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Humboldt diskutiert – Lehren und Lernen in Zeiten von Corona

by Ljiljana Nikolic posted on 23.06.2020 15:20 last modified 06.08.2020 10:34

Die Planung für das Wintersemester 2020 läuft bereits auf Hochtouren. Die Berliner Hochschulen sind sich einig: Sie streben einen Mix aus digitaler Lehre und Präsenzveranstaltungen an, soweit es die Pandemieentwicklung zulässt. Was bedeutet das im Detail?

Das kommende Wintersemester wird ein Kombisemester. Welche Erfahrungen wurden im Sommersemester an der Humboldt-Universität gemacht, wie könnte ein Mix aus Präsenz- und Digitallehre gestaltet werden, und was sind dabei die Herausforderungen? Diese und andere Fragen diskutierten Lehrende und Studierende in einem Zoom-Webinar, das als Fishbowl-Diskussion, eine Kombination einer Großveranstaltung mit den Vorteilen kleiner Gesprächsrunden, am 19. Juni durchgeführt wurde.

Fishbowl per Zoom? Ja, das geht und hat sehr gut funktioniert. Nach vier Impulsen von zwei Professoren und zwei Studierenden folgten jeweils drei Diskussionsrunden mit je drei Teilnehmern. Diskutiert wurden die Fragen: Was ist uns an der Präsenz wichtig, wie viel Präsenz ist im Wintersemester möglich, und wie soll die digitale Lehre dann gestaltet werden? Das Publikum kommentierte und stellte Fragen per Chat.

 

30 Prozent der Lehrveranstaltungen konnten nicht stattfinden

„Die Rückmeldung von Studierenden zur digitalen Lehre ist ziemlich positiv, das Engagement der Lehrenden wird sehr geschätzt. Es fehlen aber Interaktionen. Und nicht alle Studierende haben Zugang, sei es aus technischen, finanziellen Gründen oder weil Räume fehlen“, resümierte Rüdiger Krahe, Studiendekan der Lebenswissenschaftlichen Fakultät, das digitale Sommersemester. 30 Prozent der Lehrveranstaltungen, Praktika, Übungen, Exkursionen, die nur in Präsenz möglich sind, konnten allerdings nicht angeboten werden und sollen im Sommer nachgeholt werden. Aber: „Praktika müssen doppelt und dreifach organsiert werden, damit alle einen Platz bekommen. Das wird sehr zeitaufwendig. Und man braucht viele Räume.“

„Der Lackmustest steht mit dem Prüfungszeitraum noch aus. So gibt es Indizien, dass wir Studierende zum Semesterende hin verlieren“, warnte Steffen Martus, Professor für Neuere deutsche Literatur und einer der Unterzeichner eines offenen Briefes, in dem der Wert der Präsenzlehre betont und eine bleibende Digitalisierung durch Corona befürchtet wird.

„Viele Studierende haben kein Problem mit digitaler Lehre, andere wünschen sich dringend die Präsenz zurück. Sie haben zurzeit vor allem existentielle Sorgen“, sagte die Archäologie-Studentin Hanne Koch: „Die guten Teile digitaler Lehre sollten weitergeführt werden. Aber es ist problematisch, dass alles synchron stattfindet – Zoom oder Präsenz sollte nicht als entweder oder gesehen werden.“

 

Auch in der Präsenzlehre funktioniert nicht alles so gut

Der Historiker Thomas Sandkühler, Studiendekan der Philosophischen Fakultät, plädierte dagegen dafür, die Präsenzlehre nicht zu romantisieren. Was das denn bedeute, fragte das bis zu 200 Teilnehmer*innen zählende Publikum per Chat. Sandkühler: „Es gab auch in Präsenz Seminarformen, die nicht gut funktioniert haben, wo keine Diskussion zustande kam, kaum eine Beteiligung stattfand. Wir müssen uns die Erfahrung ungeschminkt anschauen und nicht etwas hochschätzen, was vielleicht gar nicht so gut funktioniert hat.“

Wie sollen Studierende ein Semester mit Online- und Präsenzveranstaltungen unter einen Hut bringen? „Es müssen Wege ganz neu einkalkuliert werden. Wer um zwölf in Neukölln ein Onlineseminar verfolgt, kann nicht um 14 Uhr in Adlershof sein“, gab Martus zu Bedenken. „Wenn es falsch läuft, dann können nur Studierende mit kurzen Wegen und gutem Internet erfolgreich studieren“, sagte der Physik-Student Markus Fenner.

 

Orientierungshilfe für Erst- und Zweitsemester

Meike Röhrig von der Theologischen Fakultät schlug vor, Vorlesungen im Wintersemester eher digital, Seminare eher als Präsenzveranstaltung anzubieten, große Studiengänge eher hybrid, kleine Studiengänge eher präsent zu gestalten. Auch die Situation der Erstsemester wurde eindringlich thematisiert. „Wir müssen Erstsemester einfangen, dürfen aber Zweitsemester nicht vergessen. Für die war es jetzt sehr schwer und es gab keine Angebote – da muss es jetzt noch etwas geben, damit sie in der Uni ankommen“, unterstrich Krahe. Für eine klare Priorisierung für Erstsemester sprach sich auch Martin Böhme, Referent für Studium und Lehre an der Juristischen Fakultät, aus. Er befürchtet, dass die soziale Seite des Studiums verloren geht: „Es geht nicht nur um das Inhaltliche. Die Sozialkomponente ist wichtig, man hält den Massenstudiengang nur durch, wenn man sich sozial vernetzt.“ Diese Meinung war auch aus dem Publikum zu hören bzw. im Chat nachzulesen.

 

Wie den zeitlichen Mehraufwand ausgleichen?

Von mehreren Teilnehmer*innen wurde der zeitliche Mehraufwand thematisiert, der durch das Erstellen digitaler Formate entsteht. „Wir wollen gerne gute Lehre machen, gerade auch hybride Modelle. Aber wie wird eigentlich der Mehraufwand berücksichtigt?“, schrieben Teilnehmende in den Chat. Solche Fragen fanden in der Runde noch keine Antwort, wurden aber auf den Arbeitszettel für die Taskforce Digitale Lehre notiert.

Zum digitalen Austausch „Lehren und Lernen in Zeiten von Corona“ eingeladen hatte die Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Prof. Dr. Eva Inés Obergfell, und die Taskforce Digitale Lehre, die von Wolfgang Deicke geleitet wird. Er moderierte die Veranstaltung zusammen mit Hans-Christoph Keller, Referatsleiter in der Abteilung Kommunikation, Marketing und Veranstaltungsmanagement.

 

Autorin: Ljiljana Nikolic

 

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