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Wer flexibel sucht, der findet

Gute Noten, Realismus oder Weitsicht: Die Anforderungen sind von Fach zu Fach unterschiedlich

Studentinnen
Foto: Felix Schumann

Als Anika Witt doch noch ihre Zusage bekam, atmete sie auf. Beim ersten Durchgang wurde ihre Bewerbung auf einen Master in Bibliotheks- und Informationswissenschaft abgelehnt. Erst im Nachrückverfahren wurde die 23-Jährige zugelassen. „Ein Glück“, sagt Witt. „Ich hatte mich schon beim Arbeitsamt angemeldet.“ An anderen Unis bewarb sich Anika Witt nicht, „weil es den Master in dieser Form nur an der HU gibt“.

Einen Masterstudiengang an der Humboldt-Universität studieren – das wollen viele. 5500 Studenten bewarben sich im vergangenen Wintersemester auf 1800 Plätze. Im Jahr zuvor waren es noch 3700 Bewerber. Um den Ansturm aufzufangen, immatrikulierte die HU zuletzt in vielen Fächern sogar mehr Studenten als geplant.

Doch trotzdem hofften viele vergeblich auf einen Studienplatz. Besonders beliebt sind Fächer wie BWL. Dort bewarben sich auf 50 Plätze 542 Studenten, in der Medienwissenschaft gingen 251 Bewerbungen auf 20 Plätze ein, in den Sozialwissenschaften kamen auf 40 Plätze 217 Interessierte.

Die Schar der Masteranwärter wird sich weiter vergrößern, denn immer mehr Bachelorstudierende machen ihren Abschluss, Diplom- und Magisterstudiengänge laufen aus. Bewerben können sich auch Bachelors, die ihr Abschlusszeugnis noch nicht in der Tasche haben. Sie müssen fünf Sechstel ihres Studiums abgeschlossen und sich für alle ausstehenden Prüfungen inklusive der Abschlussarbeit angemeldet haben.

Doch wie sucht die Humboldt-Uni unter der Masse der Bewerber die geeignetsten aus? Das Berliner Hochschulzulassungsgesetz schreibt den Unis klare Regeln vor, nach denen sie auswählen dürfen. Danach zählt vor allem die Qualifikation, also die Durchschnittsnote des ersten berufsqualifizierenden Abschlusses. Das ist bei den meisten der Bachelor. Zusätzlich können Einzelnoten oder bestimmte Fächer gewichtet werden sowie Ergebnisse von Sprach- und Fachtests. Entschieden werden kann außerdem nach der Wahl der Studienfächer und nach zusätzlichen Qualifikationen. Das kann ein Praktikum oder Berufserfahrung sein, die der Studierende schon gesammelt hat. Auch Auswahlgespräche sind, werden an der HU aber nicht genutzt.

„Gespräche kosten sehr viel Zeit“, sagt Steffan Baron, Leiter der Studienabteilung. „Bei 45 000 Bewerbungen pro Jahr können wir das nicht leisten.“ Wichtigster Faktor bei der Zulassung sei die Abschlussnote. „Der Qualifikation muss ein maßgeblicher Einfluss gegeben werden“, erklärt Baron. Die Note geht deshalb mit mindestens 50 Prozent Gewicht ein. Studenten der HU haben übrigens keinen Vorteil bei der Bewerbung. „Das wäre verfassungswidrig.“

Wer etwa einen Master in Betriebswirtschaftslehre studieren will, muss einen Hochschulabschluss in einem wirtschaftswissenschaftlichen Fach mit mindestens 120 Leistungspunkten absolviert haben. 30 dieser Punkte sollten aus Fächern wie Mathematik, Statistik, Wirtschaftsinformatik oder Mikroökonomik kommen. Außerdem werden Englischkenntnisse auf dem Fortgeschrittenen-Niveau C1 erwartet. Ausländische Bewerber müssen Deutsch auf dem B1-Level beherrschen. Wenn sie diese formalen Voraussetzungen erfüllen, heißt das aber noch lange nicht, dass ihnen ein Platz sicher ist.

