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Humboldt-Universität zu Berlin

Humboldt-Spektrum 3/2005

Editorial

Auf ein Neues!
Christoph Markschies

Der Wunsch ist zunächst ganz wörtlich gemeint: Auf ein neues Jahr, auf anregende wissenschaftliche Entdeckungen, auf spannende Begegnungen in Lehrveranstaltungen, auf begeisternde Eindrücke von der Humboldt-Universität! Der Wunsch gilt aber auch in einem weiteren Sinne: Auf neue Anläufe beim Exzellenzwettbewerb, zunächst für die, die schon mit Voranträgen dabei waren und nun hoffentlich an die Langfassungen gehen können, dann auch für die, die in der zweiten Stufe des Wettbewerbs starten wollen und sich mit ersten Planungen beschäftigen! Weiter: Auf einen neuen Aufbruch bei unserem Versuch, in der Berliner Mitte die Lebenswissenschaften zu verankern, als Integrationswissenschaften zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, zwischen den Standorten Mitte und Adlershof, mit der Charité! Und schließlich: Auf eine neue Präsenz unserer Forschungen, aber auch unserer reformerischen Impulse in dieser Stadt und weit darüber hinaus!

Viele Wünsche eines Präsidenten zum Neubeginn. Zu viele Wünsche? Im deutschen Universitätssystem wird viel geklagt und viel zu wenig geträumt. Immer wieder einmal ruft ein kluger Zeitgenosse mit markigen Worten eine Krise aus, jetzt wieder einmal die »Krise der Geisteswissenschaften« oder gleich die »Krise des deutschen Universitätssystems«. Selbstverständlich funktioniert nicht alles gleich gut, aber wir klagen auf hohem Niveau. Wer nur ein wenig Universitätssysteme anderer Länder kennt, oder ahnt, wie schlecht es dem preußischen Staat vor zweihundert Jahren ging, weiß das. Natürlich gibt es viele Bereiche, in denen wir ausbauen müssen, um international konkurrenzfähig zu werden – ich nenne die unterkritische Finanz- und Personalausstattung, den Zustand vieler Gebäude oder die bürokratischen Hemmnisse für die, die erfolgreich arbeiten. Aber die Lage ist nicht so hoffnungslos, dass es nicht lohnt, konkrete Schritte zu unternehmen.

Wir sollten nicht lamentieren. Mir scheint im Gegenteil, dass die Lage in den letzten Jahren selten so stark zu Hoffnungen Anlass gab: Der Exzellenzwettbewerb hat unsere Professorinnen und Professoren zu vielen anregenden Ideen und neuer Zusammenarbeit motiviert; nun kommt es darauf an, all' das für die Universität und für die Studierenden fruchtbar zu machen. Wenn wir gewinnen, haben wir endlich die Mittel, auf die wir so lange gehofft haben, um neue Schwerpunkte aufzubauen und alte endlich gut auszustatten. Die Koalitionsvereinbarungen enthalten zwar eine bittere Pille (nämlich das Auslaufen der Hochschulbaufinanzierung), aber sie eröffnen uns mit dem Ende des Hochschulrahmengesetzes endlich die Möglichkeit, im Blick auf unsere Strukturen autonomer zu werden – beispielsweise das Berufungsverfahren gänzlich in der Universität durchzuführen und so zu beschleunigen, aber auch die Strukturen stärker nach Kriterien von Leistung und Exzellenz zu gestalten. Schließlich bietet uns das zweihundertjährige Jubiläum unserer Universität im Jahr 2010, auf das wir mit Riesenschritten zueilen, die Chance, gemeinsam mit Sponsoren unseren Gebäudebestand jubiläumsfein zu machen und beispielsweise durch die Einrichtung einer Lebenswissenschaft als Integrationswissenschaft zu dokumentieren, dass wir wie unsere Gründerväter immer noch für die spannendsten Ideen im deutschen Universitätsbetrieb gut sind.

Ich lade alle, die an der Humboldt-Universität lehren und forschen, an ihr lernen und arbeiten, ihr freundschaftlich verbunden oder jedenfalls mit Interesse zugewandt sind, sehr herzlich ein, sich an diesem gemeinsamen Aufbruch hin zum zweihundertjährigen Jubiläum zu beteiligen. Weitere Details unseres Weges in den kommenden fünf Jahren habe ich in meiner Vorstellungsrede vor dem Konzil ausgeführt; ich freue mich über Gespräche zu diesem Text und den dort formulierten Zielen. In diesem Sinne: Auf ein Neues!

 TITELBILD: 3/2005

Prof. Dr. Christoph Markschies
Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin