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Die Sprache des anderen verstehen

Berlin–Brandenburg School for Regenerative Therapies nimmt Arbeit auf

Ein Ziel biomedizinischer Forschung des&nbsp; 21. <br />
Jahrhunderts ist es, die Fähigkeit des Körpers <br />
zur&nbsp; Selbstheilung&nbsp; für&nbsp; Therapien&nbsp; zu&nbsp;
nutzen. <br />
Zur&nbsp; Regenerativen Medizin&nbsp; gehören&nbsp; sowohl <br />
die Stammzellentherapie als auch der Einsatz <br />
von&nbsp; Implantaten&nbsp; oder&nbsp; auch&nbsp; die&nbsp;
Knochen-<br />
marktransplantation&nbsp; bei&nbsp; Leukämiekranken. <br />
Für&nbsp; andere&nbsp; schwerwiegende&nbsp; Krankheiten&nbsp; ist
<br />
die&nbsp; regenerative&nbsp; Therapie&nbsp; allerdings&nbsp; noch
<br />
Fiktion.&nbsp; &nbsp;<br />
Die&nbsp; (Weiter-)Entwicklung&nbsp; dieser&nbsp; Therapieart <br />
ist auch Ziel der „Berlin–Brandenburg School <br />
for Regenerative Therapies“&nbsp; (BSRT), die&nbsp; seit <br />
November&nbsp; 2007&nbsp; im&nbsp; Rahmen&nbsp; der&nbsp;
Exzellenz-<br />
initiative gefördert wird. Die Graduiertenschu-<br />
le&nbsp; ist&nbsp; eine&nbsp; Initiative&nbsp; von&nbsp;
Klinikern,&nbsp; Biologen <br />
und Ingenieuren. Interdisziplinarität wird hier <br />
groß&nbsp; geschrieben,&nbsp; denn&nbsp; die&nbsp; Beteiligten&nbsp;
ar-<br />
beiten&nbsp; beispielsweise&nbsp; an&nbsp; Implantaten&nbsp; des
<br />
Bewegungsapparates, die eine Mischung aus <br />
Medikamenten, Zellen und&nbsp; technischen Pro-<br />
dukten sind und im Alleingang einer Wissen-<br />
schaftsdisziplin&nbsp; nicht machbar&nbsp; wären.&nbsp; „Nie-<br />
mand soll seine Expertise aufgeben, aber wir <br />
erwarten von unseren Promovierenden, dass <br />
sie&nbsp; die&nbsp; Sprache&nbsp; des&nbsp; anderen&nbsp;
verstehen&nbsp; und <br />
sprechen&nbsp; lernen“,&nbsp; erklärt Georg Duda,&nbsp; Spre-<br />
cher der BSRT und Professor am Centrum für <br />
Muskuloskeletale Chirurgie der Charité.&nbsp; &nbsp;<br />
Im&nbsp; Focus&nbsp; stehen&nbsp; fünf Gebiete,&nbsp; die
Neurolo-<br />
gie,&nbsp; kardiovaskuläre&nbsp; Erkrankungen,&nbsp; Erkran-<br />
kungen der Leber, das Immunsystem und der <br />
Bewegungsapparat.&nbsp; In&nbsp; letzteren&nbsp; beiden&nbsp; sind
<br />
die&nbsp;&nbsp; Wissenschaftler&nbsp; am weitesten,&nbsp; verfügen
<br />
bereits über Grundlagenwissen und klinische <br />
Erfahrung. <br />
Zurzeit wird bei Verletzungen des Bewegungs-<br />
apparates&nbsp; viel mit metallischen&nbsp; Implantaten <br />
gearbeitet. „Wir forschen an abbaubaren Ma-<br />
terialien, die sich mit der Zeit völlig auflösen <br />
und&nbsp; durch&nbsp; körpereigenes&nbsp; Gewebe&nbsp; ersetzt <br />
werden“, erklärt Professor Duda. „Außerdem <br />
biologisieren&nbsp; wir&nbsp; konventionelle&nbsp; metallische <br />
Implantate.“&nbsp;&nbsp;&nbsp; Diese&nbsp; Implantate&nbsp;
haben&nbsp; bei-<br />
spielsweise&nbsp; eine&nbsp; abbaubare&nbsp; Beschichtung, <br />
aus der Wachstumshormone oder Antibiotika <br />
entsprechend&nbsp; der&nbsp; individuellen&nbsp; Indikationen <br />
freigesetzt werden können.<br />