Von den jährlich 50 BWL-Masterplätzen werden zehn über die Wartezeit vergeben. Um die restlichen 40 Plätze konkurrieren die Studenten mit der besten Abschlussnote. Sie geht zu 51 Prozent in die Bewerbung ein. Wer zuletzt eine Note unter 2,0 erreichte, hatte gute Karten. Auch Amrita Kulka hofft, dass sie nach ihrem BA-Abschluss einen Masterplatz in BWL bekommt. Die Bachelorstudentin, die nebenbei als Hilfskraft arbeitet, will auf jeden Fall weiterstudieren. „Die Spezialisierung der HU liegt im quantitativen Bereich“, weiß sie. „Mit Mathe im Beifach hat man definitiv gute Chancen.“

Doch auf BWL-Studierende kommt eine neue Herausforderung zu: Wer sich zum kommenden Wintersemester für den BWL-Master bewerben will, muss sich zusätzlich testen lassen. Die Ergebnisse des Leistungstests sollen dann zu etwa 30 Prozent zählen. Die Studenten müssen entweder das britische Graduate Record Examination (GRE) absolvieren oder den so genannten GMAT-Test, der betriebswirtschaftliche Fähigkeiten prüft. Was im Master of Economics and Management Science (MEMS) schon seit Jahren Standard ist, soll nun auch auf die anderen vier Master an der Fakultät übertragen werden.

Das Feld der Bewerber sei sehr heterogen, deshalb seien deren Leistungen über solche Tests besser vergleichbar, sagt Sibylle Schmerbach, die Prodekanin für Studium und Lehre der Fakultät. Viele Bewerber kommen von anderen Universitäten und Fachhochschulen, auch aus dem Ausland. „Bekannlich sind das Anforderungsniveau und die Bewertungsmaßstäbe vieler Hochschulen sehr unterschiedlich“, sagt Schmerbach. Sie empfiehlt deshalb jedem Studenten, den kostenpflichtigen Test zu absolvieren. Anderenfalls geht er mit null Punkten in die Bewerbung ein. Noch muss das Verfahren vom Akademischen Senat abgesegnet werden. Dass durch das neue Verfahren möglicherweise noch weniger „eigene“ Studenten im Master an der HU bleiben, findet Sibylle Schmerbach nicht problematisch. „Wir wünschen uns, dass unsere Bachelorabsolventen auch die Masterangebote an anderen deutschen Universitäten oder im europäischen Ausland nutzen – ganz im Sinne von Bologna.“

Weniger Aufwand hat, wer sich für einen Physik-Master einschreiben will. „Wir haben keine überwältigenden Bewerberzahlen“, sagt Studienfachberater Hans-Jürgen Wünsche. 50 Plätze werden zum Wintersemester jeweils vergeben. „Die haben bisher immer ausgereicht.“ Am besten sei es, vorher einen Bachelor im selben Fach zu studieren. Pro Jahr werden aber immer zwei bis drei Bewerber aus verwandten Studiengängen immatrikuliert. Auch wer Biophysik an einer Fachhochschule studiert hat, kann an der HU weitermachen, „wenn alle relevanten Inhalte vorhanden sind“, sagt Wünsche. Bewerber, die beispielsweise keine Kenntnisse in Quantenmechanik haben, hätten keine Chance.

In den Sozialwissenschaften erfülle die Hälfte der Bewerber nicht die Voraussetzungen für den konsekutiven Master, sagt Studienfachberaterin Karin Lohr. Ohne einen Abschluss in Sozial- oder Politikwissenschaften oder Soziologie sollte man sich nicht bewerben. Ein Abschluss in Business Administration oder Sozialpädagogik sei nicht ausreichend. HU-Bachelors stellen etwa 50 Prozent der Masterstudenten. „Wer gute Noten mitbringt, hat gute Chancen auf einen Platz“, sagt Lohr. Der NC lag zuletzt bei 2,0.

Wer seinen Wunschmaster nicht gleich bekommt, sollte flexibel denken und sich auch mal in exotischeren Fächern umschauen, raten die Experten. Im Master Romanische Kulturen beispielsweise blieben im vergangenen Semester beispielsweise 29 Plätze frei.

Gina Apitz