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Der Abfall der Wissenschaft

Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
14.04.2003

Der Abfall der Wissenschaft

Vom heiklen Umgang mit den giftigen "Gefahrstoffen"

Von Eva Königsmann

Bananenschalen in die braune Tonne, Papier in die blaue, so einfach kann Mülltrennung sein. Doch was ist mit Abfällen, die mit den wenig schmeichelhaften Attributen ätzend, giftig oder explosiv belegt sind? Denn auch solche so genannten "Gefahrstoffe" produziert die Wissenschaft. Dr. Thomas Hoffmann, Abfallbeauftragter der Humboldt-Universität, hat den Umgang mit diesen Gefahrstoffen unter Kontrolle. Der Chemiker koordiniert die Versorgung der naturwissenschaftlichen Institute mit Chemikalien, kümmert sich um deren Lagerung und Entsorgung durch eine Spezialfirma. Er ist "Herr" des Gefahrstofflagers, welches die Stoffe sicher beherbergen soll.

Zutritt verboten

Der quaderförmige Bau, 2002 in Nachbarschaft des Instituts für Chemie erbaut, fällt auf. Ein Stufenmuster aus roten und gelben Klinkersteinen überzieht das Gebäude, auf dessen Dach zwei sich diagonal gegenüberliegende Glastürme thronen. Nur Wenigen ist der Zutritt gestattet. "Es war deshalb für den Architekten eine Herausforderung, zumindest die äußere Hülle durch außergewöhnliche Architektur zu gestalten und die technischen Herzstücke in den beiden Türmen durch die Verglasung von außen für alle sichtbar zu machen", erklärt Hoffmann.
Innen herrscht pragmatische Nüchternheit. Grauer Sichtbeton mischt sich mit Warntafeln, Feuermeldern und Sensoren, an der Decke schlängelt sich ein Labyrinth aus Lüftungsrohren und Schächten der Löschanlage. Nur die bonbonfarbenen Stahltüren der vielen Lagerräume heben sich vom dominierenden Grau ab. Hinter Lindgrün, Hellblau und Violett verbergen sich schließlich die Gefahrstoffe. Im unteren Stockwerk lagern allein fünfzehn verschiedene Lösungsmittel in großen Gebinden, darunter klingende Namen wie Isopropanol oder Essigsäureethylester, gängige Gebrauchsmittel für die Analyse und Extraktion von Stoffen im Labor.

Abenteuer für die Nase

Etwa 10000 Liter im Jahr verbrauchen die naturwissenschaftlichen Institute davon, wobei die Chemie den Löwenanteil ausmacht. Organische und anorganische Kleingebinde finden sich in den oberen Räumen. Regal reiht sich an Regal, darauf in penibler Ordnung feste und flüssige Chemikalien in braunen Flaschen. Trotz der Lüftungsanlage ist der Rundgang ein Abenteuer für die Nase, mal riecht es nach Klebstoff, mal nach süßlichen Blüten, dann wieder nach Gummibärchen. Hoffmann ist hier in seinem Element. Schon als Kind hatte er eine deutliche Affinität zur Chemie und wandelte die heimische Küche zum Experimentallabor um.
Die großzügigen Glasfronten der beiden aufgesetzten Türme des Gefahrstofflagers geben den Blick frei auf ein begrüntes Dach. "Wenn die Maschinen nicht so laut wären, könnte man sich einen prima Wintergarten einrichten", schmunzelt der Chemiker. Vielfältige Sicherheitsmaßnahmen im Gefahrstofflager, wie Auffangbecken und beschichtete Fußböden, verhindern, dass Chemikalien nach außen gelangen. Unfälle gab es bislang nicht, doch in der Anfangsphase musste Hoffmann wegen Fehlalarms auch schon mal nachts anrücken. "Dann schrillen die Alarmhörner, die selbst Tote aufwecken."

CAMPUS-TIPPS

Hinterm Horizont geht's weiter - Wer den Universitätscampus über die Max-Born-Straße in nordwestlicher Richtung verlässt, kommt nach 500 Metern in den Natur- und Landschaftspark "Flugfeld Johannisthal". Wo vor fast 100 Jahren der Traum vom Fliegen Wirklichkeit wurde, herrscht heute idyllische Ruhe. Der erste Motorflugplatz Deutschlands ist nun ein riesiger öffentlicher Erholungsraum. Um ein 26 Hektar großes zentrales Naturschutzgebiet verläuft eine zwei Kilometer lange Promenade mit Erläuterungen zum Park. Das daran angrenzende Landschaftsschutzgebiet ist in mehrere Zonen gegliedert, in denen unter anderem Spiel- und Sportangebote geschaffen werden sollen. Auch eine Schafherde hat hier ihre Nachtkoppel. Die Tiere sorgen dafür, dass das Naturschutzgebiet nicht verwildert.

