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Das Provisorium der Liebe

Humboldts Philharmonischer Chor und Humboldts Studentische Philharmonie gastieren mit „Carmen“ auf dem Campus Adlershof

Der Stoff, aus dem die Opern gemacht sind, heißt Leidenschaft. Auch Georges Bizets „Carmen“, das weltweit meistgespielte Werk seiner Gattung, lebt von den großen Gefühlen. Aber etwas unterscheidet die 1875 in französischer Sprache komponierte Oper von vielen anderen: Im Mittelpunkt steht nicht die ewige Liebe, sondern das wechselhafte Begehren. Die Flüchtigkeit der Gefühle ist das große Thema in „Carmen“ – und der verzweifelte Wunsch, das festzuhalten, was eigentlich schon vergangen ist. Vor einer Stierkampfarena ersticht Don José seine ehemalige Geliebte Carmen, die ihn verlassen hat, während ihr neuer Liebhaber Escamillo im Inneren der Arena gerade den Kampf gewinnt. Sieg und Niederlage, Liebe und Tod liegen hier dicht beieinander. Für Humboldts Philharmonischen Chor und Humboldts Studentische Philharmonie ist die konzertante Aufführung von „Carmen“ am Ende des Sommersemesters ein ganz besonderes Projekt. An die Vergänglichkeit der Liebe und des Lebens, die Kernaussage des Stückes, erinnert bereits der Aufführungsort: Ein großes Zelt, das eigens für das Konzert am 18. Juli auf dem Campus Adlershof auf- und wenig später wieder abgebaut wird. Seine Form erinnert an die Stierkampfarena der Handlung. „Ein Zelt hat immer etwas Provisorisches“, findet Universitätsmusikdirektor Constantin Alex. „Es passt zur Zigeunerin Carmen und steht zugleich für die Unbeständigkeit aller Gefühle und Beziehungen.“ Adlershof als Aufstellort des Zeltes habe, so Alex, ein unglaublich großes Potenzial. „Anders als in Mitte findet hier nicht an jeder Ecke ständig etwas statt. Und im Sinne Humboldts gehören zu einem herausragenden Wissenschaftsstandort ja auch Kunst und Kultur“. Das Interesse in Adlershof ist immens, und einige ortsansässige Firmen unterstützen das ungewöhnliche Projekt finanziell. Auch musikalisch bekommen die 230 jungen Musiker aus Chor und Orchester Verstärkung: Neben ihnen werden am 18. Juli auch der Kinderchor der Berliner Gethsemanekirche und zehn Opernsänger, die die Solopartien übernehmen, auf der Bühne stehen. Gesungen wird die deutsche Felsenstein-Fassung. „Der Zuhörer soll verstehen, was Don José in genau diesem Moment zu Carmen sagt“, erklärt Alex. „Der Text ist viel mehr als nur ein Vehikel für den schönen Klang.“ Denn was in „Carmen“ über den Menschen und die Vergänglichkeit seiner Leidenschaft erzählt wird, das macht diese Oper so besonders hörenswert.

Mounia Meiborg

„Carmen“ von Georges Bizet 18. Juli 2008, 19 Uhr Zelt auf dem Campus Adlershof, nahe Erwin Schrödinger-Zentrum, Höhe Rudower Chaussee 18 Eintritt: 15 Euro/erm. 10 Euro Kartenreservierung: 2093-2442 Abendkasse und Catering ab 17:30 Uhr Mitwirkende: Humboldts Philharmonischer Chor Humboldts Studentische Philharmonie Solisten: u.a. Uta Grunewald (Carmen), Peggy Steiner (Micaela), Jewgenij Taruntsow (Don José), Alban Lenzen (Escamillo) Kinderchor der Berliner Gethsemanekirche Constantin Alex, Dirigent