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Studie: Pubertät keine reine Hormonsache

Wenn Ratten an ihren Genitalien berührt werden, verändert sich ihr Gehirn und die Pubertät beschleunigt sich. In der Großhirnrinde verdoppelt sich die Größe der Repräsentation der Genitalien, berichten Forscher des Bernstein Zentrums in Berlin an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU)


Schematische Darstellung der Körperkarte im
somatosensorischen Kortex.  Grafik: Shimpei Ishiyama

Hormone oder sexueller Stimulus? Was beeinflusst die Pubertät und vor allem den Umbau des Gehirns heranwachsender Ratten? Schon länger bekannt ist, dass soziale Signale die Pubertät verzögern oder beschleunigen können. Welche sozialen Signale jedoch entscheidend sind und wie sie auf Körper und Gehirn wirken ist dagegen nicht eindeutig nachgewiesen. Eine neue Studie von Forschern des Bernstein Center for Computational Neuroscience Berlin und der HU hat gezeigt, dass sexuelle Berührungen die Pubertät möglicherweise stärker beeinflussen als bisher bekannt.

Constanze Lenschow, Johanna Sigl-Glöckner und Michael Brecht haben beobachtet, dass sich die Repräsentation der Genitalien in der Hirnrinde, dem größten Teil des Säugergehirns, in der Pubertät stark ausdehnt. Ihre Studie zeigt zunächst das Erwartbare. Geschlechtshormone beschleunigen die Pubertät und das Wachstum der sog. Genitalhirnrinde. Die Forscher zeigen, dass sexuelle Berührungen die Pubertät entscheidend beschleunigen können. Für Lenschow sind „die starken Effekte sexueller Berührungen auf Pubertät und Genitalhirnrinde bemerkenswert, weil man in dieser Hirnregion zu diesem Entwicklungsstadium eigentlich keine großen Veränderungen mehr erwartet“. Demnach bestimmen nicht nur Hormone, sondern auch sexuelle Berührungen die Vergrößerung der Genitalhirnrinde in der Pubertät. In ihrer jüngsten Arbeit haben die Forscher dies nachgewiesen, indem sie zuerst junge weibliche Ratten mit erwachsenen männlichen Ratten zusammensetzten. Die gleiche Beschleunigung von Hirnwachstum und Pubertät wurde beobachtet, wenn Experimentatoren die Genitalien der Tiere berührten. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des open-access Journals PLOS Biology zu lesen.

„In der Großhirnrinde verändert sich die Abbildung des Körpers,“ so Brecht „insbesondere wird die Genitalregion plötzlich doppelt so groß. Unsere Ergebnisse helfen zu verstehen, warum sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers in der Pubertät so sehr verändert.“ Die Pubertät und die mit ihr einhergehenden Veränderungen des Gehirns sind demnach keine rein hormonelle Angelegenheit, sondern werden durch sexuelle Erfahrungen mitbestimmt.

Veröffentlichung

Studie

Über das Bernstein Zentrum (BCCN) Berlin

Das Bernstein Zentrum (BCCN) Berlin ist ein Zusammenschluss von Humboldt-Universität zu Berlin, der Charité Universitätsmedizin Berlin und der Technische Universität Berlin, die gemeinschaftlich Projekte in der Hirnforschung angehen. Es ist eines von sechs Bernstein Zentren im Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience.

Über das Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience

Das Bernstein Netzwerk ist ein Forschungsnetzwerk im Bereich der computergestützten Neurowissenschaft; dieses Feld verbindet experimentelle Ansätze der Neurobiologie mit theoretischen Modellen und Computersimulation. Das Netzwerk wurde 2004 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ins Leben gerufen. Mit dieser Förderinitiative hat das BMBF bis heute die Forschungsdisziplin der Computational Neuroscience mit einem Gesamtvolumen von mehr als 180 Millionen Euro unterstützt. Nach mehr als 10 Jahren Förderung versammeln sich im Bernstein Netzwerk mehr als 200 Forschungsgruppen. Es ist nach dem deutschen Forscher Julius Bernstein (1839-1917) benannt, der die erste biophysikalische Erklärung für die Ausbreitung von Nervensignalen lieferte.

Weitere Informationen

Webseite der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Michael Brecht

Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience

Kontakt

Dr. Constanze Lenschow
Humboldt-Universität zu Berlin
Tel.: 030 2093 9110
constanze.lenschow@bccn-berlin.de

Prof. Dr. Michael Brecht
Humboldt-Universität zu Berlin
Tel.: 030 2093 6718
michael.brecht@bccn-berlin.de

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