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Buchtipps zum Jahreswechsel

Mit dieser Ausgabe der HUMBOLDT klingt das Jubiläumsjahr an der Humboldt-Universität aus. Auf dieser Seite empfehlen wir Literatur, die sich zum einen mit dieser Universität und ihrem Jubiläum befasst, aber auch mit dem zeitgemäßen Forschen an der Universität oder dem Leben auf fernen Forschungsreisen. Fast ausschließlich werden die Bücher herausgegeben von Angehörigen der Humboldt-Universität zu Berlin.


FORSCHUNGSREISEN

Kühne Abenteurer und furchtlose Entdecker – so stellt man sich gern Forschungsreisende im Stile James Cooks oder Marco Polos vor. Aber trifft dies auch heute noch auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu, die für einige Wochen aus dem Alltag des Universitätslebens zur Vermessung der Welt aufbrechen?

Noch heute sind Forschungsreisen nicht ungefährlich – wenn sie etwa ins ewige Eis der Antarktis führen oder ein Aufenthalt in Afghanistan nur unter dem Schutz der Clanchefs möglich ist, wenn im nächtlichen Dschungel des Himalaya nur schnellstes Reaktionsvermögen vor dem tödlichen Hieb einer Machete schützt oder ein Musikwissenschaftler nicht ohne Furcht vor Raub und Überfall sein erstes Gospelkonzert im seinerzeit berüchtigten Harlem besucht.

Was bewegt heutzutage Forscherinnen und Forscher dazu, Orte aufzusuchen, die nicht nur unwirtlich sind, sondern womöglich bereits vor ihnen von ­Wissenschaftlergenerationen untersucht wurden? Mit welchen Erwartungen, ­Hoffnungen und Gefühlen fahren sie in die Fremde, fernab von modern ausge­statteten Instituten und heimischen ­Bibliotheken? In ganz persönlichen Schilderungen und Tagebuchaufzeichnungen lassen uns 16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin teilhaben an ihren Forschungsreisen und ihrer Lust am Unbekannten.

Mit Beiträgen von: Ingeborg Baldauf, Charles Oliver Coleman, Laurenz Demps, Ludwig Ellenberg, Hannelore Hoch, Stephan Schultka, Wolf-Dieter Heinrich, Heide Hoffmann, Toni Huber, Hermann Kolanoski, Claudia Näser, Bernhard Ro­nacher, Birger Neuhaus, Carsten Lüter, Flora Veit-Wild und Peter Wicke.

Bezug ab 21. Dezember 2010 über den Buchhandel und über den Humboldt-Store.

Von der Lust am Unbekannten
Humboldts Erben auf Forschungsreisen
Herausgegeben von Heike Zappe
160 Seiten, ca. 300 farbige Abbildungen,
Hardcover. ISBN 978-3-938714-14-0, 24,90 Euro
Panama Verlag, Berlin 2011


Biographie

Mehr als „Märchenonkel“ sind die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Der Germanist Steffen Martus legt mit diesem Band eine Doppelbiografie vor, die die Lebens- und Schaffensgeschichte der beiden gelehrten Brüder schildert. „… wie niemand vor ihnen haben sie ‚Brüderlichkeit’ als Lebensform begriffen“, heißt es im Klappentext. So wird in dem Band das Leben der beiden höchst unterschiedlichen Persönlichkeiten mit ihrer eigenen Biographie und der Weltgeschichte verbunden. Martus webt „ein dichtes Netz, das vom Psychogramm der Brüder bis zum kulturellen Fundament ihrer Werke reicht“, schreibt Patrick Mensel in seiner Literaturkritik.

„Entstanden ist eine lebendige Zeitreise, die ein faszinierendes Porträt einer dynamischen Epoche zeichnet.“ Da die Brüder zeitlebens zusammenarbeiteten, konnte auch ihre gemeinsame Privat- und Arbeitsbibliothek zu einem erfreulichen Kulturgut anwachsen. Diese Sammlung befindet sich in den Beständen der hiesigen Universitätsbibliothek, die zudem nun in dem neuen, ebenfalls nach den Brüdern Grimm benannten Zentrum untergebracht ist.

