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Der Berliner Urvogel - das bedeutendste Fossil der Welt

Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
10. April 2004

Die Ikone Darwins

Der Berliner Urvogel - das bedeutendste Fossil der Welt

Von David Unwin und Wolf-Dieter Heinrich

ArchaeopteryxVor 150 Millionen Jahren, als die Dinosaurier die Erde bevölkerten und unsere eigenen, nur mausgroßen Vorfahren noch ein Schattendasein in Höhlen und Felsspalten führten, flatterte ein fremdartiges Lebewesen am tropischen Himmel des heutigen Bayerns. Sein Steckbrief: Federkleid, kleine spitze Zähne, schlanke hakenförmige Fingerkrallen und Schwanz mit Wirbeln. Archaeopteryx ("alter Flügel"), ist der erdgeschichtlich älteste und ursprünglichste Vogel, den wir kennen. Er hat eine fundamentale Bedeutung für das Verständnis der Herkunft der Vögel.

Das Skelett von Archaeopteryx stimmt in fast allen Einzelheiten mit kleinen räuberischen Dinosauriern überein, die in der Jurazeit auf der Erde lebten. Ebenso sind Merkmale der Vögel vorhanden, die heute als gefiederte Flieger den Luftraum über allen Kontinenten und Meeren beherrschen. Damit wird der Urvogel als 'Zwischenform' zum eindruckvollsten Beleg für die Abstammungslehre. Er beweist, dass die Vögel von den Dinosauriern abstammen. Schon Darwin hatte auf die große Bedeutung solcher 'Zwischenformen' hingewiesen, weil sich mit ihnen die Evolutionstheorie eindeutig beweisen lässt. Allerdings sind lebende und ausgestorbene Zwischenformen sehr selten, und dies ist ein weiterer Grund dafür, dass Archaeopteryx nicht nur für die Paläontologie, sondern für alle biologischen Wissenschaften eine so große Bedeutung hat.

Der erste Skelettfund von Archaeopteryx (Londoner Exemplar) kam fast gleichzeitig mit Darwins berühmter Publikation "Über den Ursprung der Arten" zutage. Allerdings ist dieses Skelett - wie fast alle anderen Urvogel-Funde - nur unvollständig überliefert. Von den bisher bekannt gewordenen Skeletten ist das Berliner Exemplar mit Abstand am vollständigsten und besten erhalten. Es wurde 1876 in einem Steinbruch bei Eichstätt in Bayern entdeckt und im Jahre 1880 mit Hilfe des Industriellen Werner von Siemens für die ungeheure Summe von 20 000 Goldmark erworben.

Pilgern zur fossilen Ikone

Die außerordentlich gute Erhaltung ist mit ein Grund dafür, dass der Berliner Urvogel so überaus bedeutsam für die Wissenschaft ist. Tausende Wissenschaftler aus aller Welt nahmen und nehmen noch heute weite Wege nach Berlin auf sich, um dieses einzigartige Fossil zu untersuchen. Über den Berliner Urvogel wurde sehr viel geschrieben, und sein Bild ist in vielen wissenschaftlichen und populären Publikationen erschienen. Er wurde gewissermaßen zu einer "Ikone", zum wichtigsten Beweis für den Entwicklungsgedanken Darwins und über die Wissenschaft hinaus zum Allgemeingut unserer Kultur.

Nach mehr als einem Jahrhundert intensiver Forschungen könnte man meinen, dass es nichts Neues über den Urvogel zu erzählen gäbe. Das Gegenteil ist der Fall. Neue Techniken versetzen uns in die Lage, immer mehr Informationen aus alten Knochen zu gewinnen. Nach Ostern wird der Berliner Urvogel im Institut für Paläontologie des Museums für Naturkunde in ultraviolettes Licht getaucht, um Strukturen zu untersuchen, die man im gewöhnlichen Licht nicht erkennen kann. Eine wissenschaftliche Publikation dieser Ergebnisse, die für 2005 geplant ist, wird weitere neue Erkenntnisse über das bedeutendste Fossil der Welt liefern.

 

Tagesspiegel-Sonderseiten : Humboldt-Uni
10. April 2004

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