Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Presseportal

Humboldt-Universität zu Berlin | Presseportal | Informationen für Medien | Publikationen | HUMBOLDT | 2007/2008 | Ausgabe 9 | Geschichte | Johann Gustav Droysen: Philologe – Historiker – Politiker

Johann Gustav Droysen: Philologe – Historiker – Politiker

Johann Gustav Droysen zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Historikern des 19. Jahrhunderts. Anlässlich seines 200. Geburtstages widmete ihm das Institut für Geschichtswissenschaften Ende Mai die Tagung „Nachdenken über das Ganze. Universalgeschichte am Wissenschaftsstandort Berlin“.

Diese Veranstaltung zeigte seine bis heute bestehende Bedeutung, die auch die Verleihung des Johann-Gustav- Droysen- Preises für herausragende schriftliche Leistungen von Studierenden durch das genannte Institut ausdrückt. Droysens Lebensweg und sein Wirken sind eng mit Berlin verbunden. Die preußische Hauptstadt bildet seinen zentralen Bezugspunkt. An dieser Universität lehrt er insgesamt 32 Jahre, davon fast ein Vierteljahrhundert als ordentlicher Professor. Johann Gustav Bernhard Droysen wird am 6. Juli 1808 in Treptow an der Rega (Pommern) geboren. Der frühe Tod des Vaters im Jahr 1816 bringt materielle Not mit sich. So ist Droysen während seiner gesamten Schul- und Studienzeit auf Verdienste aus Nachhilfestunden und Privatunterricht angewiesen. Vom Sommersemester 1826 bis zum Wintersemester 1828/29 studiert er an dieser Universität vor allem Klassische Philologie und promoviert im Sommer 1831 bei August Boeckh mit einer Arbeit über Ägypten in der Zeit der Ptolemäer. Boeckh vermittelt Droysen als Hauslehrer an die Familie Mendelssohn. Bereits in dieser Zeit treiben nicht nur die hellenistischen Entwicklungen den aufstrebenden jungen Mann um, sondern auch aktuellere politische Fragen, die vor allem Preußen betreffen. Bevor er aber zu größeren Darstellungen wie etwa der „Geschichte der Preußischen Politik“ kommt, muss er sich jahrelang als Privatdozent und als Gymnasiallehrer behaupten. Zwar wird er ab 1835 außerordentlicher Professor in Berlin, dies ist aber eine unbesoldete Stellung. Erst 1840 wird er als Professor nach Kiel berufen und kommt dann 1859 nach einem langen Umweg über Jena an seinem Ziel- und Wunschort an. Er wird im Herzen Preußens Professor für Geschichte und bleibt es bis zu seinem Tode im Jahr 1884. Die Professorenkollegen sind nicht besonders erfreut über seine Berufung, denn sie hatten nicht zugestimmt. Man kann von einer politischen Berufung sprechen. Droysen hat sich vorher über zwei Jahrzehnte immer wieder direkt und durch seine Werke als Historiker Preußens angeboten, ist aber nicht zum Zuge gekommen. Gut ein Jahrzehnt nach seiner Berufung wird Deutschland 1871 von oben geeint, und Droysen sieht sich als Prophet bestätigt. Doch den brauchte man zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Johann Gustav Droysen beeinflusste die Entwicklung der Geschichtsschreibung in verschiedener Hinsicht. So prägte er den Hellenismus als Epochenbegriff und begründete die Interpretation als spezifische Methode. Als akademischer Lehrer hatte er Einfluss auf viele Schüler und wurde trotz politischer Differenzen von vielen als „Papa Droysen“ verehrt. Anlässlich seines Geburtstages wird im Foyer des Hauptgebäudes vom 1. Juli bis zum 8. August eine Ausstellung unter dem Titel „Philologe – Historiker – Politiker. Johann Gustav Droysen zum 200. Geburtstag“ gezeigt. Ziel ist es, die verschiedenen Facetten seines Wirkens zu würdigen sowie die Vielfältigkeit seiner Persönlichkeit und seines Schaffens zu veranschaulichen und historisch zu kontextualisieren.

Tom Werner

Philologe – Historiker – Politiker Johann Gustav Droysen (1808 – 1884) zum 200. Geburtstag Eine Ausstellung des Sonderforschungsbereichs 644 „Transformationen der Antike“ Bis 8. August 2008, Foyer des Hauptgebäudes, Unter den Linden 6, Es erscheint ein Katalog