem ab März/April 2016 begonnen wird und der auch alle anderen Geschosse nördlich des vorhandenen Treppenhauses umfasst. Das Menzeldach muss für den Baubeginn erst einmal vollständig geräumt werden, es wird in den Rohbauzustand zurückgebaut. Die Dachkonstruktion wird überprüft und gegebenenfalls statisch/konstruktiv ertüchtigt. Die Dachflächen erhalten eine Wärmedämmung und eine neue Zinkblecheindeckung, außerdem werden Dachflächenfenster eingebaut. Der eigentliche Innenausbau, der für die Wiederaufnahme des Studien- und Lehrbetriebs im Menzeldach benötigt wird, musste von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung jedoch aus finanziellen Gründen zurückgestellt werden. Dieser Sparzwang hat leider auch die im Kellergeschoss eingeplanten, neuen zentralen Garderoben- und Sanitäranlagen getroffen. Welchen Weg die HU letztlich beschreiten wird, um die Funktionalität dieses Gebäudetraktes wieder herzustellen, muss noch geklärt werden. Um die Kurse der Ästhetischen Praxis für mehrere Jahre aufrecht zu erhalten, wird eine Interimslösung benötigt. Alternative Standorte müssen dafür noch geprüft werden.

Wer muss denn während der Sanierungsarbeiten umziehen oder ausziehen? Gibt es dafür schon einen Plan?

Wir haben in der Technischen Abteilung unter meiner Leitung eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit der Logistik der notwendigen Frei- und Umzüge beschäftigt.  Priorität hat aktuell die Räumung des kompletten Kellergeschosses (mit Ausnahme der neuen Räume der Mensa Süd im Westflügel), die bis Anfang 2016 abgeschlossen sein muss, um die Bauablaufplanung der Senatsbauverwaltung nicht zu behindern. Betroffen sind viele Nutzer: Die Personal- und Haushaltsabteilung, der Humboldt-Store, die Stabsstelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, das Universitätsorchester, um nur einige zu nennen. Es ist unabdingbar, dass wir uns mit allen offiziellen und inoffiziellen Nutzern kurzfristig zusammensetzen, um einvernehmliche Ersatzlösungen für die Räumung der Kellerräume zu entwickeln.

Wann werden die Gespräche geführt?

Vom Juli bis zum Beginn des Wintersemesters. Eine Herausforderung ist, dass mit der Senatsbaumaßnahme das Kellergeschoss zwar baulich und haustechnisch entrümpelt wird, im Ergebnis der Bauaktivitäten aber die Kapazitäten an Lager- und Archivräumen sehr stark reduziert werden. Die Herrichtung solcher Nebennutzflächen wäre aufgrund des hohen Grundwasserstandes mit zu großen Aufwendungen für die Trockenhaltung verbunden und somit wirtschaftlich nicht darstellbar.

Wer muss denn in den Obergeschossen ausziehen?

Alle Nutzer werden durch die Bauaktivitäten mehr oder weniger betroffen sein. Es gibt seitens der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung noch keine detaillierte Ablaufplanung. Im Falle der Bürosanierungen besteht die Idee, überschaubare vertikale Bauabschnitte zu bilden, die innerhalb von zehn bis zwölf Wochen fertiggestellt werden können. Da oftmals die Entsorgung des schadstoffbelasteten Estrichs erforderlich ist, gehe ich davon aus, dass die jeweiligen Nutzer für den vorgenannten Zeitraum ihr Büro freiziehen müssen. Hierfür werden wir nach Möglichkeit eine ausreichende Anzahl von Ersatzbüros im Hauptgebäude zur Verfügung stellen, da ansonsten ein Umzug an einen anderen Standort mit zu großen Beeinträchtigungen verbunden und den Nutzern nicht vermittelbar wäre. Konkre­te Lösungsansätze sind in Vorbereitung, aber noch nicht spruchreif.

Können die Lehrräume genutzt werden?

Die Lehrräume, die durch die Bauarbeiten betroffen sind, stellen uns vor größere logistische Herausforderungen. Für die großen Hörsäle wie den Weierstraß-Hörsaal, den Kinosaal und das Audimax existieren keine Ersatzräume in der näheren Umgebung des Hauptgebäudes. Die Senatsbauverwaltung muss hier die unvermeidbaren Bauarbeiten in Zeitfenster legen, in denen in diesen Sälen keine Vorlesungen oder Prüfungen abgehalten werden. Größere Veranstaltungen und Kongresse, die noch nicht verbindlich angenommen worden sind, sollten im Hauptgebäude unbedingt erst wieder in der Zeit nach 2020 eingeplant werden.

Was wird im Kopfbau Ost gemacht?

In diesem Gebäudetrakt sind lediglich die Treppenhäuser und Flure von der Senatsbaumaßnahme betroffen. Die Büro- und Lehrräume sind von der Erneuerung der haustechnischen Installationen ausgenommen und können somit weiter genutzt werden. Die Veränderungen der Grundrisskonzeption einschließlich des Einbaus einer Zwischenebene im ersten Obergeschoss nach dem Muster des westlichen Kopfbaus mussten auf einen zukünftigen Bauabschnitt verschoben werden, da sie ansonsten den Kostenrahmen gesprengt hätten.

Werden die Räume auch renoviert?

Die Senatsbauverwaltung und das Architekturbüro Oestreich/Hentschel werden keine halben Sachen machen. Auch die Räume, in denen wenig gemacht werden muss, werden vom Maler renoviert. Ich habe ­volles Vertrauen, dass das Hauptgebäude 2020 durchgängig schick aussehen wird.

Wann wird es einen konkreten Ablaufplan geben, wann welche Räume saniert werden und wer betroffen sein wird?

Einen solchen Plan fordern wir von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein. Es wird ihn hoffentlich noch in diesem Jahr geben. Wir werden dann auf die einzelnen Nutzer zugehen und sie informieren. Ansonsten verweise ich auf die noch einzurichtende „Hotline“ der Technischen Abteilung sowie auf die Kontaktbauleiter der Technischen Abteilung, namentlich die Herren Stahn, Bennewitz und Willecke, die Anfragen unserer Nutzer gerne beantworten oder an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weiterleiten. Ich möchte darum bitten, dass der Kontakt zur Senatsverwaltung ausschließlich über meine Abteilung hergestellt wird, um zu gewährleisten, dass die Universität ihre Interessen als geschlossene Einheit vertreten kann.  

Das Gespräch führte Hans-Christoph Keller. Es ist in der aktuellen HUMBOLDT (Ausgabe 9 2014/2015) erschienen.

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