Die Brüder Grimm
Eine Biographie
Steffen Martus
ISBN-13: 9783871345685
608 Seiten, 26,90 Euro
Rowohlt Berlin Verlag,
2. Auflage, Berlin 2010


Architektur

Als eine „Hommage“ an das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, die neue Bibliothek der Humboldt-Universität, ist das Buch „Bibliothek“ zu verstehen. Das großformatige Buch mit hervorragenden Fotografien dokumentiert nicht nur die Ideen, die diesen Bau prägen. Es widmet sich auch allgemein der Rolle und Funktion von Bibliotheken und insbesondere mit der Architektur, die den Büchern und ihren Lesern einen adäquaten Raum schafft. Die Schwarzweißfotografien von Barbara Klemm verdeutlichen dies auf geradezu magische Weise, sie fangen die intensive und zugleich lebendige Arbeitsatmosphäre ein, die in den Räumen der neuen Bibliothek herrscht. Einen spannungsvollen Kontrast dazu schaffen die ruhigen, strengen Farbfotografien von Stefan Müller, indem sie sich ganz auf die Architektur des Gebäudes konzentrieren und das baukünstlerische Konzept veranschaulichen. Das Buch erhielt im Herbst einen DAM Architectural Book Award für das beste Architekturbuch 2010.

Die Ausgabe in Klappenbroschur für 19,90 Euro ist exklusiv im Humboldt-Store im Hauptgebäude erhältlich.

Bibliothek
Herausgegeben
von Milan Bulaty
ISBN 978-3827009784, 39,90 Euro
Gebunde Ausgabe
Berlin-Verlag, Berlin 2010


Berliner Forschung

Tageszeitungen und Publikumszeitschriften berichten regelmäßig darüber, mit welchen Fragen sich Forscher beschäftigen – allerdings meist erst dann, wenn die Ergebnisse vorliegen. Der Blick in die Werkstatt der Forschung bleibt der Öffentlichkeit in der Regel verwehrt.

Die Journalistin Kristina Vaillant und der Fotograf Ernst Fesseler haben jetzt ein Buch veröffentlicht, das Leser in zehn Reportagen am Alltag Berliner Forschung teilhaben lässt. „Die Geschichten erzählen von den Ängsten, Frustrationen, beglückenden Durchbrüchen, vor allem aber von der Begeisterung der Forschenden für ihr Thema“, schreibt die Wissenschaftsphilosophin Gabriele Gramelsberger im einleitenden Essay.

In Text und Bild gelingt es den Autoren, nicht nur den Menschen nahe zu kommen, die in zehn verschiedenen Berliner Wissenschaftseinrichtungen forschen; auch die Themen bringen sie ihren Lesern nahe, sie schildern die großen Zusammenhänge ebenso wie die vielen wichtigen Details. Die Kapitel erzählen von der Suche nach einem Impfstoff zur Bekämpfung der Tuberkulose, von jungen Historikern, die sich über die Geschichtsmächtigkeit von Gefühlen Gedanken machen oder von der Jagd auf mittelalterliche Handschriften als Zeugnisse eines aufgeklärten Islam. Den Physik-Diplomanden von der HU, Matthias May, haben die Autoren bei seinen Experimenten am Teilchenbeschleuniger in Berlin-Adlershof begleitet.

Es ist ein ungewohnter Blick auf Forscher und ihre Themen: Nicht die Forschungsergebnisse stehen im Mittelpunkt, vielmehr nehmen die Autoren ihre Leser mit in Berliner Labore, Büros und Besprechungszimmer, um dabei zuzuschauen, wie Wissen entsteht.

