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Zündende Ideen

Festveranstaltung samt Podiumsdiskussion anlässlich seines 250. Geburtstages: „Wilhelm von Humboldt in der Welt von heute“

Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Gábor Erdödy, Vice-Rector for International Affairs, Eötvös Loránd University, Budapest, Prof. Philip Li-Fan LIU, Vizepräsident für Forschung und Technik, National University Singapore, Moderator Prof. Dr. Mitchell Ash, Universität Wien, HU-Präsidentin Sabine Kunst, Professor Raul Machado Neto, Presidente da Agência USP de Cooperação Acadêmica Nacional e Internacional, Universidade de São Paulo und Prof. Daniel Garber, PhD, A. Watson J. Armour III University, Professor of Philosophy, Member of the Council for International Teaching & Research, Princeton University (v.l.n.r.).
Foto: Stephan Röhl

Geburtstagsfeiern können auch in hohem Alter turbulent begangen werden. Das zeigte sich am 22. Juni im Hauptgebäude der Humboldt-Universität. Dort wurde im Senatssaal eine Festveranstaltung samt Podiumsdiskussion anlässlich seines 250. anberaumt: „Wilhelm von Humboldt in der Welt von heute“ lautete das Thema des Abends, auf dem Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, das Grußwort sprach und der Philosoph Prof. Dr. Volker Gerhardt die Festrede hielt.

Zur Diskussion darüber, welche Bedeutung die Ideen ihres Gründers und Namensgebers in Zeiten von Globalisierung und enormer Studierendenzahlen noch haben, lud die Universität Gäste ihrer strategischen Partneruniversitäten und aus dem CENTRAL-Netzwerk ein. Bevor es jedoch wie geplant losging, stürmten einige Überraschungsgäste die Festveranstaltung: Eine Gruppe studentischer Mitarbeiter äußerte ihre Forderungen zu den laufenden Tarifverhandlungen. Nach kurzer Debatte mit Verweis auf Humboldts Ideen zu Forschung und Lehre sangen die Studierenden ein „Happy Birthday, lieber Wilhelm …“ – und die Podiumsdiskussion konnte beginnen.

Autonomie der Wissenschaften ein Vermächtnis Humboldts

Senatssaal
Blick ins Publikum, Foto: Stephan Röhl

Einleitend machte die Präsidentin der Humboldt-Universität Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst darauf aufmerksam, wie erstaunlich die Wirkung des Jubilars bis heute sei. Humboldt war nur 16 Monate im Amt und trat noch vor Eröffnung der Universität zurück. „Durch die Auswahl der Dozierenden nach rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten hatte er das Projekt aber in seiner Amtszeit entscheidend voran gebracht“, betonte Kunst. „Nicht die politische Einstellung sollte zählen, sondern fachliche und wissenschaftliche Kompetenz. Diese Autonomie der Wissenschaft ist bis heute eines der entscheidenden Vermächtnisse Wilhelm von Humboldts.“

Prof. Dr. Mitchell Ash, der die Podiumsdiskussion moderierte, stellte eine Frage in den Raum, die angesichts immer größerer Hochschulbetriebe, zunehmender akademischer Vernetzung und rasant wachsender Studierendenzahlen verstärkt diskutiert wird: „Ist der vermeintliche Gegensatz von humanistischer Bildung und fachspezifischer Ausbildung ein zwingender, kommt es nicht vielmehr darauf an, die besten Wege zu finden, um beide zu ergänzen?“ Die aktuelle Diversität der globalen Universitäts- und Wissenschaftslandschaften betrachtet Prof. Daniel Garber, wiederum als große Chance. Der Philosophie-Professor an der A. Watson J. Armour III University in den USA verwies dabei auf die Vereinigten Staaten: „Wo es genug private Einrichtungen gibt, wird das ganze System durch die Konkurrenz ausbalanciert.“ Die Vielfalt der Angebote käme den vielfältigen Bedürfnissen der bunt gemischten Studierenden entgegen. „Die Ideen Humboldts sind auch heute noch aktuell“, so Garber, „neben anderen Bildungskonzepten.“

Humboldts Ideen zünden noch immer was aber daraus machen?

Nochmals ein anderes Bild bot sich bei Blick nach Asien: „Wissenschaft gilt in Singapur als Investition in die Zukunft, aber anders, als man es in Europa oder den USA kennt“, sagte Prof. Philip Li-Fan Liu, Vizepräsident für Forschung und Technik an der dortigen National University. So formuliert der Stadtstaat 5-Jahres-Pläne für Bildung und Forschung. Darin wird unter anderem festgelegt, wie viele Doktoranden in welchen Fächern ausgebildet werden sollen. Solchen utilitaristischen Aspekten zu viel Raum zu geben, hält wiederum Prof. Dr. Gábor Erdödy, Vice-Rector for International Affairs der Eötvös Loránd University in Budapest, für ein problematisches Symptom der aktuellen Entwicklung. Zudem stelle die extreme Spezialisierung vieler Forschungsgebiete die akademische Welt vor neue Herausforderungen. Einen Blick auf die Vernetzung hochspezialisierter Forschungsbereiche warf Professor Raul Machado, Präsident der Universität von São Paulo: „Gerade die deutschen Exzellenz-Cluster führen das Konzept von der Einheit der Wissenschaften in die Gegenwart.“

So waren die Diskutanten sich zwar darin einig, dass Humboldts Ideen immer noch zünden. Was aber daraus machen? Da gingen die Antworten auseinander.

Autor: Lars Klaaßen

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