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Gute Ärzte von Anfang an

Der neue Charité-Modellstudiengang verbindet Praxisnähe und Wissenschaft

Er trägt einen weißen Kittel, das Stethoskop hängt um seinen Hals und er läuft den Flur der Klinik entlang. Ein Arzt? Alles spricht dafür, doch etwas stimmt an dem Bild nicht. Er sieht jung aus, viel zu jung. Als er zu einer Gruppe von Ärzten stößt, wird schnell klar, dass er ein Student ist, der im neuen Modellstudiengang Medizin an der Charité ausgebildet wird. Seit dem Wintersemester 2010/11 werden Studierende der Humanmedizin ab dem ersten Semester neben der Theorie gleich mit dem Klinikalltag vertraut gemacht. Sie arbeiten in kleinen Gruppen unter Anleitung von Stationsärzten auf den Stationen mit und lernen so frühzeitig den Umgang mit Patienten.

Die Anforderungen an einen Arzt von heute sind gestiegen und umfassen mehr als das medizinische Grundlagenwissen. „In diesem Beruf muss man kommunikativ sein, sein Wissen gut vermitteln können, präventiv arbeiten, Konflikte lösen und Führungsqualitäten aufweisen“, sagt Harm Peters, Leiter Projektsteuerung des Modellstudiengangs Medizin. „Unser Ziel ist es, Ärztinnen und Ärzte auszubilden, die fachlich exzellent, sozial kompetent und teamfähig sind“, erklärt der Professor.

Seit 1999 beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe der Charité mit der Umstellung des Medizinstudiums. Neben dem Regelstudiengang, den etwa 300 Studierende pro Semester begannen, testeten 63 davon bis 2010 den dazu parallel laufenden Reformstudiengang. Dessen Lehrplan enthielt neu gestaltete Blöcke für die Theorie und den Praxisunterricht. Das war einmalig in Deutschland. Der Test lief erfolgreich. Besser noch: In den Abschlussprüfungen waren die Studierenden bei den schriftlichen Prüfungen zwar gleich gut, bei den mündlichen sogar besser und hatten zudem früher ihre Promotion beendet.

Der Modellstudiengang verbindet nun die Stärken beider Studiengänge miteinander und integriert gleichzeitig neue Lehr- und Lernkonzepte. Neben Vorlesungen und Seminaren lernen und üben die Studierenden in kleinen Gruppen praktisches wissenschaftliches Arbeiten, Kommunikation, Interaktion, Teamarbeit und Simulation. Dazu gehören auch Untersuchungskurse, Blockpraktika und Praxistage. Der Lernstoff, der bisher in herkömmliche medizinische Fachgebiete aufgeteilt war, wird jetzt durch ein integratives, patientenorientiertes Konzept ersetzt. Insgesamt werden 40 vierwöchige Module innerhalb von zehn Semestern angeboten.

Die Kombination des Unterrichts aus Theorie, Praxis und Softskills von Studienbeginn an finden die künftigen Mediziner großartig. „Das praktische Arbeiten motiviert mich, da ich das theoretische Wissen so gleich anwenden kann“, sagt der 23-jährige David Weber, der begeistert von seinem Studium erzählt. „Ich teste gleichzeitig, ob der Arztberuf überhaupt was für mich ist. Das Studium konfrontiert mich mit so vielen Grenzbereichen, wie schlimmen Krankheiten, Tod, interkulturellen Problemen und Konflikten, von denen ich vorher noch gar nicht weiß, ob und wie ich damit umgehen kann.“

In seinem ersten Semester machte David durch das praktische Arbeiten bereits viele Grenzerfahrungen. Seine Augen leuchten jedoch immer noch, und er würde sich sofort wieder für diesen Studiengang entscheiden. „Ich will, dass wir gute Ärzte werden.“ Man glaubt ihm, dass er es schafft.

Sabrina Schulze