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Editorial

Leisten wir uns einmal ein kurzes Gedankenexperiment: Was wäre eine Universität ohne Freunde (und Freundinnen)? Was wäre die Humboldt-Universität ohne Freunde und Freundinnen? Nun, sie wäre ausschließlich von der öffentlichen Finanzierung abhängig und von den Drittmitteln, die einer strengen Landeshaushaltsordnung unterliegen. Ob es da noch möglich wäre, daß unsere Universitätszeichenlehrerin schöne Broschüren mit klugen Beiträgen über Wilhelm von Humboldt mit ihren feinen Kalligraphien illustriert? Ob es da noch möglich wäre, dass wir die ziemlich grobe These unseres einstigen Jura-Studenten Karl Marx im Foyer feinsinnig kontextualisieren mit einem Kunstwerk einer jungen britischen Künstlerin? Ob es da noch möglich wäre, eine Kampagne für Stühle im Senatssaal und die Restauration der historischen Bücher aus der Privatbibliothek der Brüder Grimm aufzulegen? Sie ahnen die Antwort längst: Natürlich nicht. Eine Universität ohne Freunde wäre im Grunde eine ganz arme Einrichtung, da würde nur das Allernotwendigste im Bereich von Lehre und Forschung geschehen, eben das, was heutigentags öffentliche Haushalte finanzieren. Und all’ die schönen Dinge, die ich eben aufgezählt habe, gäbe es nicht an der Humboldt-Universität zu Berlin, ohne Freunde. Und weiter: Ohne Freunde könnten wir praktisch niemanden zum Essen einladen, uns niemandem gegenüber erkenntlich zeigen mit kleinen, aber feinen Geschenken: Kurz, eine Universität ohne Freunde wäre auch eine Bildungseinrichtung ohne Stil. Obwohl Bildung und Stil doch viel miteinander zu tun haben, denn an einer Humboltschen Universität hat Bildung auch immer etwas mit Allgemeinbildung und Herzensbildung zu tun.

Freunde machen das Leben erst zum Vergnügen, Freunde raten in schwierigen Situationen, Freunde helfen in der Not, Freunde teilen aber auch die Freunde. Das gilt in unserem eigenen Alltag. Ein armer Tropf, der keine Freunde hat. Die Humboldt-Universität zu Berlin hat mit ihrer Humboldt-Universitäts-Gesellschaft verlässliche Freunde, möchte neue dazu gewinnen und freut sich über die alten ebenso wie die, die vor kurzem dazu gekommen sind. Und, Sie ahnen es längst, was mir diese Freunde auch persönlich für eine Stütze sind – nun, das konnte man bei unseren großen Feiern in diesem Jahr ja ganz unmittelbar sehen. Also: Auf gute Freundschaft!

Christoph Markschies