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Von Künstlerbüchern und Buchkünstlern

Eine Augenreise von Studierenden des Menzel-Dachs im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum

Eine Sternstunde der Augenlust mit ausgewählten, sonst kaum zu sehenden Buchschätzen erlebten die Studierenden in der Lehrveranstaltung „Buch und Bild – von Künstlerbüchern und Buchkünstlern“ in der Universitätsbibliothek. Bevor sie in diesem Semester ein eigenes Buch zu lyrischen Texten von Anna Achmatowa künstlerisch erarbeiten, sollten sie das fruchtbare Wechselspiel von Literatur und Bildener Kunst in seinen vielfältigen Varianten kennenlernen.

Eine Auswahl wertvoller historischer ­Bücher, Enzyklopädien, Lexika, Mappenwerke, Künstlerbücher wurde exemplarisch in dieser Lehrveranstaltung im Menzel-Dach und bisher im Kupferstichkabinett Berlin vorgestellt. Im diesjährigen Wintersemester konnten die Studierenden dank des äußerst produktiven Kontaktes mit Elke-Barbara Peschke, die den historischen Buchbestand der Universitätsbibliothek mit großem Engagement und Sachverstand verwaltet, das neu eröffnete Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum besuchen, um eine kleine Auswahl besonderer historischer Bücher vor Ort zu bestaunen.

Im Bestand der Universitätsbibliothek gibt es viele wertvolle Sammlungen, darunter den größten Teil der ehemaligen Bibliothek von Jacob und Wilhelm Grimm, die Bibliothek des Direktors der I. Medizinischen Klinik der Charité, Ernst von Leyden, und die Porträtsammlung der Professoren der Berliner Universität. Neben den Sammlungen gibt es zahlreiche Bücher mit prächtigen Illustrationen, beispielsweise alten Kupfer- und Holzstichen von hohem künstlerischen Wert. Insbesondere die knapp 6.000 Titel umfassende Bibliothek der Grimms stellt einen Mikrokosmos des Geisteslebens jener Zeit dar. Viele ihrer Bücher tragen ganz eigene Benutzungsspuren: Randbemerkungen, Verweise auf bemerkenswerte Stellen, biografische Anmerkungen zu den Autoren – ganz zu schweigen von den zahlreichen persönlichen Widmungen an Jacob und Wilhelm Grimm. All dieses machen die Bücher aus der Grimmschen Bibliothek singulär und besonders interessant, erlauben sie doch einen Einblick in die „Werkstatt“ der beiden weltberühmten Gelehrten.

Die Sammlungsleiterin ließ uns in ihre besonderen Räume und die Studenten spürten sofort beim Betrachten der einzigartigen Bücher deren zeitlose Faszination und Schönheit. Die Studenten und Lehrenden waren eingefangen von so viel präsentierten menschlichen Erfahrungen und Fähigkeiten, sei es bei den mittelalterlichen Handschriften, einer Anatomie von Anfang des 19. Jahrhunderts mit lebensgroßen Kupferstichen oder einem Buch, welches durch einen Durchschuss das tragische Schicksal vieler Bücher in den zwei Weltkriegen stellvertretend vor Augen führte.

Kostbare Mappen zum künstlerischen Werk von Adolf Menzel, dem Namensgeber des Menzel-Dachs und wertvolle Reproduktionsgraphikbände wurden ebenso bestaunt wie ein Turnierbuch mit gezeichneten Wappen von 935 bis 1457. Diese Papierhandschrift aus dem 15./16. Jahrhundert zeigt wunderschöne, bunt gemalte Wappen und die handgeschriebenen Namen der Ritter. Alle Bücher vermittelten den Eindruck, als seien sie gerade hergestellt, so frisch und authentisch war ihre Wirkung.

Für anderthalb Stunden waren die Besucher glückliche Augenreisende mitten in Berlin.

Ruth Tesmar