International Graduate School - Die International Humboldt Graduate School on Structure, Function and Application of New Materials bündelt die Kompetenzen rund um den Bereich Materialwissenschaften, die in Adlershof verstärkt vertreten sind. Die Graduate School ist ein Gemeinschaftsprojekt der mathematisch-naturwissenschaftlichen Institute der Humboldt-Universität, drei außeruniversitärer Forschungseinrichtungen und der WISTA Management GmbH. Sie bietet jährlich bis zu 15 Doktoranden die Möglichkeit, eine interdisziplinäre Ausbildung mit intensiver Betreuung zu genießen, die neben der experimentellen Arbeit an der Dissertation auch Vorlesungen, Veranstaltungen zu wissenschaftlichem Arbeiten und Kurse über Management für Naturwissenschaftler beinhaltet.
Mehr zum Thema im Internet unter www.graduate-school.hu-berlin.de

Dissertationspreis Adlershof - Begabte Nachwuchswissenschaftler werden in Adlershof nicht nur gefördert, sondern auch ausgezeichnet. Um die Identifikation mit dem Standort zu steigern, haben die drei Standortpartner - Universität, WISTA Management GmbH und die zwölf außeruniversitären Institute - beschlossen, den mit 3000 Euro dotierten Dissertationspreis Adlershof zu verleihen. Zu den Auswahlkriterien zählten neben wissenschaftlicher Exzellenz und Dauer der Arbeit auch der Bezug zum Gesamtkonzept Adlershof und die Vermittelbarkeit des Themas. Zielgruppe sind alle Nachwuchswissenschaftler, die ihre Dissertation in Adlershof angefertigt haben. Der erste Dissertationspreis wurde 2002 an einen Wissenschaftler der Humboldt-Universität verliehen.
UniLab - Wissenschaft zu Anfassen - Auf dem Universitätscampus Adlershof befinden sich drei Denkmale der deutschen Luftfahrtforschung. Der Große Windkanal, ein Trudelturm und ein Motorenprüfstand bilden zusammen den "Aerodynamischen Park". Im Gebäude des Großen Windkanals entsteht zurzeit in Regie der Didaktik der Physik der Universität das UniLab, das neue Wege in der Wissensvermittlung geht. Mit dem Schülerlabor wird eine Lernwerkstatt für Schülerinnen und Schüler, Studierende und Lehrkräfte eingerichtet. Es wird Experimentiermöglichkeiten ermöglichen, die die Schule nicht bieten kann. Die Galerie ist als Forum für Wissenschaftspräsentationen für eine breite Öffentlichkeit gedacht. Als dritte Komponente wird das Institut des UniLab sich der Entwicklung und Evaluation neuer Formen der Vermittlung von Wissen und modernen Technologien widmen.
Mehr im Internet auf den Seiten der Physik.

Wenn der Hunger kommt - Besonders beliebt, auch bei Nicht-Studierenden, ist die Mensa des Studentenwerks, die "Oase" im Johann von Neumann-Haus, in dem auch die Institute für Informatik und Mathematik ihren Sitz haben. Sie bietet auch ein breites Cafeteriaangebot und ein freundliches Ambiente zum Entspannen. Allerdings kann es zur Mittagszeit eng werden. Ein größeres Mensagebäue ist vorgesehen, das 2006 fertig sein soll. Voraussichtlich zum April 2004 wird neben dem Geographischen Institut ein vom Ausbildungszentrum für das Hotel- und Gaststättengewerbe (ABZ) betriebenes Hotel und ein Selbstbedienungsrestaurant eröffnen. Ein nettes Café findet sich im Erwin Schrödinger-Zentrum. Und im Sommer wird das Einkaufszentrum "Adlershofer Tor" in Betrieb gehen. Dort wird auch ein Supermarkt angesiedelt sein.
Der Campus Adlershof im Internet.

Feierliche Eröffnung

Das Erwin Schrödinger-Zentrum wird am 19. Mai im Beisein des Regierenden Bürgermeisters feierlich eröffnet. Der Physik-Nobelpreisträger Prof. Klaus von Klitzing hält die Festrede. Im Anschluss findet dort vom 21. bis 24. Mai erstmalig außerhalb der USA die renommierte "Conference on Eletronic Thesis und Dissertations" statt.
Weitere Infos im Internet.

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