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Abb.: Matthias Heyde

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Konflikte am Arbeitsplatz – Wann und warum belasten sie uns und was kann man dagegen tun?

Dr. Heidi Mauersberger forschte zu diesem Thema für ihre Doktorarbeit am Institut für Psychologie
Portrait von Heidi Mauersberger

Dr. Heidi Mauersberger,
Foto: David Marschalsky

Ob es um die Lautstärke im Großraumbüro, die Herangehensweise an eine Aufgabe oder das Abwälzen von eigenen Aufgaben auf andere geht: Die Kollegen:innen ticken in vielen Dingen anders als man selbst. Meist muss man sich arrangieren. Gelingt das nicht, sind Konflikte vorprogrammiert. Es kann schnell zu Streit oder Spannung kommen. Und das sorgt für Stress. Aber können Konflikte am Arbeitsplatz auch anregend und förderlich wirken?       

Dr. Heidi Mauersberger, Postdoktorandin am Institut für Psychologie der HU, hat sich in ihrer Doktorarbeit mit dem Thema Konflikte am Arbeitsplatz beschäftigt. „Konflikte werden meist als schädlich angesehen. Aber man unterscheidet verschiedene Arten von Konflikten, nicht alle haben die gleiche Wirkung“, erklärt sie. 

In der Forschung wird zwischen Arbeits- und Beziehungskonflikten unterschieden. Während erste aufgabenbezogene Unstimmigkeiten sind, und für die Erledigung der Aufgabe sogar förderlich sein können, hängen letztere mit zwischenmenschlichen Problemen wie Antipathie oder Feindseligkeit zusammen. Sie können Wohlbefinden und Produktivität reduzieren. Aber: Diese Schwarz-Weiß-Unterscheidung zwischen den „schlechten“ Beziehungskonflikten und den „guten“ Aufgabenkonflikten in den meisten Fällen nicht alltagstauglich. „Aktuelle Meta-Analysen gehen tatsächlich davon aus, dass Aufgabenkonflikte ähnlich zermürbend und belastend sind wie Beziehungskonflikte“, erklärt sie.  Warum ist das der Fall? „Treten Beziehungskonflikte während Aufgabenkonflikten auf und wandeln diese in sogenannte Mischkonflikte um, dann werden Aufgabenkonflikte negativer beurteilt und gehen mit unvorteilhafteren Folgen einher“, fasst Mauersberger ein Ergebnis ihrer Dissertation zusammen, die für den Dissertationspreis Adlershof 2020 nominiert war. 

Warum kommt es zu einer negativen Bewertung von Mischkonflikten?

Die Nachwuchswissenschaftlerin forscht im Team von Ursula Hess, Professorin für Sozial- und Organisationspsychologie. Für ihre Doktorsarbeit hat sie Studien im psychophysiologischen Labor der Professorin durchgeführt, wo sie schon als Studentin der Psychologie und studentische Hilfskraft an ersten Forschungsprojekten gearbeitet hat. Mauersberger hat mit Tagebuchaufzeichnungen und Proband:innen im Labor gearbeitet. Letzteren wurden Videobotschaften, die mit Schauspieler:innen im Vorfeld aufgezeichnet wurden, vorgespielt, um sie in unterschiedliche Konfliktsituationen zu versetzen. Im Anschluss haben die Proband:innen die Konflikte bewertet, von ihrem affektiven Zustand berichtet sowie verschiedene Leistungstests durchgeführt.

Warum kommt es eigentlich zu einer negativen Bewertung von Mischkonflikten? Eine wichtige Rolle spielt die Haltung, die man zueinander einnimmt. Bei Aufgabenkonflikten werden Meinungen kritisiert, aber die Interaktionspartner nehmen eine affiliative, also einander zugewandte, freundliche Haltung ein. Im Gegensatz dazu werden bei Mischkonflikten Meinungen kritisiert und die Interaktionspartner:innen haben neben der aufgabenbezogenen Meinungsverschiedenheit zusätzlich eine antagonistische Haltung zueinander. „Menschen fühlen sich in Mischkonflikten weniger respektiert als bei reinen Aufgabenkonflikten und das führt zu einem verstärkt negativen Gefühl. Und diese emotionalen Konsequenzen beeinflussen dann wiederum die Leistung, die nach einem Konflikt erbracht werden kann.“

Was Heidi Mauersberger noch interessiert hat, ist, inwieweit emotionales Mimikry (definiert als das Nachahmen der Emotionen anderer) die soziale Interaktion in Konflikten beeinflusst. Mimikry findet automatisch und unbewusst statt und eher dann, wenn Menschen eine affiliative Haltung zueinander einnehmen. Menschen unterschieden sich in dem Ausmaß, in dem sie das Gegenüber während Aufgaben- und Mischkonflikten mimen. „Im Einklang mit unseren Erwartungen zeigten die Ergebnisse, dass Mimikry sowohl die Evaluation eines reinen Aufgaben- sowie eines Mischkonflikts beeinflusst. Reine Aufgabenkonflikte werden positiver, Mischkonflikte hingegen negativer beurteilt je mehr Mimikry während des Konflikts stattfand“, sagt die Forscherin, deren aktuelle Forschungsfragen sich auch mit Einflüssen auf und den Folgen des emotionalen Mimikrys beziehen.   

Eine wichtige Frage war auch, ob es Mechanismen gibt, die die negativen Folgen von Mischkonflikten abschwächen. Dafür untersuchte Mauersberger, inwiefern kognitive Interventionen zur Modifikation der Konfliktbewertung stresspuffernd wirken. „Die Umbewertungs-Intervention zeigt sich als wirksam – allerdings nur für Personen, die diese Strategie kennen und in ihrem tagtäglichen Leben nutzen.“ Dies deutet darauf hin, dass es sinnvoll sein kann, Trainings zu konzipieren, in denen Emotionsregulationsstrategien eingeführt und geübt werden, sodass diese zukünftig noch stringenter von mehr Arbeitnehmer:innen in stressigen Situationen am Arbeitsplatz eingesetzt werden.

Publikation

Heidi Mauersberger: „The Dynamics of Workplace Conflicts. The Unfolding of Task Conflicts and Possibilities to Counteract Their Negative Effects”; nachzulesen auf dem edoc-Server der HU.

Autorin: Ljiljana Nikolic

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