Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Presseportal

Der Preis der Reise

Was der Gastaufenthalt kostet und wie man ihn finanziert: mit Stipendien, Bafög oder einem bezahlten Praktikum. Von Torben Waleczek

Ein Studientrip in die Ferne kann den Geldbeutel spürbar belasten. Vor
diesen Kosten schrecken viele Studierende zurück. Zwar muss, wer ein
oder zwei Semester in einem anderen Land studiert, in der Regel keine
Studiengebühren bezahlen. Das gilt zumindest für die gängigen
Austauschprogramme und Hochschulpartnerschaften, mit denen die meisten
Studenten unterwegs sind. Doch selbst wenn die Studiengebühren
wegfallen – um die anderen Kosten kommt kaum jemand herum: für Miete,
Verpflegung und Freizeit.<br>
<br> „Im Schnitt müssen unsere Studenten für einen Monat im Ausland mit
1000 bis 1200 Euro rechnen“, sagt Dietmar Buchmann,
Erasmus-Hochschulkoordinator an der Humboldt-Universität. Dabei gebe es
natürlich Abweichungen nach oben und unten. Ein Studienaufenthalt in
der Schweiz, in Japan oder Norwegen drückt überdurchschnittlich stark
auf die Geldbörse. Ähnliches gilt für Metropolen wie New York, Paris
oder London mit ihren hohen Mieten und ihren ebenso vielfältigen wie
teuren Kulturangeboten. Es geht aber auch billiger: In Tschechien oder
Polen etwa kommt man mit rund 800 Euro gut aus.<br>
<br> In manchen Austauschprogrammen sind finanzielle Hilfen für die
Teilnehmer fest vorgesehen. Wer zum Beispiel einen Platz im
Erasmus-Programm bekommt, erhält automatisch einen fixen Betrag.
Abhängig vom jeweiligen Jahresbudget bei Erasmus sind das im Schnitt
200 bis 250 Euro im Monat, dazu kommen Zuschüsse zu den Reisekosten.
Mitunter ist der Auslandsaufenthalt auch mit einer bezahlten Arbeit
verbunden. Die Humboldt-Uni pflegt zum Beispiel Partnerschaften zu
einigen amerikanischen Universitäten, die den Studenten eine Tätigkeit
als Lehrassistent ermöglichen. Daneben können sich Studenten um
Stipendien bewerben, etwa beim Deutschen Akademischen Austauschdienst
(DAAD).<br>
<br> Die Höhe der DAAD-Stipendien liegt bei rund 300 Euro monatlich.
Die Förderungen werden nach Leistung und Qualifikation vergeben, nicht
nach Bedürftigkeit, die Kombination mit Erasmus ist zulässig. Eine
Bewerbung beim DAAD kann sich also lohnen, jedoch schrecken davor viele
Studenten zurück. „Viele glauben, sie hätten dort keine Chance“, sagt
Dietmar Buchmann. „Das stimmt aber nicht. Tatsächlich hört man immer
wieder, dass der DAAD zu wenige Bewerber hat.“<br>
<br> Eines gilt für Erasmus genauso wie für die Stipendien beim DAAD:
Mit diesen Finanzhilfen können Studenten nur einen Teil der Kosten für
ihren Auslandsaufenthalt bestreiten. Um den Rest muss sich jeder selbst
kümmern. Seit Einführung des Bachelor-Systems ist das für viele
Studenten zunehmend ein Problem, meint Dietmar Buchmann: „Durch die
strengen Anwesenheitspflichten im Bachelor-Studium haben die Studenten
weniger zeitlichen Spielraum als früher, um nebenbei Geld zu
verdienen.“ Glück hat also, wer von anderswo Unterstützung bekommt: von
den Eltern, von Oma und Opa, vom Bafög-Amt. <br>
<br> Besonders in Sachen Auslands-Bafög kann eine Bewerbung sich
lohnen. Auch wer im Inland kein Bafög bekommt, etwa weil die Eltern zu
viel verdienen, sollte es versuchen. Denn die Förderbeträge liegen beim
Auslands-Bafög wesentlich höher als bei der Inlandsförderung – damit
steigen die Chancen für die Bewerber. Die Leistungen bei einem Studium
im Ausland umfassen zusätzlich zur Inlandsförderung Auslandszuschläge
(nur außerhalb der EU), nachweisbar notwendige Studiengebühren (bis zu
4600 Euro pro Studienjahr), Reisekosten und die Kosten der
Krankenversicherung. Der Antrag auf Auslands-Bafög sollte sechs Monate
vor Beginn des Auslandsaufenthalts gestellt werden, und zwar bei dem
jeweils zuständigen Bafög-Amt für das Zielland.<br>
<br> Eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung des Auslandssemesters
sind Bildungskredite. Solche Förderungen vergibt das
Bundesbildungsministerium über das Bundesverwaltungsamt. Die
monatlichen Auszahlungen liegen bei 300 Euro, der Zinssatz beträgt
derzeit 5,9 Prozent. Wer mit dem Bildungskredit sein Auslandssemester
bestreiten will, benötigt für den Antrag eine Bescheinigung der
Hochschule, dass die im Ausland erbrachten Leistungen auf das Studium
angerechnet werden können. <br>
<br> Auch müssen Bewerber sich in einer fortgeschrittenen Studienphase
befinden, im Bachelorstudium wird ein Bildungskredit meist ab dem
fünften Semester bewilligt. Vom eigenen Einkommen und vom Einkommen der
Eltern ist die Bewilligung unabhängig. Ansonsten bleibt nur, den Trip
zu verkürzen, um auf diese Weise die Kosten zu drücken: ein Praktikum
oder ein Trimester statt eines ganzen Semesters an der Austausch-Uni –
so geht’s auch mit einem schmalen Geldbeutel ins Ausland.