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Humboldt-Universität zu Berlin

Humboldt-Universität zu Berlin | Informationen für Beschäftigte an der HU | Campus | Vom reinen Arbeitsort zum multifunktionalen Stadtgebiet

Vom reinen Arbeitsort zum multifunktionalen Stadtgebiet

by Ljiljana Nikolic posted on 03.06.2020 14:25 last modified 12.06.2020 14:35

Studie: Wie Studierende und Beschäftigte den Standort Adlershof wahrnehmen und bewerten

Studierende vor Mops in Adlershof
Studierende wünschen sich schönere Außenflächen. Foto: Andreas Süß

Wie der Standort Adlershof in den 90er Jahren aussah, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. „Baulich waren verschlissene Infrastrukturen, sanierungsbedürftige Gebäude und weite Brachflächen charakteristisch, wirtschaftliche Aktivitäten beschränkten sich auf Gebrauchtwagenhändler, Würstchenbuden und Teppichscheunen“, erinnert sich Elmar Kulke, Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, der die Entwicklung des Standorts seit Jahrzehnten aus persönlichem Interesse, aber auch als Wirtschaftsgeograph verfolgt und erforscht. Jetzt hat er eine neue Studie vorgelegt.

Kulke und Robert Kitzmann haben im Februar und März, also kurz vor Corona, untersucht, wie Studierende und Beschäftigte den Technologiepark Adlershof wahrnehmen und bewerten. „Die Studie zeigt vor allem, dass der Standort nicht mehr als reiner Arbeits- und Studierort wahrgenommen wird, sondern sich in Richtung eines multifunktionalen Stadtgebietes entwickelt; außerdem ist der dynamische wissenschaftliche und ökonomische Entwicklungsprozess von Adlershof viel stärker in das Bewusstsein der Befragten gerückt.“

National und international wird Adlershof als einer der führenden Technologieparks Europas gesehen und in den Medien kommuniziert, verzeichnet jahrzehntelang ein starkes Wachstum und die universitäre und außeruniversitäre Forschung nimmt in einigen Bereichen internationale Spitzenpositionen ein. Aber bewerten die im Wissenschafts- und Technologiepark tätigen Menschen den Standort auch so positiv, und wie schätzen sie die Standortentwicklung ein? Welche Wünsche und Vorschläge haben sie, damit die Aufenthaltsqualität noch besser wird? Welche Aktivitäten finden bevorzugt statt und wie ist die Sicht auf Verkehrsmittel und Wohnstandorte?

An der Untersuchung haben 874 Menschen teilgenommen, Studierende, Forschende der HU und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Beschäftigte von Unternehmen der Privatwirtschaft. Die Studie ist vergleichbar mit einer ähnlichen Studie, die Kulke und Kitzmann 2012 ebenfalls mit einem standardisierten Fragebogen, der auch Platz für eigene Assoziationen ließ, durchgeführt haben.

 

Lücken in Gastronomie, Sport- und Kulturaktivitäten

 

Viele der Befragten koppeln heute Arbeit und sogenannte Zweitaktivitäten, gehen am Standort zum Einkaufen, zur Bank oder zum Arzt. „Das war 2012 noch anders. Der Standort hat sich in Bezug auf Einzelhandel, Dienstleistungen und teilweise Gastronomie positiv entwickelt.“ Luft nach oben ist vorhanden. „Nach wie vor bestehen gewisse Lücken in der gastronomischen Versorgung am Abend, außerdem sehen viele Befragte Ausbaupotentiale bei den Kultur-, Sport- und Freizeitangeboten“, unterstreicht Kulke.

Dauerbrenner in der Standortdiskussion ist der öffentliche Verkehr. „Ob S-Bahn, Auto oder Fahrrad, für alle Verkehrsdimensionen wird die Anbindung als positiv gesehen“, berichtet Kulke, „es hakt aber bei Frequenzen und Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs, diese wurden offenbar nicht proportional mit der Entwicklung des Standortes erweitert, sodass hier erkennbare Engpässe bestehen.“ Die S-Bahn Verbindung von und nach Mitte spielt sich nach wie vor nur im 20-Minuten-Takt ab, zu Stoßzeiten kann es unerträglich voll in den Waggons werden. Hier ist das Standortmanagement, die Wista Management GmbH, immer wieder in Verhandlungen mit den Verkehrsbetrieben. Diese müssen unbedingt fortgesetzt werden“, so Kulke.

Stichwort Kinderbetreuung. Die Kitakapazitäten wurden seit 2012 ausgebaut, allerdings gibt es nach wie vor Bedarf an mehr Plätzen. Hier soll auch die universitätseigene Kita, die in Planung ist, Abhilfe schaffen, auch im Hinblick auf einen neuen Trend: „Vor ein paar Jahren wurde ein Kitaplatz in Wohnortnähe bevorzugt, mittlerweile sehen wir, dass häufiger als früher Plätze in Nähe des Arbeitsplatzes gesucht werden.“

 

Viele wünschen sich ansprechendere Gestaltung der Flächen im Freien

 

Die Entwicklung des Standorts in Richtung Multifunktionalität beinhaltet auch den Ausbau des Wohnbereichs. „Wohnen wird aber nur von wenigen Personen vermisst, was sicher auch daran liegt, dass beispielsweise für Studierende Gebiete mit vielfältigen abendlichen Freizeit- und Gastronomieangeboten sowie mit innerstädtischem Flair interessanter sind.“ Trotzdem ist ein wachsender Zuzug von Studierenden in die Umgebung des Campus zu verzeichnen, was wahrscheinlich mit steigenden Mieten und knappem Wohnraum insgesamt in Berlin zusammenhängt. Grundsätzlich sind „Adlershofer“ wohnungsmäßig über das ganze Stadtgebiet verteilt.

Die Umfrage zeigt einen relativ hohen Grad der Übereinstimmung zwischen den verschiedenen Teilgruppen der Befragten. Nur in einzelnen Punkten weichen vor allem die Aussagen der Studierenden und teilweise auch der Universitätsangehörigen in negativer Richtung von der durchschnittlichen Bewertung ab. So nehmen Studierende die dynamische Entwicklung des Standorts weniger wahr. Sie sind mit der Aufenthaltsqualität im Freien nicht zufrieden und wünschen sich vor allem Verbesserungen bei der Gestaltung der Grünflächen.

Fazit des Wissenschaftlers: „Auf das Erreichte können alle Akteure am Standort stolz sein, aber auch die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung müssen genutzt werden.“

 

Autorin: Ljiljana Nikolic

 

Elmar Kulke / Robert Kitzmann: „Vom monofunktionalen Arbeitsort zum multifunktionalen Stadtquartier? Bewertung und Wahrnehmung des Technologieparks Berlin-Adlershof durch Studierende und Beschäftigte.“