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"Orbis Humboldtianus": Willkommen im Club


Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
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22.04.2001
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Willkommen im Club "Orbis Humboldtianus"
 

Seit drei Jahren treffen sich Studenten aller Länder in der Infothek

Anlaufstelle und Beratung

 
Berit Carlsweit
 

Die Tür steht offen, doch keiner kommt. Noch nicht. Bernard Jaroszewski nimmt es gelassen. "Sobald die Semesterferien vorbei sind, wird es hier wieder voll", sagt er und öffnet die Rollläden der Infothek. "Im Schnitt kommen im Semester täglich mindestens zwölf Studenten, die sich über das Studium im Ausland beraten lassen." Bei den Treffen der Teilnehmer der Sprachbörse wird in allen nur möglichen Sprachen diskutiert. Kein Stuhl bleibt dann frei. "Äußerst beliebt sind auch unsere Internationalen Stammtische und die International Coffee Hour jeden Freitag nachmittag."

Dass an diesem Dienstag allerdings viele Studenten den Weg in den Club "Orbis Humboldtianus" im Ostflügel des Hauptgebäudes finden werden, glaubt Bernard Jaroszewski nicht. Trotzdem schaltet er die Computer ein, mit denen Interessenten das Studienangebot sämtlicher Universitäten der Welt erforschen können, und wirft einen prüfenden Blick auf die Ordner hinter sich. "Afrika" steht da und "Europa" - und "USA/Kanada". Da wollen die meisten hin. Es ist elf Uhr am Vormittag. Seit drei Jahren gibt es den Club, ein liebevoll gehegtes "Wunschkind" des Akademischen Auslandsamtes der Universität. Seit fast zwei Jahren berät der Germanistikstudent gemeinsam mit zwei weiteren studentischen Hilfskräften deutsche und ausländische Studierende. Er kennt die Lieblingsziele der Deutschen und er kennt die Erwartungen der Finnen, Engländer, Russen und Mexikaner, die nach Berlin kommen. Für sie alle ist der Club Anlaufstelle.

Kurz nach zwölf kommt Christoph Jacobs herein. Der Jurastudent mit dem bunt bedruckten, bücherschweren Leinenbeutel unterm Arm will nach Südafrika, um dort seinen LL.M (Magister legum) zu machen. Oder doch lieber nach Skandinavien? "Da sollen die Studiengebühren niedriger sein", überlegt er laut. Dass die Lehrveranstaltungen fast ausnahmslos in Englisch abgehalten werden, kommt ihm nur entgegen. "Ich war als Schüler ein Jahr in den USA und habe auch mein juristisches Pflichtpraktikum in Oregon absolviert." Aber, wieso nicht auch Schwedisch lernen? Bernard schickt den Jurastudenten zu Ulrike Brodien ins Akademische Auslandsamt. "Wenn die Studenten ganz spezielle Fragen haben, helfen die Länderreferenten weiter", sagt er.

Bernard Jaroszewski hat alle Hände voll zu tun, den nächsten Kulturplaner für die ausländischen Studenten vorzubereiten. Das Programmheft wird bei der offiziellen Einführungsveranstaltung für die ausländischen Studierenden verteilt. Ab dann können sich Hauptstadtneulinge im "Orbis" für die Veranstaltungen anmelden. Stadtrundfahrten, Radtouren nach Potsdam, Reichstagsführungen, Konzertbesuche und Schiffsfahrten sind nur einige Programmpunkte. "Alles in Eigenregie", sagt Bernard nicht ohne Stolz und klappt den vollen Terminkalender der kommenden Monate zu.

Als Natalie Belodedova eintritt, ist es bereits Mittag. Die Russin studiert eigentlich Nachrichtentechnik an der Fachhochschule Leipzig. "Zum Diplom bin ich aber nach Berlin gekommen", erzählt sie. "Vom Orbis weiß ich von einer Freundin aus Sankt Petersburg, die letztes Jahr hier an der Humboldt-Universität war." Sie möchte wissen, ob sie auch zur Welcome-Party kommen kann. Selbstverständlich. Bernard Jaroszewski ist zufrieden: "Es spricht sich eben rum, dass es uns gibt. Die Länderabende, die International Coffee Hour und die Multikulti-Stammtische. Und das ist dann das Ergebnis!" Er zeigt auf die Souvenirs, die Bulgaren, Spanier und andere aus ihren Heimatländern mitgebracht haben.

Bis zum Nachmittag kommen noch zwei weitere Besucher. Eine Studentin der Kunstgeschichte möchte gern nach Amerika, ist sich aber nicht sicher, ob ihr Englisch ausreicht. Nur vier Wochen hat sie Zeit, um den obligatorischen TOEFL-Sprachtest zu bestehen und sich für ein Stipendium der Fulbright-Kommission zu bewerben. Mit einer Freundin zieht sie sich auf die Ledercouch zurück, um in Ruhe das Infomaterial zu sichten. Fremdes Land, neue Stadt, große Uni - der Start ist nicht immer einfach, insbesondere, wenn man sich auch noch um eine Wohnung kümmern muss. Damit die Neuen nicht vor den meterlangen schwarzen Brettern mit den Wohnungsgeboten kapitulieren, bietet das Auslandsamt seit kurzem einen neuen Service: die Wohnungsbörse im Internet (www2.hu-berlin.de/auslandsamt/wohnungen/pages).

Kurz nach 15 Uhr schließt Bernard Jaroszewski die Kataloge und Broschüren der Universitäten von Aberdeen bis Zürich. Im Hintergrund dudelt das Radio. Er selbst war noch nie länger als sechs Wochen im Ausland. Amerika, da könnte man schon noch länger bleiben. "Mal sehen", meint er und schaltet die Musik ab: The Mamas and the Papas verstummen. Ihr "California Dreamin'" verhallt im "Orbis".

 

 
 


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