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Humboldt-Universität zu Berlin | Presseportal | Informationen für Medien | Publikationen | HUMBOLDT | 2007/2008 | Ausgabe 6 | Geschichte | „Die Heranwachsenden mit der Wahrheit vertraut machen“

„Die Heranwachsenden mit der Wahrheit vertraut machen“

Als Student, Nobelpreisträger und Rektor war Max Planck 35 Jahre der Berliner Universität verbunden

Max Planck hat mit der Quantentheorie ungewollt eine der wichtigsten Entwicklungen der modernen Physik angestoßen und diese der klassischen Physik widersprechende Theorie durchgesetzt.

Planck wird am 23. April 1858 in Kiel in eine traditionsreiche Gelehrtenfamilie hinein geboren. Die Familie geht 1867 nach München. Hier erhält er seine Schulbildung und beginnt 1875 Physik zu studieren. Er ist der einzige seiner Familie, der sich den Naturwissenschaften widmet, alle seine Vorfahren sind Theologen oder Philologen. Für ein Studienjahr kommt er 1877/78 als Student an der Berliner Universität, wo er in Kontakt zu Hermann von Helmholtz und Gustav Kirchhoff kommt. Für den Studienabschluss, damals die Promotion, zum Thema „Über den zweiten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie“ geht er 1879 wieder nach München. Die Habilitation über „Gleichgewichtszustände isotroper Körper in verschiedenen Temperaturen“ folgt ein knappes Jahr später am selben Ort. Ab 1885 ist er außerordentlicher Professor für Theoretische Physik in Kiel und ab 1889 in der gleichen Position an der Berliner Universität. Ordinarius wird er drei Jahre später und dann auch Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Insgesamt bleibt er für mehr als 35 Jahre an der Universität in Berlin. Erst im Herbst 1926 wird er emeritiert, bleibt aber seiner Fakultät für viele Jahre als einer der sechzehn ältesten Professoren mit dem Recht zur Teilnahme an den Sitzungen der Fakultät erhalten.

Gedenktafel
Gedenktafel für Max Planck am Westflügel des Hauptgebäudes, 1983, Bronze

1899 erfolgt seine wichtigste Entdeckung, das Wirkungsquantum h, was zur Entwicklung der Quantentheorie führt. Diese Theorie widerspricht der klassischen Physik, aber Planck sieht keinen anderen Weg, als diese neue Theorie weiterzuentwickeln, da nur sie die Messergebnisse erklären kann. Wie kam es dazu?

Ab 1894 beschäftigt sich Planck mit dem Problem der so genannten Schwarzkörperstrahlung. Hier geht es vor allem um die Frequenz der elektromagnetischen Strahlung, die ein Schwarzer Körper (also ein ideal absorbierender Körper) abgibt. Diese Frage wird an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt immer wieder in langen Reihen von Experimenten untersucht, aber die klassischen Gesetze der Physik versagen. Die Physiker der Zeit sind entweder in der Lage, die niedrigen Frequenzen richtig zu beschreiben, oder aber die hohen. Beide gemeinsam passen nicht in eine Formel. Planck findet das (später als Plancksche bezeichnete) Strahlungsgesetz, das die Messergebnisse richtig beschreibt. Dieses Strahlungsgesetz stellt er zum ersten Mal in der Sitzung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft am 19. Oktober 1900 in Berlin vor. Kurze Zeit später kann er auch die Herleitung des Strahlungsgesetzes präsentieren. Heute wird die Annahme Plancks, dass Energie nur in Form unteilbarer Energieelemente (der Quanten) übertragen wird, als Geburtsstunde der Quantenphysik und als größte wissenschaftliche Leistung Plancks angesehen.

Seine Vorlesung über die Theoretische Physik erstreckt sich über einen Zyklus von sechs Semestern. Lise Meitner empfindet sie als nüchtern und etwas unpersönlich. Sie bekommt als erste Frau im Jahr 1912 eine Stelle als Assistentin bei Planck. Er ist sehr beliebt, was sich beispielsweise 1907 zeigt, als er einen Ruf nach Wien ablehnt. Die Studenten organisieren einen feierlichen Fackelzug für ihn. Seine stets um neun Uhr beginnende Vorlesung, in der er die eigenen Verdienste nicht erwähnt, ist regelmäßig überfüllt. Aber er begründet keine eigene „Schule“ und hat nur wenige Doktoranden. Unter ihnen finden sich Max Abraham, der Begründer des „Wiener Kreises“ Moritz Schlick sowie die Nobelpreisträger Max von Laue und Walther Bothe. Ein weiteres wichtiges Amt bekleidet er 1913/14 als Rektor der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. In seiner Rektoratsrede vom 3. August 1914 über „Dynamische und statistische Gesetzmäßigkeit“ geht er nicht auf die äußeren Ereignisse, den beginnenden Weltkrieg, ein. Es ist wohl kennzeichnend für ihn, dass er den politischen Ereignissen nicht in aller Öffentlichkeit begegnet, aber andererseits all seinen Einfluss einsetzt, um negative Folgen zu vermeiden oder wenigstens zu mildern. Den Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Karriere bildet die Verleihung des Nobelpreises für Physik im Jahr 1919 rückwirkend für seine Verdienste um die Quantentheorie und damit die gesamte Physik im Jahr zuvor.

Im Laufe seines Lebens erleidet er eine Reihe von persönlichen Rückschlägen. Seine erste Frau und alle vier Kinder aus dieser Ehe sterben. Zuletzt 1945 sein Sohn Erwin Planck, der im Zuge der Verfolgung der Verschwörer des 20. Juli hingerichtet wird. Davon lässt er sich äußerlich nie beeindrucken und versucht, allen Unannehmlichkeiten mit aufrechter Haltung zu begegnen. Er geht den Problemen der Physik mit unermüdlicher Energie auf den Grund.

In seiner 1948 erschienenen „Wissenschaftlichen Selbstbiographie“ schreibt er in der für ihn typischen bescheidenen Weise: „Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern dadurch, dass die Gegner allmählich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.“ Diese Bescheidenheit und seine menschliche Größe werden von Heinrich von Ficker sowie Ernst Lamla in ihren Erinnerungen mehrfach beschrieben. Max Planck stirbt am 4. Oktober 1947 in Göttingen.

Tom Werner

Verweise
Max Planck