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Abb.: Philipp Plum

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Mobilitätsrückgang bremst Epidemien aus

HU-Professor Dirk Brockmann und sein Team untersuchen wie sich die Mobilität in Deutschland während der Pandemie verändert hat.

Seit März 2020 verfolgt Dr. Dirk Brockmann zusammen mit seinem Team wie sich die Mobilität in Deutschland während der Corona-Pandemie verändert. Brockmann, Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und Projektgruppenleiter am Robert Koch-Institut (RKI), hat dabei beobachtet, dass die Lockdowns in Deutschland nicht alle Arten von Mobilität gleich getroffen haben: Reisen über große Entfernungen haben beispielsweise deutlich stärker abgenommen als Reisen über kurze Distanz. Durch Simulationen konnten die Forscher zeigen, dass diese veränderte Mobilität die Ausbreitung von Krankheiten wie Covid-19 in der Frühphase einer Epidemie verlangsamen können, und damit zu einem „flattening“ der Infektionskurve führen. Die Ergebnisse der Studie sind nun in der Fachzeitschrift PNAS erschienen.

Die Forscher untersuchten Bewegungsströme, die aus den Mobilfunkdaten von über 40 Millionen Nutzern in Deutschland gewonnen wurden. Aus den Mobilfunkdaten kann man erkennen, wie viele Personen sich zwischen verschiedenen Gebieten oder innerhalb einer Region bewegen. „Wenn ein Nutzer in Funkzelle A angemeldet ist, dann die Funkzelle wechselt und irgendwann in einer Funkzelle B stationär wird, kann man das als eine Bewegung von A nach B erkennen“, erklärt Frank Schlosser, Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe, der die Analyse der Bewegungsdaten leitet. Diese Einzelbewegungen werden dann zu Bewegungsströmen auf der Ebene von Landkreisen tagesweise zusammen addiert. „Wir wissen allerdings nicht, wer sich da genau bewegt hat – nur wie viele Personen es an einem Tag waren. Die Daten sind also anonym und enthalten keine personenspezifischen Merkmale.“

Seit dem Frühjahr 2020 beobachten Brockmann und sein Team, wie sich die Mobilität in Deutschland während der Covid-19-Pandemie verändert. Die Ergebnisse veröffentlichen die Forscher regelmäßig im Internet. „Man sieht deutlich die Auswirkungen der Lockdowns auf die Mobilität. Im März 2020 gab es bis zu 40 Prozent weniger Bewegungen als im Vorjahr,“ sagt Schlosser. Besonders in Großstädten habe die Mobilität stark abgenommen. Auch in Gegenden mit hohen Covid-19 Fallzahlen zeigt sich ein hoher Rückgang. „Wir vermuten, dass es eine wichtige Rolle spielt, wie die Bevölkerung die Pandemie wahrnimmt. Wenn es bei mir vor Ort viele Fälle gibt, bin ich vorsichtiger und bleibe eher zuhause.“

In ihrer Studie untersuchen die Forscher, welche Auswirkungen dieser Mobilitätsrückgang auf das gesamte Mobilitätsnetzwerk in Deutschland hat. „Was wir vor allem sehen ist, dass Reisen über lange Distanzen besonders stark abgenommen haben. Dadurch sind weit entfernte Orte weniger stark miteinander verbunden - es reisen weniger Leute von einem Ende in Deutschland zum anderen“, sagt Schlosser. Das hat wichtige Auswirkungen auf die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. „Unsere Simulationen zeigen, dass sich Krankheiten wie Covid-19 dadurch in der Frühphase der Epidemie langsamer räumlich ausbreiten und länger brauchen, um weit entfernte Orte zu erreichen.“ Das ist besonders relevant in der Frühphase von Epidemien, wenn eine Krankheit noch nicht weit verbreitet ist. Die Ergebnisse können bei zukünftigen Epidemien helfen, durch gezielte Mobilitätsbeschränkungen die räumliche Ausbreitung frühzeitig zu verlangsamen.

Publikation

Schlosser, Frank, et al., COVID-19 lockdown induces disease-mitigating structural changes in mobility networks PNAS first published December 3, 2020;

Link zur Studie

Kontakt

Frank Schlosser

frank.schlosser@hu-berlin.de

Arbeitsgruppe Dirk Brockmann:

Webseite Brockmann Lab

Team

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