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Mittendrin. Eine Universität macht Geschichte

Die Jubiläumsausstellung im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum

Berlin ist keine sonderlich alte Universität, verglichen mit manch anderer Alma Mater klangvollen Namens wie Heidelberg, Tübingen oder Göttingen. Auf ein 200-jähriges Bestehen kann die erste Berliner Universität 2010 zurückblicken. Von dem Theologen Friedrich Schleiermacher und dem Sprachwissenschaftler Wilhelm von Humboldt ging die Initiative zur Gründung maßgeblich aus. Den nächsten Höhepunkt in ihrem runden Jubiläum begeht sie jetzt mit der Ausstellung: „Mittendrin. Eine Universität macht Geschichte“. Gezeigt wird sie im Grimm-Zentrum, der erst vergangenes Jahr eingeweihten Zentralbibliothek am Bahnhof Friedrichstraße.

Amtskette und Talar, das Zepter des Rektors oder Hegels Schreibtisch – mit solchen Stücken aus den reichen Sammlungen der Universität, aber auch zahlreichen Ton- und Filmdokumenten bezeugt die Ausstellung Kontinuitäten und Brüche der Universitätsgeschichte.Trotz ihrer vergleichweise kurzen Geschichte muss „die Humboldt“, wie Studenten und Lehrende sie nennen, sich nicht hinter traditionsreicheren Universitäten verstecken. Im 19. Jahrhundert beginnt die Reihe klangvoller Namen mit den Brüdern Humboldt, Hegel, Schleiermacher und setzt sich im 20. Jahrhundert mit Medizinern und Naturwissenschaftlern wie Albert Einstein, Lise Meitner, Max Planck und Otto Hahn  fort. Mit der Zahl von 29 Nobelpreisträgern unter ihren Lehrenden überflügelt die Humboldt-Universität alle anderen deutschen Hochschulen.

Charismatische Geister machen den Ruhm einer Universität aus, und entlang von Personen und Personalien erzählen auch die Kuratorinnen der Ausstellung, Ilka Thom und Kirsten Weining die Geschichte 200-jähriger Wissenschaft und Wissensvermittlung – ohne dabei auf bloßes name-dropping zu verfallen. An Werk und Werdegang von Lehrenden, Studierenden und Mitarbeitern, aber auch an traditionsreichen Lehrorten machen sie brennglasartig einzelne Facetten der Universitätsgeschichte fest. Deshalb entschied man sich gemeinsam mit den Ausstellungsdesignern Tom Duncan und Noel McCauley für die Form dezentraler, autarker Informationseinheiten.„Die Betrachter erfahren etwas über das Leben der Studentenschaft, welche Gepflogenheiten es gab, wer überhaupt daran teilhaben durfte“, erklärt Kuratorin Ilka Thom. „Diese thematischen Zeitreisen sind unabhängig voneinander verständlich, man kann sich beim Gang durch die Ausstellung also ganz von seinen Interessen leiten lassen.“

Einen festen Rundgang gibt es nicht, denn den räumlichen Mittelpunkt des Grimm-Zentrums bilden die jeden Tag von vielen hundert Besuchern frequentierten Zugänge zu den Lesesälen. Die mit der Szenografie der Schau beauftragten Architekten Duncan und McCauley entschlossen sich, die Ausstellung dezentral um diesen belebte Mitte herum zu gruppieren: Korrespondierend mit den Rastermaßen von Max Dudlers Bibliotheksbau entwarfen sie in Rottönen lackierte Kuben in sieben Größen. „Sie entspringen diesem Raster und springen aus ihm heraus“, sagt Noel McCauley, denn sie stehen kreuz und quer in der Foyerhalle. Inseln, die Nachbarschaften bilden, jedoch in sich geschlossen sind, so wie Denken und Wissensaneignung stets Leistungen des Individuums sind.

Auf den Wänden der Kuben wird in Wort und Bild in die Themen eingeführt, Tondokumente und Filme auf integrierten Bildschirmen visualisieren und vertiefen die Erzählung. Einige der Würfel kann man betreten, vor allem da, wo sich die konzentrierte Vertiefung in ein Thema anbietet.

Die im Rotspektrum von Magenta bis Karminrot lackierten hölzernen Kuben geben der Schau eine starke Präsenz. „Die Präsentation ist räumlich verstreut, ich denke aber schon, dass man sie als Einheit erleben kann“, sagt Szenograph McCauley. Die mediengestützt auf und innerhalb der Würfel präsentierten Themen wecken seiner Meinung nach sogar leichter das Interesse eines Bibliotheksbesuchers als eine große, geschlossene Ausstellung. Doch „Mittendrin“ sollte nicht nur Orientierung ermöglichen und Interesse wecken, sie soll eben auch ein Festgeschenk sein, den Glanz einer erfolgreichen Wissenschaftsinstitution vermitteln. Deshalb kommt die ergänzende Farbe Gold ins Spiel. In Gold legen sich an vielen Punkten großformatige Bilder über die glatte rote Fläche der Kuben – das Portal unter den Linden oder Konterfeis berühmter Lehrender sind solche Motive.

Frank Peter Jäger


Die Ausstellung „Mittendrin. Eine Universität macht Geschichte“ ist bis zum 15. August 2010 im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, Geschwister-Scholl-Str. 1/3, 10117 Berlin, zu sehen. Geöffnet montags bis freitags von 8 bis 24 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

www.hu200.de