Implantate&nbsp; kommen&nbsp; bei&nbsp; Verletzungen&nbsp; des <br />
Bewegungsapparates,&nbsp; die&nbsp; der&nbsp; Körper&nbsp; nicht
<br />
alleine&nbsp; oder&nbsp; mit&nbsp; Hilfe&nbsp; herkömmlicher&nbsp;
Me-<br />
thoden&nbsp; bewältigen&nbsp; kann,&nbsp; zum&nbsp; Einsatz.&nbsp;
Etwa <br />
bei&nbsp; großen&nbsp; Knochendefekten&nbsp; nach&nbsp; Unfällen
<br />
oder&nbsp; auch&nbsp; bei Muskeldefiziten&nbsp; nach&nbsp;
wieder-<br />
holten Operationen&nbsp; oder&nbsp; bei&nbsp; Abnutzungser-<br />
scheinungen&nbsp; von&nbsp; Gelenkknorpel,&nbsp; Stichwort <br />
Arthrose. Meist&nbsp; fehlt&nbsp; ein&nbsp; Stück Gewebe,&nbsp; das
<br />
mit Hilfe von Zellen, Wachstumsfaktoren und <br />
einem Biomaterial wieder ersetzt werden soll, <br />
so&nbsp; dass&nbsp; sich&nbsp; beispielsweise&nbsp; körpereigener
<br />
Knochen oder Knorpel erneut bilden.<br />
Auf&nbsp; dem&nbsp; Gebiet&nbsp; der&nbsp; Immunologie&nbsp;
geht&nbsp; es <br />
um&nbsp; Spätfolgen&nbsp; von Organtransplantationen. <br />
Nach wie vor bereitet die Akzeptanz fremder <br />
Organe den Patienten die größten Probleme. <br />
Zur Verhütung von Abstoßungsreaktionen ist <br />
zurzeit&nbsp; eine&nbsp; lebenslange&nbsp; immunsuppressive <br />
Therapie&nbsp; notwendig,&nbsp; die&nbsp; wiederum&nbsp; Neben-<br />
wirkungen verursachen kann. Um die Menge <br />
immunsuppressiver&nbsp; Medikamente&nbsp; reduzie-<br />
ren zu können, setzen die Wissenschaftler auf <br />
regulatorische&nbsp; T-Zellen,&nbsp; körpereigene Zellen, <br />
die&nbsp; die&nbsp; Abstoßung&nbsp; des&nbsp; körperfremden&nbsp;
Or-<br />
gans verhindern können. <br />
Die Wissenschaftler wollen&nbsp; dem&nbsp; Körper&nbsp; hel-<br />
fen,&nbsp; sich&nbsp; selbst&nbsp; zu&nbsp; heilen.&nbsp; Oft&nbsp;
ist&nbsp; es&nbsp; viel <br />
kostengünstiger, bestehende Systeme zu ver-<br />
bessern, als „das Rad neu zu erfinden“. Denn <br />
die&nbsp; Therapien müssen&nbsp; finanzierbar,&nbsp; für&nbsp; eine
<br />
breitere&nbsp; Masse&nbsp; einsetzbar&nbsp; sein.&nbsp; Sie&nbsp;
sollen <br />
auch fürs Ausland attraktiv sein. <br />
Die&nbsp; BSRT&nbsp; wird&nbsp; pro&nbsp; Jahr&nbsp; 14&nbsp;
Promovenden <br />
aufnehmen und diese mit Stipendien ausstat-<br />
ten. Zwei Professuren sollen neu eingerichtet <br />
werden plus eine Stiftungsprofessur, deren In-<br />
haber Biologen, Biochemiker, Chemiker, Phy-<br />
siker&nbsp; und&nbsp; Ingenieure mit&nbsp; der&nbsp; Klinik&nbsp;
vertraut <br />
machen&nbsp; soll.&nbsp; Eng&nbsp; verbunden&nbsp; ist&nbsp; die&nbsp;
BSRT <br />
mit&nbsp; dem&nbsp; Berlin-Brandenburg&nbsp; Centre&nbsp; for&nbsp;
Re-<br />
generative Therapies, einer&nbsp; interdisziplinären <br />
Einrichtung, die von Charité, BMBF und von <br />
der Helmholtz-Gemeinschaft&nbsp; gefördert wird. <br />
Auch&nbsp; eine&nbsp; Reihe&nbsp; anderer&nbsp; außeruniversitärer
<br />
Einrichtungen wie das Max-Planck-Institut für <br />
molekulare Genetik oder das Robert-Koch-In-<br />
stitut sind daran beteiligt, der Natur bei Hei-<br />
lungsprozessen auf die Sprünge zu helfen. <br />
&nbsp; Ljiljana Nikolic