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Humboldtianer Thomas Klose erhält Preis für gute Lehre

Klassische Theoretische Physik und Quantenmechanik ausgezeichnet gelehrt

Naturwissenschaftlern wird hin und wieder nachgesagt, dass Kommunikation nicht unbedingt zu ihren Stärken zählt. Auf Thomas Klose trifft dieses Klischee jedoch ganz und gar nicht zu – denn der Physiker hat den diesjährigen Preis für gute Lehre gewonnen. Einmal im Jahr vergibt die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) den Preis in einer bestimmten Kategorie. In diesem Jahr werden fachliche Einführungsveranstaltungen ausgezeichnet.

Thomas Klose
Thomas Klose, Gewinner des Humboldt-Preis für gute Lehre 2015
Abbildung: Florian Loebbert

„Das Ziel guter Lehre ist für mich, die Studierenden zu motivieren“, sagt Thomas Klose. Dazu sei es wichtig, stets konkrete Anwendungsbeispiele für abstrakte Fragestellungen zu geben. „Lichtstreuung klingt beispielsweise erstmal nicht so spannend. Warum sich jedoch abends der Himmel rot färbt, ist schon interessanter zu wissen.“ Auch die eigene Begeisterung für ein Thema spiele eine große Rolle. „Obwohl ich das Ergebnis schon kenne, muss ich es schaffen, das Interesse meines Publikums zu wecken. Da gehört auch ein bisschen Schauspielerei dazu“, so der Wissenschaftler.

Dabei ist der 39-Jährige alles andere als ein Selbstdarsteller. Er wirkt sehr bodenständig, spricht ruhig und bedacht. Dass er für seine Studierenden nahbar ist, ist dem engagierten Dozenten wichtig. „Viele kommen in die Sprechstunde, wenn sie Fragen haben oder sie schreiben E-Mails. Ich bemühe mich darum, immer wieder Rückmeldungen zu bekommen.“ Thomas Klose war viele Jahre an verschiedenen ausländischen Universitäten beschäftigt, unter anderem in Schweden. Dort ginge es eher anonym zu. An Deutschland mag der Preisträger, dass er einen persönlichen Bezug zu den Studierenden hat.

Doch was genau ist es, das Kloses Unterricht so außergewöhnlich macht?

Insbesondere seinen vielfältigen Einsatz digitaler Medien, darunter auch das interaktive Classroom-Response-System „Pingo“, lobte die Jury eingehend. „Damit stelle ich den Studierenden verschiedene Arten von Aufgaben: Multiple-Choice-Fragen zum Beispiel oder Aufgaben, bei denen sie verschiedene Funktionstypen bestimmten Gleichungen zuordnen müssen“, erklärt Klose. Die Frage wird an die Wand projiziert, alle arbeiten mithilfe digitaler Geräte wie Handys oder Laptops gleichzeitig daran. „Anhand von Diagrammen sehen wir dann, wie viele richtige Antworten es gab. Wenn über die Hälfte der Studierenden falsch lag, fordere ich sie dazu auf, sich gegenseitig von ihrer jeweiligen Meinung zu überzeugen.“ Auch er selbst erklärt im Anschluss häufig nochmal detailliert. Viele der digitalen Medien, die Thomas Klose einsetzt, sind gemeinsam mit dem CMS im Projekt „Studierendenzentrierte Lehre durch interaktive Lernvideos und elektronische Reaktionssysteme“ entwickelt und erprobt worden. Dieses Projekt wurde von der Medienkommission des Akademischen Senats im Förderprogramm "Digitale Medien" gefördert.

Klassische Theoretische Physik und Quantenmechanik sind die beiden Vorlesungen, für die der Ausnahmedozent ausgezeichnet wird. Hierfür muss er auch mathematische Grundkenntnisse vermitteln. Er bringt viel Zeit und Geduld dafür auf - seine Vorlesungen gibt es sogar zum Nachhören und Anschauen auf Youtube. Immer wieder vergewissert er sich darin, dass alle noch dabei sind. „Habe ich schon jemanden verloren?“, fragt er regelmäßig in die Runde. Dahinter steckt mehr als die reine Freude am Unterrichten.

