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Kleiner Master, großer Master

Fast alle Lehramtsstudenten konnten nach dem Bachelor an der HU weitermachen. Doch auch für sie wird die Konkurrenz härter

Der Bachelor gilt als erster berufsqualifizierender Abschluss – für alle außer die Lehramtsstudierenden. Wenn sie Lehrer werden wollen, müssen sie den Master machen. 1012 Studenten sind an der HU für einen Lehramtsmaster eingeschrieben, 353 haben sich im vergangenen Wintersemester neu immatrikuliert.

Eine von ihnen ist Maria Kolberg, die einen Master of Education in Germanistik und Anglistik studiert. „Der Übergang vom Bachelor zum Master verlief recht problemlos“, sagt die 23-Jährige. Ihre Bachelorarbeit hatte sie zwar erst im Oktober abgegeben, konnte sich aber trotzdem schon für den Master bewerben. Wer sich in der letzten Phase seines BA-Studiums befindet und für die Abschlussprüfung angemeldet ist, kann seine Bewerbung einreichen.

Maria Kolberg war im ersten Master-Semester deshalb vorläufig immatrikuliert. Ihre BA-Abschlussnote erfuhr sie erst Anfang Februar.

Mit ihrem problemlosen Übergang gehört Maria zur glücklichen Mehrheit der Lehramtsstudierenden. Zum Wintersemester 2010/11 wurden an der Humboldt-Uni fast alle Lehramtsbewerber mit einem HU-Bachelor zugelassen, nur in Geschichte reichten die Plätze nicht. Zwar verdoppelte die Uni dort die Zahl der vorgesehenen zehn Masterplätze. Doch 15 Bewerber wurden abgelehnt. Das beliebteste Fach ist Sonderpädagogik. Dort sind derzeit 132 Studierende eingeschrieben, in Sport bildet die HU 85 Lehrer aus, in Geschichte 83.

Gut nachgefragt sind außerdem Englisch, Deutsch, Mathematik und Grundschulpädagogik. Zwar sollen auch im kommenden Wintersemester die Kapazitäten „so ausgebaut werden, dass jedem BA-Absolventen der HU ein Platz zur Verfügung gestellt werden kann“, sagt der Leiter der Studienabteilung Steffan Baron. Einen Masterplatz haben HU- Lehramtsstudenten dennoch nicht sicher. Da sich auch viele Absolventen von anderen Unis bewerben, sei die Abschlussnote „das maßgebliche Auswahlkriterium“.

Wer den Lehrerberuf anstrebt, muss sich zwischen dem kleinen und dem großen Master entscheiden. Ersterer dauert nur ein Jahr und richtet sich an Studierende, die an Grund-, Haupt-, Real- und Gesamtschulen unterrichten wollen. Wer an eine Sonderschule will, muss eineinhalb Jahre studieren. 70 Prozent wählen aber den zweijährigen großen Master, der sie vor allem auf die Arbeit an Gymnasien vorbereitet. Die Fächerkombination aus dem Bachelor führen die Studierenden im Master weiter. Hinzu kommen die so genannten Berufswissenschaften, das sind Erziehungswissenschaften, Fachdidaktiken, schulpraktische Studien sowie Deutsch als Zweitsprache. Insgesamt 100 Studienpunkte erwerben HU-Lehramtsstudierende während des Bachelors und Masters in diesem Bereich. Im letzten Semester verfassen sie ihre Masterarbeit.

In Französisch streben die meisten den großen Master an, sagt Studienfachberaterin Katharina Wieland. „Damit kann man ein größeres Spektrum an Klassen unterrichten.“ Wie man mit seinem Fachwissen bei den Schülern auch gut ankommt, lernen die Studierenden in didaktischen Kursen. Schon im Bachelor belegen die Studierenden zwei, im Master werden es noch mehr. Geübt werden Unterrichtsentwürfe, Fehlerkorrektur, Sprechen im Klassenraum.

Ihr erstes Unterrichtspraktikum absolvieren die Studierenden ebenfalls im Bachelor. „Da sollen sie erstmal herausfinden, ob sie sich in der Schule wohl fühlen“, sagt Wieland. Im Master verbringen die Studierenden pro Fach vier Wochen an einer Schule, die sie sich in der Regel selbst suchen. Wer keinen Praktikumsplatz findet, bekommt Hilfe von der Uni. Zunächst hospitieren die Studenten bei einem Lehrer, müssen dann aber zwölf Stunden selbstständig unterrichten. „Viele arbeiten danach noch als Nachhilfelehrer weiter an der Schule“, sagt Katharina Wieland. Mit elf Schulen in Berlin hat die Uni Partnerverträge geschlossen.

Besonders für Lehramtsstudenten in den Fremdsprachen ist ein Auslandssemester wichtig. Es werde zwar nicht vorausgesetzt, „wir legen es aber jedem ans Herz“, sagt Wieland. Ein Viertel der Französischstudierenden absolviert eine Fremdsprachenassistenz, bei der die Studierenden an einer Schule im Ausland Deutsch unterrichten.

Die Chancen auf einen Referendariatsplatz nach dem Studium seien unterschiedlich, erklärt Wieland. Eher ungünstig sei derzeit die von vielen gewählte Fächerkombination Französisch mit Deutsch oder Geschichte. Wartezeiten bis zu drei Semestern seien keine Seltenheit. Naturwissenschaften sind dafür immer gut nachgefragt. Flexibilität ist deshalb Voraussetzung. Viele Absolventen verlassen Berlin, um in einem anderen Bundesland eine Referendariats-Stelle anzutreten.

Gina Apitz