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Das neue Kleid der Kommode

Historische Barockfassade wurde drei Jahre lang restauriert

Die Hüllen fallen. Wer dieser Tage aus dem Hauptgebäude der Universität tritt, dem bietet sich ein ungewohnter Anblick. Nicht die Gerüstreklame, die die Barockfassade der Juristischen Fakultät und ehemaligen Königlichen Bibliothek verhüllt hatte, sticht einem ins Auge, sondern ihr neues Kleid. Nach nunmehr dreijähriger Bauzeit sind die Restaurierungsarbeiten unter der Ägide des Architektenbüros Ingrid Hentschel – Axel Oestreich, fachlich begleitet vom Restaurator Thomas Schubert, abgeschlossen.

Als sparsamer Bauherr ließ Friedrich II. die Fassade der „Kommode“ nicht steinern, sondern als Mischung aus Sandsteinbauteilen für Säulen und Dachschmuck und  Mauerwerk mit Putz und Gipsstuck ausführen. „Es soll nur bei meinem Leben dauern“ lautete seine Devise. Die Fassade wurde mit einer Kalkgips-Schlämme überzogen und in einem hellen Ockerfarbton gestrichen. Erst mit der Farbbeschichtung entstand das Bild eines monolithischen Bauwerks.

Im Zeitraum von 1781 bis 1943 wurden insgesamt acht unterschiedliche Farbfassungen ausgeführt, wobei die Fassungen nach 1835 bis zur jüngsten Sanierung Putz und Sandstein farblich differenziert behandelten.

Das neue Erscheinungsbild orientiert sich an der ersten Farbfassung, lässt dabei Materialität und Alterungsspuren der Fassade durchscheinen. Die gereinigten und restaurierten Sandsteinbauteile wurden in den stark geschwärzten Bereichen mit Silikatkreiden aufgehellt, Putzflächen und Gipsstuck wurden sandsteinfarben lasiert.  

Restauriert wurden auch Holz-Kastenfenster und die Stahl-Glas-Fassadenelemente. Und auch das „Leninfenster“ wurde gereinigt und erneuert. Seit 1968 erinnert die von Frank Glaser gestaltete Bleiverglasung „Lenin in Deutschland“ an den Studienaufenthalt des Sozialistenführers in der ehemaligen Königlichen Bibliothek.

Für die Arbeiten wurden die Putz- und Farb-Fassungsfolgen restauratorisch untersucht. 2008 wurde die Giebelwand des Alten Palais in Raum 214 geöffnet und ein Teil der Nordfassade des Gebäudes freigelegt. Durch den Vorbau des Palais des Prinzen Wilhelm von Preußen in den Jahren 1834 bis 1836 sind hier die Farb-Gestaltungen der Fassade von der Erbauungszeit der Königlichen Bibliothek im Jahr 1780 bis zum Anbau des Alten Palais im Jahr 1834 im Original erhalten. Der für die Bauforschung bedeutende Befund wurde restauratorisch untersucht, gereinigt und konserviert. Die freigelegte Fassade bleibt als archäologisches Fenster dauerhaft erhalten.

Die Kosten für die Fassadensanierung betragen 3,4 Millionen Euro und wurden aus dem Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ unterstützt. Der Eigenanteil der Humboldt-Universität beträgt 50 Prozent. Zehn Prozent der Gesamtkosten wurden aus der Gerüstwerbung ­finanziert.

Ingrid Hentschel


Zur Baugeschichte der Kommode

Friedrich der Große ließ die Königliche Bibliothek 1774 bis 1781 als letzten Bau seines geplanten, nie vollendeten „Forum Fridericianum“ errichten. Zusammen mit der Oper, der katholischen Hedwigskirche und dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität bildet die Kommode heute ein Denkmalensemble, das als Manifest friderizianischer Kunstliebe, religiöser Toleranz und Wissenschaftsförderung gilt. Mit der Planung der Bibliothek wurde Georg Christian Unger beauftragt. Heute nahezu vergessen, war Unger in den Jahren 1763 bis 1786 der meistbeschäftigte Architekt Friedrichs des Großen.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts konnte die Kommode den Raumbedarf für die stetig wachsenden Bestände nicht mehr decken. 1909 wurden die Buchbestände in die neu errichtete Staatsbibliothek Unter den Linden gebracht, das Gebäude wurde der Berliner Universität angegliedert und zum Aulagebäude umgebaut. Die feierliche Eröffnung des Aulagebäudes fand 1910 zur Jahrhundertfeier der Universität statt. Im Kriegsjahr 1943 durch Spreng- und Brandbomben schwer beschädigt, wurde das „Objekt Kommode-Altbau“ in den Jahren 1965 bis 1968 als Institutsgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin neu errichtet. Die nur wenig beschädigte historische Fassade wurde beim Abriss der Kriegsruine gesichert und ihrer kulturhistorischen Bedeutung wegen restauriert.Seit 1990 ist das Gebäude Sitz der Juristischen Fakultät.