„Die größte Herausforderung im neuen Bachelor- und Master-System ist, alle Studierenden auf einen einigermaßen gleichen Stand zu bringen. Die einen studieren Physik im Haupt-, die anderen im Nebenfach. Erschwerend hinzu kommt, dass die verschiedenen Studienordnungen die Belegung der Vorlesungen in unterschiedlicher Reihenfolge vorsehen.“ Die Studierenden haben also einen völlig unterschiedlichen Wissensstand, ohne, dass sie etwas dafür können. Damit er niemanden auf dem Weg verliert, stellt Klose deshalb eine Vielzahl an Vor- und Nachbereitungsmaterialien zur Verfügung. Auch das zeichnet seine Lehrmethodik aus. Jeder, der sich bemüht, soll auch bestehen können. Freifahrtscheine verteilt Klose aber nicht. „Das Niveau ist hoch, und da mache ich auch keine Abstriche.“

„Für mich gehören Forschung und Lehre zusammen!“

Er selbst sei ein äußerst wissbegieriger Schüler und Student gewesen, der von Dozenten viel erwartet, das Erwartete jedoch nicht immer bekommen habe. Dies ist einer der Gründe, der Klose antreibt, seine Vorlesungen besser zu gestalten. Zudem sagt er: „Für mich gehören Forschung und Lehre zusammen! Das eine ohne das andere – da fehlt etwas. Ich profitiere sehr von der Lehre.“ Allerdings könne er auch verstehen, dass Unterrichten manchmal zur Belastung werden kann. „Was angerechnet wird, sind ausschließlich die Stunden im Seminarsaal. Vor- und Nachbereitungszeit, die Betreuung von Bachelorarbeiten – all das machen wir quasi in unserer Freizeit. Um die Lehre zu verbessern, halte ich es für empfehlenswert, diesbezüglich etwas zu ändern.“

Der Humboldt-Preis für gute Lehre

21 Dozenten haben eine Nominierung erhalten. Thomas Klose hat die Wahl einstimmig und mit deutlichem Abstand gewonnen. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Das hat mich ehrlich gesagt sehr überrascht. Ich freue mich natürlich über die Auszeichnung!“ 10.000 Euro Preisgeld stehen dem Physiker nun zur Verfügung. „Die Mittel werde ich vor allem zum Kauf von Hard- und Software zur Erstellung von interaktiven Unterrichtsmaterialien und Lernprogrammen verwenden, das macht vieles einfacher und effizienter. Das ist wirklich toll!“ Offiziell erhielt Klose die Auszeichnung für gute Lehre am 12. Oktober auf der feierlichen Immatrikulationsfeier zum Auftakt des akademischen Jahres 2015/2016 der HU.

Die Humboldt-Preise für ausgezeichnete wissenschaftliche Arbeiten

Am selben Abend wurden außerdem die Humboldt-Preise an Studierende der HU verliehen. Die Nachwuchswissenschaftler und Nachwuchswissenschaftlerinnen wurden für ihre exzellenten wissenschaftlichen Arbeiten aus dem vergangenen akademischen Jahr geehrt.

Die Preisträgerinnen und Preisträger

  • Virgil Andrei für seine hervorragende Bachelorarbeit in der Chemie „Seebeck coefficient of copper-based materials“ aus. Er beschäftigt sich mit der Entwicklung von neuen thermoelektrischen Materialien, welche als umweltfreundliche Energiequellen in der Zukunft von zentraler Bedeutung sein werden.
  • Friederike Hellwig aus dem Institut für Mathematik für ihre erstklassige Arbeit mit dem Titel „Drei dPG-Methoden niedriger Ordnung für Lineare Elastizität“.
  • Sofia Permiakova für ihre Masterarbeit in den British Studies mit dem Titel „Women at War. Representation of War in British Women`s Poetry of the First World War“.
  • Bettina Horn für ihre Dissertation in der Chemie zum Thema „Aktivierung von Kohlenstoffoxiden an β-Diketiminato-Nickelkomplexen“
  • Andree Lischewski aus dem Institut für Mathematik für seine Dissertation „Geometric Constructions and Structures Associated with Twistor Spinors on Pseudo-Riemannian Conformal Manifolds“.
  • Joseph Lemberg für seine Dissertation „Der Historiker ohne Eigenschaften. Eine Problemgeschichte des Mediävisten Friedrich Baethgen“.

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