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Der Bakteriologe im Kimono

Robert Koch – der Name verbindet sich kaum mit dem Bild eines weißhaarigen Mannes im Kimono. Seine wissenschaftlichen Verdienste sind so vielfältig, dass sein 74-tägiger Japanaufenthalt in Biografien kaum Erwähnung findet. Koch war 64 Jahre, als er auf dem Rückweg von einer Amerika-Reise am 12. Juni 1908 in Japan eintraf.

koch

Robert Koch und seine Frau Hedwig in Japan

Koch, der seit Jahren an Angina pectoris litt, wollte sich in Japan erholen. Gemeinsam mit seiner 30 Jahre jüngeren Künstler-Gattin Hedwig wollte er seinen Freund Kitasato Shibasaburo wiedersehen und dessen Heimatland kennenlernen. Am 26. Juni 1908 übermittelt der deutsche Botschafter von Mumm dem Fürsten von Bülow in Berlin: „In der japanischen Presse hat Professor Koch geradezu begeisterte Würdigung gefunden. Die ‚Hochi Shimbun’ brachte am Tage seiner Ankunft nebst seinem Bildnisse sogar einen deutschen Begrüssungsartikel. Die ‚Chuo’ spricht die Hoffnung aus, dass der berühmte Gelehrte auch Gelegenheit nehmen werde, die in Japan eigentümlichen Krankheiten, namentlich Kakke (Beri- Beri), zu studieren. Nicht nur Japan sondern die ganze medizinische Welt würde ihm für Forschungen auf diesem Gebiet Dank wissen. Die ‚Jiji’ feierte ihn als einen Wohltäter der Menschheit, dessen Entdeckungen auch Japan zu gute kämen, und die ‚Yamato Shimbun’ geht schliesslich soweit zu sagen, dass es wohl keine Übertreibung wäre, Koch mit den grössten Männern der Weltgeschichte, Christus, Buddha und Konfuzius, zu vergleichen.’“ Der Privatbesuch wurde zum Triumphzug für den Gast und die wissenschaftlich wie öffentlich erfolgreiche Bakteriologie gleichermaßen. Schon bei Kochs Ankunft in Yokohama waren alle Straßen mit deutschen Flaggen geschmückt, auf jedem Bahnhof, an dem Kochs Zug fortan Halt machte, hatten sich Hunderte von Menschen versammelt. Nie wieder ist ein Deutscher in Japan so enthusiastisch empfangen worden, vom einfachen Bürger über die Ärzteschaft, höchste Regierungsvertreter bis hin zum Tenno. Das im Robert-Koch- Museum aufbewahrte Fotoalbum der Reise mit den Konterfeis von 621 Japanern, die sich als direkte oder indirekte Schüler Kochs betrachteten, spricht für sich. Koch wurden persönlich und stellvertretend alle Ehrungen zuteil für den enormen Anteil, den die deutsche Medizin am Aufbau eines Gesundheitssystems und der Entwicklung medizinischer Forschungen geleistet hatte – wenngleich zu einem Zeitpunkt, als sich die japanische bereits emanzipiert hatte. Auf Robert Kochs Japan-Reise überreichte ihm der Tenno in einer Audienz eine silberne Schale. Für eine Kabuki-Vorstellung übersetzte Mori Ogai das Programmheft ins Deutsche. Am Vorabend seiner Abreise gab der Präsident der japanischen Staatsbank ein Abschiedsdinner in japanischem Stil, bei dem Koch und seine Frau in japanischer Kleidung erschienen. Vier Jahre nach dem Besuch kehrte Hedwig als junge Witwe nach Japan zurück, um in Kamakura einen Koch-Gedenkstein einzuweihen. Sie, der man in Japan so manchen kulturellen Fauxpas nachsagte, sorgte gemeinsam mit Kitasato für die bis heute anhaltende Verehrung Kochs in Japan und die Archivierung seiner Reise-Erinnerungen, die sie später dem Robert-Koch-Museum in Berlin übereignete. Jährlich am 27. Mai, an Kochs Todestag, wird am Koch-Kitasato- Schrein eine feierliche Gedenkzeremonie abgehalten.
Beate Wonde