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„Wir finden unseren Sound“

Jung, unkonventionell und souverän: „Humboldts Bigband“ spielt jungen Berliner Jazz

Wer an diesem Freitagabend am b-flat in der Rosenthaler Straße vorbei kommt und vom jazzigen Sound angezogen ist, kann kaum einen Blick durch die beschlagenen Fensterscheiben erheischen: Das kleine Musiklokal ist bis auf den letzten Platz ausgebucht. Drinnen spielen zwanzig Musiker dicht gedrängt auf der für eine Bigband viel zu kleinen Bühne. Im Raum sind alle Plätze besetzt, es strömen auch während des Konzertes immer wieder Besucher hinein. Die Stimmung ist perfekt.

Vier Trompeten, vier Posaunen, fünf Saxophone, ein Pianist, zwei Gitarristen, ein Bassist, zwei Schlagzeuger und der Bandleader machen zusammen „Humboldts Bigband“ – und als Highlight dazu die sympathisch weiche Stimme der Sängerin Elisabeth Corcoran. Man sieht den Musikern die Freude am Spielen an – und sie überträgt sich auch auf das junge Publikum.

Dabei spielt „Humboldts Bigband“ erst seit knapp zwei Jahren zusammen. Die jungen Musiker sind zumeist Studenten der Humboldt-Universität und befreundeter Hochschulen. Sie studieren Informatik oder Mathematik, sind Mediziner, Jurist oder Bauingenieur, Psychologie-Doktorand, aber auch Musik und Kulturwissenschaftler oder Schauspieler; durchaus auch international mit zwei Spaniern und einem Erasmus-Austauschstudenten von den Britischen Inseln.

Humboldts Bigband

Die Idee, an der Humboldt-Universität eine Bigband ins Leben zu rufen, hatte Martin Stigge vor drei Jahren. Der Informatikstudent und Pianist wollte neben dem Studium Jazz in einer Bigband spielen. „An der Uni gab es Orchester und Chöre, aber zu dieser Zeit keine Bigband.“ Zusammen mit dem Saxophonisten Lars Dieterich machte er sich in der Universität auf die Suche nach geeigneten Partnern, so dem Universitätsmusikdirektor, und vor allem nach einem Probenraum. Seit nunmehr zwei Jahren ist die Besetzung relativ konstant, Fluktuation gibt es kaum. Und die Nachfrage, in der Band mitzuspielen, ist überwältigend: „Wir hatten in den ersten zwei Wochen etwa 80 Anfragen!“, sagt Martin Stigge, der die organisatorischen Fäden der Band hält. Allerdings, mit 50 Saxophonisten zu spielen, wäre eine andere Art Herausforderung, der sie sich noch nicht stellen wollen, fügt Lars Dieterich schmunzelnd hinzu.

Auf dem Repertoire stehen neben Swing und Latino-Klassikern vor allem moderne Bigband-Stücke. Dabei spielten Berliner Komponisten wie Oli Bott, Rolf von Nordenskjöld und Lukas Fröhlich, die sie als Musikerkollegen kennen, eine große Rolle. „Es ist gut, wenn man zu den Stücken einen persönlichen Bezug hat, im besten Falle, wenn man sie mit den Komponisten proben kann“, so der künstlerische Leiter des jungen Ensembles. „Es fühlt sich gut an, wenn man mit Laien solche Arrangements auf die Beine stellt. Zumal, wenn die Komponisten und Arrangeure ihre Werke freundlicherweise zur Verfügung stellen.“

Eine „Botschaft“ hat „Humboldts Bigband“ nicht, aber „unser Sound entwickelt sich“, sagt Bandleader Lars Dieterich. „Wir spielen kein Standard-Bigband-Programm. Wir wollen individuelle Stärken hervorholen.“ Dieterich will, dass jeder Musiker erkennt, wie wichtig der einzelne für die Band ist. Und so hat auch fast jeder Instrumentalist sein Solo. Ein Novum ist der Einsatz zweier Drummer. „Es ist Luxus, aber es ist unglaublich bereichernd“, sagt Stigge. „Sie bringen sich gegenseitig was bei, wechseln sich am Schlagzeug und an den Percussions ab.“ Das Wichtigste sei ihnen der Spaß am gemeinsamen Musizieren. „Uns ist die Band als Begegnungspunkt wichtig, sonst könnten wir ja auch als Solisten spielen“, meint Stigge, der in der Band inzwischen Trompete spielt. Sie versuchen, einige Instrumente doppelt zu besetzen, damit die Auftritte jederzeit abgesichert werden können. Zwar sei die Bigband in der Musiklandschaft anscheinend noch immer eine Männerdomäne, doch auch Musikerinnen sind gern im Ensemble willkommen.

Was sind ihre Pläne? Zwei bis drei Auftritte werden neben dem Studium und den wöchentlichen Proben pro Semester bereits realisiert. Für diesen Sommer haben sie sich auch einen Wochenend-Workshop mit einem Berliner Komponisten vorgenommen. Und Dieterich möchte mit den Musikern gern im Ausland auftreten. „Wir freuen uns über jede Unterstützung“, sagen die beiden, und wie aus einem Munde: „Das Wichtigste ist eine längerfristige Nutzung eines Probenraums an der Universität.“ Im letzten Semester war die Zusage für den Raum zurückgezogen worden – und durch die damit zwangsweise einher gehende Probenpause verloren sie ihren ersten Trompeter. „Das ist bitter für eine Band“, konstatiert Dieterich.

In diesem Semester proben sie mittwochs von 19 bis 22 Uhr in der Invalidenstraße 110, Raum 153. Wer sich zu einem Vorspiel anmelden möchte oder die Band buchen will, wende sich an Martin Stigge, martin@stigge.org. Auf ihrer Webseite ist zur Einstimmung ein Trailer zu sehen, den die Mitarbeiter vom Multimediazentrum erstellt haben. Zu erleben ist „Humboldts Bigband“ als nächstes bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“ am 14. Juni 2008 im Innenhof des Hauptgebäudes. Jung, unkonventionell und souverän.

Heike Zappe

 

Musik an der HU: www.hu-berlin.de/musik

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