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Wissenschaftler und Universitätsorganisator

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und die Gründung der Berliner Universität

Am 12. Februar 2009 jährte sich der Todestag von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher zum 175. Mal. Aus diesem Anlass hatte die Theologische Fakultät in Verbindung mit der Schleiermacherschen Stiftung zu einer Vortragsveranstaltung eingeladen.

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher. Abb.: Porträtsammlung der UBProfessor Jan Rohls aus München hielt einen Vortrag über "Schleiermacher und die wissenschaftliche Kultur des Christentums". Neben dem Lebensweg und seinen Leistungen als Wissenschaftler stand vor allem Schleiermachers Wirken als Wissenschaftsorganisator im Fokus. Als Sohn eines Feldpredigers wird Schleiermacher am 21. November 1768 in Breslau geboren und besucht das Pädagogicum sowie das Theologische Seminar der Brüderunität. Danach studiert er in Halle Theologie, wo nach dem Abschluss eine feste Stelle nicht zu finden ist, und so wird er zunächst Hauslehrer. Nach Berlin kommt er 1796 und nimmt die Predigerstelle an der Charité an. Hier entstehen die ersten Kontakte zum romantischen Kreis, vor allem zu Friedrich Schlegel und Henriette Herz. Nun beginnt auch seine literarische Tätigkeit, und in schneller Folge veröffentlicht er Werke über die Religion und die Literatur. Allerdings verlässt er 1802 die Stadt. Grund dafür sind seine in den Augen der kirchlichen Behörden unorthodoxe Schriftstellerei sowie der Verkehr mit "jüdischen Damen" der Salons, wie beispielsweise Henriette Hertz. Nun wird er gedrängt, eine Stellung als Prediger in Stolp anzunehmen. Die Zeit, die er dort findet, nutzt er für seine Platon-Übersetzungen. Schon 1804 wird er Professor der Theologie in Halle. Aufgrund der Schließung der dortigen Universität kehrt er 1807 nach Berlin zurück. Hier ist er ab 1809 als Prediger an der Dreifaltigkeitskirche tätig und heiratet Henriette von Willich. Das literarische Hauptwerk der folgenden Jahre ist die Übersetzung der Werke Platons mit seinen einflussreichen Einleitungen. Aber es entsteht neben anderen theologischen Werken auch die "Glaubenslehre" von 1821/22 über die christliche Religion.

Diese vielfältigen Tätigkeiten als Theologe, Philosoph und Pädagoge zeigen aber noch nicht die gesamte Bandbreite seines Wirkens: Eine ganz entscheidende Rolle spielt Schleiermacher ab 1808 bei der Gründung der Berliner Universität. Gemeinhin wird diese Gründung als eine genuin Humboldtsche betrachtet, aber wir können nicht umhin, den Anteil Schleiermachers deutlicher zu gewichten.

Bereits 1808 veröffentlicht er das Werk "Gelegentliche Gedanken über Universitäten im deutschen Sinn", um auf die Problematik der zeitgenössischen Universitäten hinzuweisen. Dabei brauchte es für ihn nicht die Anregung durch Karl Friedrich von Beyme, der verschiedene Gelehrte um ihre Meinung zur angestrebten Neugründung bittet, sondern er publiziert diese "Gelegentlichen Gedanken" aus eigenem Interesse. Nicht zuletzt diese Schrift führt dazu, dass Wilhelm von Humboldt entscheidet, Schleiermacher zum Mitglied der 1810 geschaffenen Einrichtungskommission der Berliner Universität zu ernennen. Gemeinsam mit Johann Wilhelm Süvern und Johann Wilhelm Daniel Otto Uhden wird der entstehenden Universität die erste feste Form gegeben. So wird hier über die zu berufenden Professoren verhandelt. Während Wilhelm von Humboldt nach kurzer Zeit aus seinem Amt im Ministerium ausscheidet, bleibt Schleiermacher über eine lange Zeit verantwortlich und kann so prägend in die Gestaltung der neuen Universität eingreifen. Diese fortdauernde Gestaltung sowie die theoretischen Grundlagen dafür in seinen "Gelegentlichen Gedanken" und anderswo erlauben die Einordnung als Humboldtsche und Schleiermachersche Universität.

An der neu eingerichteten Hochschule wird Schleiermacher auch selbst Professor an der Theologischen Fakultät und deren erster Dekan. Das Amt als Rektor übernimmt er 1815. Sein Wirken an der Universität und als Prediger führt zu hohem Ansehen, so dass bei seiner Beerdigung auf dem Dreifaltigkeitskirchhof mehr als 20.000 Menschen zugegen sind.

Damit endet sein Einfluss aber nicht, denn sein Werk wirkt bis heute und es lohnt sich auch angesichts des nahenden Jubiläums immer wieder, ihn gerade als Wissenschaftsorganisator und Mitbegründer der Berliner Universität zu betrachten.

Tom Werner