Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Presseportal

Horizonte erweitern

Gute Gründe, das Studium um ein, zwei Semester zu überziehen. Von Ursula Hans

„Durch einen Auslandsaufenthalt gibt man dem Arbeitgeber Signale“, sagt
eine Juristin bei einer Veranstaltung der Weltbank. Ob eine
wissenschaftliche Karriere angestrebt werde oder eine Tätigkeit in der
Wirtschaft: Wer Netzwerke knüpfen könne und in einer anderen Kultur
„funktioniert“ habe, sei im Zweifelsfall der interessantere Kandidat.
Nicht immer ließe sich die Auslandserfahrung in bare Münze umsetzen,
aber sie könne für die Karriere eine Richtungsentscheidung sein.<br>
<br> „Nicht jeder will internationale Karriere machen“, meint ein
Promotionskandidat der Geschichte in einer Beratung in der Abteilung
Internationales der Humboldt-Universität. Er wollte wissen, ob es für
seine wissenschaftliche Karriere unerlässlich sei, während der
Promotionsphase ins Ausland zu gehen. Die Antwort liegt auf der Hand –
auch wenn sie den jungen Mann ein bisschen unter Druck setzte: Auch
diejenigen, die keinen Auslandsaufenthalt gewagt haben, müssen später
bei internationalen Kontakten interkulturelle Kompetenzen unter Beweis
stellen, die andere während einer Auslandsphase nebenbei erworben haben.<br>
<br> Denn Auslandsaufenthalte sind Studien- und Erfahrungsaufenthalte.
Es gibt viele Gründe, warum sie während des Studiums förderlich sind.
Die Studierenden lernen im Alltag und an der Universität, eine
Fremdsprache flüssig zu sprechen und zu schreiben und sie erschließen
sich andere Perspektiven auf den eigenen kulturellen und
wissenschaftlichen Kontext.<br>
<br> Reisen bildet – aber das gilt nicht für alle Reisen. Es ist aber
vor allem die zielgerichtete Lernperspektive, die einen
Studienaufenthalt und eine Forschungsreise von all den anderen
Auslandsaufenthalten unterscheidet: Junge Wissenschaftler tanken
Selbstbewusstsein, beginnen Netzwerke aufzubauen und lernen neue
Systeme kennen. Fast alle diese Dinge könnte man natürlich auch zu
Hause erfahren. Immerhin ist Berlin eine sehr internationale Stadt. Es
ist jedoch einfacher, sich vom eigenen Kontext zu lösen, Distanz zur
eigenen Kultur zu bekommen, wenn man sich auch räumlich von ihr löst. <br>
<br> Für ein Auslandssemester sprechen auch Studien, die besagen, dass
mehr Unternehmen als je zuvor ihre Mitarbeiter kurzzeitig ins Ausland
schicken. Sie erwarten sofortige Einsatzbereitschaft. Der Erfolg
solcher Dienstreisen hänge häufig von weichen Faktoren wie
interkultureller Erfahrung ab.<br>
<br> Für Wissenschaftler ist das Fehlen von Auslandserfahrungen noch
gravierender. Viele Forschungsgruppen sind international
zusammengesetzt. Zudem stehen viele Forschungsgelder nur
internationalen Konsortien offen. Dabei basiert das Vertrauen unter den
beteiligten Wissenschaftlern, das für den Erfolg der Zusammenarbeit
notwendig ist, immer auf persönlichen Kontakten. Und die baut man sich
am besten bei Forschungsreisen auf; Auslandssemester im Studium sind
dafür ein exzellentes Fundament.<br>
<br> Bachelor- und Master-Studiengänge haben ein strenges Zeitkorsett.
Nur in den wenigsten Fällen ist Raum für Auslandsaufenthalte von
vornherein eingeplant. Die Studiengänge sind häufig so dicht mit
akademischen Anforderungen gefüllt, dass Studierende glauben, diese nur
erfüllen zu können, wenn sie an der Heimatuniversität bleiben und
„durchstudieren“. Sobald eine Überschreitung der Regelstudienzeit
droht, fürchten sie Probleme beim Start ins Arbeitsleben.<br>
<br> Tatsächlich aber ist ein Auslandsaufenthalt ein guter Grund, um
ein, zwei Semester zu überziehen! Denn Initiative, Sprachfähigkeit und
Netzwerke sind beste Grundvoraussetzung für wissenschaftlichen und
beruflichen Erfolg.<br>
<br> Die Autorin ist Leiterin der Abteilung Internationales an der HU.
<br>