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Humboldt-Universität zu Berlin | Presseportal | Informationen für Medien | Publikationen | HUMBOLDT | 2007/2008 | Ausgabe 7 | Geschichte | "Viele Nächte durchwacht, viele Kämpfe durchstritten"

"Viele Nächte durchwacht, viele Kämpfe durchstritten"

Karl Marx an der Friedrich-Wilhelms-Universität

Im Foyer des Hauptgebäudes der Humboldt-Universität zu Berlin sieht der Besucher über der Freitreppe gegenüber dem Haupteingang die Elfte Feuerbach- These von Karl Marx. Wie kommt es, dass diese heute unter Denkmalschutz stehenden Zeilen dort zu sehen sind?

 Karl Marx wird am 5. Mai 1818 in Trier als Sohn des Justizrates Heinrich Marx geboren. Mit 17 Jahren macht er sein Abitur am Trierer Friedrich-Wilhelms-Gymnasium. Dem Wunsch des Vaters gemäß, beginnt er das Studium der Rechte an der gleichnamigen Universität in Bonn. Dort bleibt er jedoch nur ein Jahr und kommt im Herbst 1836 an die Berliner Universität. Er hört unter anderem Pandekten bei Friedrich Carl von Savigny, dem Begründer der Historischen Rechtsschule, und Preußisches Landrecht bei Eduard Gans, einem liberalen Hegelianer. Sein Augenmerk richtet er zunehmend auf die Geschichte und die Philosophie, insbesondere den Deutschen Idealismus. Am 10. November 1837 schreibt er seinem Vater einen Brief, in dem er die Zustände des letzten Jahres beschreiben will. Er vermisst seine Verlobte Jenny von Westphalen sehr und so heißt es: „In Berlin angekommen, brach ich alle bis dahin bestandenen Verbindungen ab, machte mit Unlust seltene Besuche und suchte in Wissenschaft und Kunst zu versinken.“ Dabei richtet sich sein Interesse anfangs noch auf die Jurisprudenz. Neben dem Studienfach und weiteren wissenschaftlichen Interessen findet er aber auch andere Zerstreuungen, wie „Musentänze und Satyrmusik“. Er schreibt neben juristischen und zunehmend philosophischen Texten eine Reihe literarischer Werke. Im Brief lautet es: „Daß bei diesen mancherlei Beschäftigungen das erste Semester hindurch viele Nächte durchwacht, viele Kämpfe durchstritten, viele innere und äußere Anregung erduldet werden mußte, daß ich am Schlusse doch nicht sehr bereichert hinaustrat und dabei Natur, Kunst, Welt vernachlässigt, Freunde abgestoßen hatte, diese Reflexion schien mein Körper zu machen, ein Arzt Die Pionierin der Insektenforschung zeichnete ihre Untersuchungsobjekte mit akribischem Detailreichtum. riet mir das Land, und so geriet ich zum ersten Mal durch die ganze lange Stadt vor das Tor nach Stralow [heute Stralau – d.Red.]. Daß ich dort aus einem bleichsüchtigen Schmächtling zu einer robusten Festigkeit des Körpers heranreifen würde, ahnte ich nicht. Ein Vorhang war gefallen, mein Allerheiligstes zerrissen, und es mußten neue Götter hineingesetzt werden. Von dem Idealismus, den ich, beiläufig gesagt, mit Kantischem und Fichteschem verglichen und genährt, geriet ich dazu, im Wirklichen selbst die Idee zu suchen. Hatten die Götter früher über der Erde gewohnt, so waren sie jetzt das Zentrum derselben geworden.“ Marx bahnt sich seinen Weg auf dem Gebiet der Philosophie außerhalb der Lehrveranstaltungen. Dabei spielen das zu seiner Zeit vor den Toren Berlins gelegene Stralau und der dort tagende „Doktorclub“ eine wichtige Rolle. Aber der Brief gibt keine rechte Auskunft über den Fortgang seiner Studien. Man kann lesen: „Wenn ich hier vielleicht Dir dies ganze letzte Semester weder klar dargestellt noch in alle Einzelheiten eingegangen, auch alle Schattierungen verwischt, so verzeihe es meiner Sehnsucht, von der Gegenwart zu reden, teurer Vater.“ Der junge Marx hatte schlicht andere Interessen. In Berlin schließt er das Studium nicht ab, sondern er promoviert 1841 in Jena mit der Arbeit „Die Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie“. Ab 1842 ist er Mitarbeiter und dann Redakteur der „Rheinischen Zeitung“ in Köln. 1848 verfasst er mit Friedrich Engels das „Kommunistische Manifest“ und 1867 erscheint der erste Band von „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie“. Der Weg hin zu diesen Werken wird durch seine neun Semester an der Universität und vor allem die in Berlin geführten Auseinandersetzungen mit der Philosophie Hegels beeinflusst. Hier hat er wichtige Schritte hin zur Elften Feuerbach-These gemacht. Die These lautet in der redigierten (um das kleine Wort „aber“ erweiterten) Fassung: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ So wie sie heute noch im Aufgang des Foyers im Hauptgebäude zu lesen ist. Tom Werner