Ruth Schöne

Ideen, täglich.
Wissenschaft in Berlin
Kristina Vaillant/Ernst Fesseler
156 Seiten, 221 Abb. im Duotone
ISBN 978-3-89479-517-7, 24,90 Euro
Nicolai-Verlag, Berlin 2010


Universitätsgeschichte

Universitätsjubiläen, so Winfried Müller in seinem lesenswerten Beitrag zu Rüdiger vom Bruchs Quer- und Längsschnittbetrachtungen der Universitäten, werden nicht nur automatisch als kulturelle Selbstläufer ausgelöst, sie haben auch verschiedene Gründe und Zwecke: Selbstvergewisserung, Standortbestimmung, Außenwirkung, kollektive Gedächtnisbildung und Identitätsstiftung. Und sie stellen die Universität wie ihre Mitglieder in eine historiographische Pflicht. Dieser wird in beiden Büchern in jedem Sinne Rechnung getragen. Der Band, den vom Bruch herausgegeben hat, ist das Ergebnis einer Tagung. Entsprechend unterschiedlich sind die Aufsätze. Es erstaunt ein wenig, was im „Kontext der deutschen Universitätslandschaft“ auf welche Weise verglichen werden kann. In einem Beitrag, der sich laut Titel mit der Berliner und der Leipziger Universität auseinandersetzen möchte, fällt zum Beispiel die Berliner gleich unter den Tisch, „da andere Texte in diesem Band ausführlicher und kompetenter über Berlin sprechen“, so der Autor Matthias Middell. Doch damit wären die wenigen, kleinen Schattenseiten des ansonsten hochinformativen Buches besprochen. Sicherlich unterscheiden sich die Beiträge in Qualität und Quantität, manch einer neigt auch 2010 noch zu einem sehr manierierten Diskurs, aber die hervorragenden Abhandlungen von Müller, Becker oder McClelland machen dies mehr als wett.

Das opus magnus zum 200-jährigen Bestehen der Berliner Universität ist zweifelsfrei die sechsbändige Geschichte, deren letzte drei Bände von Heinz-Elmar Tenorth herausgegeben werden. Band 5 trägt den voluminösen Untertitel „Transformation der Wissensordnung“ und beschäftigt sich mit der Zeit von ungefähr 1870 bis genau 1945. Die Transformation ist so zu verstehen, dass sich durch äußere Ereignisse (Erster Weltkrieg, Drittes Reich) und Ideen von bedeutenden Lehrenden der Universität (deren Namen Legion sind) sowie hoheitlichen Eingaben (immer wieder Friedrich Althoff) die Fakultäten, Institute, Seminare und Lehrstühle in Breite und Tiefe ausdiffenzierten. Die Beiträge sind angemessen differenziert, von der fundierten Fachbetrachtung bis zum kurzen Abriss, der ein wenig an name dropping erinnert. Dabei werden die Verhältnisse und das Verhalten zwischen 1933 und 1945 teils ausführlich-kritisch, teils en passant betrachtet. Wenn es einen roten Faden der Universitätsgeschichte(n) gibt, dann diesen: „Die Zeiten ändern sich und wir uns in ihnen“. Was so banal klingt, hat Großes und Schlimmes hervorgebracht. Und ist Mahnung und Trost zugleich: Humboldt under construction, mit allen Errungenschaften und Misserfolgen, mit allen Irrungen und Wirrungen, mit allen Hoffnungen und Befürchtungen, kann als inoffizielles Motto der Universität Unter den Linden stehen. Freuen wir uns also auf 2011 und den sechsten und letzten Band der Ge­schichte: Die Selbstbehauptung einer Vision.

Jochen O. Ley

Die Berliner Universität im Kontext der deutschen Universitätslandschaft nach 1800, um 1860 und um 1910
Herausgegeben von Rüdiger vom Bruch unter Mitarbeit von Elisabeth Müller-Luckner
254 Seiten zzgl. Anhang
ISBN 978-3-486-59710-3 59,80 Euro
Oldenbourg Verlag,
München 2010

Geschichte der Universität Unter den Linden 1810-2010
Band 5: Transformation der Wissensordnung
Herausgegeben von Heinz-Elmar Tenorth in Zusammenarbeit mit Volker Hess und Dieter Hoffmann
797 Seiten zzgl. Anhang
ISBN 978-3-05-004670-9, 99,80 Euro
Akademie-Verlag, Berlin 2010