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Einstein-Förderungen: Humboldt-Universität stark vertreten

Einstein Stiftung fördert Berliner Wissenschaft mit 9,6 Millionen Euro mit Fokus auf der mentalen Gesundheit von Jugendlichen

Der Vorstand der Einstein Stiftung Berlin hat neue Förderungen in Höhe von insgesamt 9,6 Millionen Euro für Berliner Wissenschaftseinrichtungen bewilligt. Mit sechs Millionen Euro wird dabei über sechs Jahre das neue Einstein Center Youth Mental Health aufgebaut, das sich schweren psychischen Erkrankungen junger Menschen widmet. Hier werden sieben Berliner Institutionen gemeinsam daran forschen, wie psychische Erkrankungen bei zwölf- bis 25-Jährigen früher erkannt, besser verstanden und wirksamer behandelt werden können. An dem neuen Einstein Center ist auch Isabel Dziobek beteiligt. Sie ist Professorin für Klinische Psychologie sozialer Interaktion am Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Darüber hinaus werden ein Forschungsvorhaben von Matthew Larkum, Professor für Neuronale Plastizität am Institut für Biologie der HU, gefördert sowie das einer Gastwissenschaftlerin in seiner Arbeitsgruppe. Mit einem Postdoctoral Grant wird Christoph Sorg vom Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität alternative Formen wirtschaftlicher Planung erforschen.

Einstein-Zentrum: Hilfe bei psychischen Erkrankungen junger Menschen

Psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, bipolare Störung, Depression oder Borderlinestörung sind auch nach jahrzehntelanger Forschung schwer therapierbar und eine individuelle wie gesellschaftliche Herausforderung. Die faktischen Ursachen der Erkrankungen sind zumeist unklar und der Zugang zur Behandlung ist vielfach unzureichend. Erste Symptome den genannten Erkrankungen zeigen sich bereits bei zwölf- bis 25-Jährigen und somit in einer Phase, in der sich ihre soziale und schulische beziehungsweise berufliche Entwicklung entscheidet. Das neue Einstein Center for Youth Mental Health (ECYM) will sowohl die Bedingungen für eine bessere Versorgung erforschen als auch neue Wege in der frühen Erkennung psychischer Erkrankungen gehen. Hier werden sieben Berliner Institutionen – Charité – Universitätsmedizin, Freie Universität, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität, Vivantes, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt – gemeinsam daran forschen, wie psychische Erkrankungen in der genannten Altersgruppe früher erkannt, besser verstanden und wirksamer behandelt werden können. In einer großen Studie werden rund 950 Jugendliche – mit und ohne erhöhtes Risiko – über vier Jahre wissenschaftlich begleitet. Moderne Hirnbildgebung, digitale Erhebungen und KI-gestützte Auswertungen sollen helfen, Risikofaktoren und Frühwarnzeichen zu erkennen. Zusätzlich werden neue Therapien und Versorgungsmodelle entwickelt und erprobt. Junge Menschen mit eigener Erfahrung psychischer Erkrankung werden aktiv in die Forschung einbezogen.

Die Rolle des Mittelhirns bei Orientierung und Entscheidungsfindung

Matthew Larkum und Ariel Gilad, Assistant Professor Medical Neurobiology an der Hebrew University of Jerusalem (HUJI) werden gemeinsam zu neuronalen Mechanismen des Gehirns forschen, die Navigation und zielgerichtetes Verhalten im Alltag steuern. Eine zentrale Aufgabe des Gehirns ist es, Lebewesen eine flexible Orientierung in ihrer Umwelt zu ermöglichen. Navigation bedeutet, Entscheidungen darüber zu treffen, wann, wie, wohin oder ob man sich bewegt – und erfordert eine Vorstellung von der eigenen Position in der Umgebung. Obwohl bekannt ist, dass dabei verschiedene Hirnareale zusammenarbeiten, ist die Rolle eines bestimmten Bereichs im Mittelhirn – des sogenannten Superior Colliculus – bisher kaum erforscht. Das Team Larkum und Gilad untersucht nun die Hypothese, dass genau diese Rückmeldungen entscheidend für die Auswahl und Vorhersage von Bewegungen sind. Das Projekt knüpft an das in Berlin entwickelte Konzept zirkulärer Rückkopplungsschleifen im Gehirn an, das auf Arbeiten von Livia de Hoz (Charité) zurückgeht.

Einstein Postdoctoral Grant

Mit dem Projekt Heterodox Planning will Christoph Sorg, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HU Berlin, alternative Formen wirtschaftlicher Planung erforschen, um partizipativere, sozial inklusivere und nachhaltigere Ansätze zu entwickeln. Gerade in Zeiten von Krisen, wenn das Vertrauen in die vermeintlich planungsfreien Märkte erodiert, sind solche Ansätze von wachsendem Interesse. Im Fokus stehen zwei Beispiele: Community Wealth Building, bei dem lokale Gemeinschaften wirtschaftlich gestärkt werden, und „Plattform-Kooperativen“ als demokratische Alternativen zu klassischen Plattformunternehmen. In beiden Fallstudien wird untersucht, wer plant, was geplant wird, wie Mitbestimmung funktioniert, wie zentrale Steuerung und lokale Selbstverwaltung zusammenwirken und welche Strategien für sozialen Wandel entwickelt werden.

Einstein Visiting Fellow

Lange galt der Schlaf als entscheidend für die Gedächtnisbildung. Doch aktuelle Forschung zeigt: Auch im wachen Zustand kann das Gehirn neue Informationen verarbeiten und dauerhaft speichern, allerdings auf andere Weise. Lucy Palmer, Professorin am australischen Florey Institute of Neuroscience and Mental Health, wird untersuchen, wie unser Gehirn Erinnerungen festigt – im Schlaf und im Wachzustand. Im Zentrum steht dabei, wie sich die neuronalen Mechanismen der Gedächtniskonsolidierung zwischen Schlaf und Wachzustand unterscheiden und ob der Hippocampus je nach Zustand sogar gegensätzliche Rollen spielt. In Kooperation mit dem Exzellenzcluster NeuroCure und ihrem Gastgeber Professor Matthew Larkum will Palmer erforschen, wie diese beiden Zustände zusammenwirken und wie neue Erinnerungen in vorhandenes Wissen eingebettet werden. Mithilfe von In-vivo-Bildgebung und optogenetischen Verfahren wird die Hirnaktivität in Tiermodellen gemessen und gezielt beeinflusst. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie das Gehirn flexibel mit neuen Informationen umgeht. Die Erkenntnisse sollen auch helfen, neue Ansätze zur Behandlung von Gedächtnisstörungen wie Alzheimer oder Posttraumatischer Belastungsstörung zu entwickeln – etwa durch gezielte Förderung oder Korrektur von Gedächtnisprozessen.

Einstein Stiftung

Die Einstein Stiftung Berlin ist eine gemeinnützige, unabhängige und wissenschaftsgeleitete Einrichtung, die 2009 als Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet wurde. Sie fördert Wissenschaft und Forschung fächer- und institutionenübergreifend in und für Berlin auf internationalem Spitzenniveau. Rund 240 Wissenschaftler*innen – unter ihnen drei Nobelpreisträger –, über 70 Projekte und acht Einstein-Zentren wurden bislang gefördert.

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