Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Presseportal

Ich sehe was, was du nicht siehst

Aha-Erlebnisse: Im Carl Zeiss Mikroskopierzentrum wird der Mikrokosmos betrachtet. Von Birger Neuhaus

„Oooh, so bunt sieht es auf dem Mars aus“, staunt Marko. Unter dem Mikroskop im Carl Zeiss Mikroskopierzentrum des Museums für Naturkunde ist ein Dünnschliff von Marsgestein zu sehen. Der Wissenschaftler Lutz Hecht schmunzelt, so macht Wissenschaft auch jungen Menschen Spaß.

Lutz Hecht gehört zu einer Gruppe von neun Wissenschaftlern des Museums und einer Wissenschaftlerin der Universität Potsdam, die 2003 das Mikroskopierzentrum in den öffentlichen Ausstellungen des Museums gegründet haben. Das Projekt mit dem Titel „Ich sehe was, was du nicht siehst: Klein und Groß auf Expedition in den Mikrokosmos“ richtet sich in erster Linie an Partner-Schulklassen. Sie können sich bewerben und werden langfristig betreut. Die Kurse orientieren sich an den Rahmenlehrplänen der 4. bis 6. Klasse, der Mittel- und Oberstufe für die Fächer Naturwissenschaften beziehungsweise Biologie. Die meisten Teilnehmer sind zwischen zehn und zwölf Jahre alt.

Die Wissenschaftler des Mikroskopierzentrums wollen die jungen Menschen für wissenschaftliches Denken und Arbeiten begeistern. Unter den zwei Hauptthemen „Kleine Tiere ganz groß“ und „Schaufenster in die Erdgeschichte“ erforschen die Schüler zusammen mit den Wissenschaftlern die verborgene Vielfalt kleiner Lebewesen in Wasser, Erdboden und Luft aus der Großstadt Berlin und vom Urlaubsort eines Großstädters wie der Nordsee. Neben der „Feldforschung“ im Gelände führen sie Experimente zur Biologie und zum Lebensraum dieser Tiere durch. Unter dem Mikroskop untersuchen kleine und große Forscher irdische Gesteine sowie Meteorite und deren faszinierend bunte Dünnschliffe. Einige Schüler bringen eigene Gesteinsproben mit. Das ist wichtig. Die Schüler sollen selbst sammeln und forschen, die Wissenschaftler sind Begleiter, die Tipps geben und weiterhelfen, wenn es nicht weiterzugehen scheint.

Im Mikroskopierzentrum arbeiten die Schüler oft stundenlang konzentriert an Mikroskopen und Handstücken, so dass selbst ihre Lehrer staunen und beklagen, dass die Schüler an der Schule „nie so lange durchhalten“. Führungen in die nicht-öffentlichen Sammlungen mit etwa 30 Millionen Sammlungspräparaten und an den Arbeitsplatz der Wissenschaftler runden das Programm ab. Jährlich werden rund 500 Schüler betreut. Zum Programm gehören auch Angebote für Lehrer, beispielsweise Fortbildungen und Workshops.

Die Partner-Klassen können sich außerdem Experimentierkisten zu verschiedenen Themen ausleihen. Eine dieser Kisten ist speziell über den Wasserfloh konzipiert, eine andere über bodenlebende Wirbellose in Garten und Schulhof. Mit der dritten kann zu Sandlückentieren der Nordsee gearbeitet werden und eine vierte gibt Auskunft über Gesteine, Minerale und deren Verwendung. Auch einmalige Mikroskopierveranstaltungen für Schulklassen werden angeboten.

Ohne die Hilfe von Sponsoren wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Starthilfe bekam das Mikroskopierzentrum von der Robert Bosch Stiftung im Programm „NaT-Working – Naturwissenschaften und Technik: Wissenschaftler, Lehrer und Schüler vernetzen sich“ und vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Inzwischen hat das Projekt von den beiden Stiftungen und dem Lernort Labor am Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften mehrere Preise gewonnen. Die Wissenschaftler des Mikroskopierzentrums bieten im Rahmen von Tagungen Mitmach-Mikroskopie-Ausstellungen für Besucher im In- und Ausland an. Denn nicht nur junge Menschen staunen beim Blick durchs Mikroskop in die große, kleine Welt des Mikrokosmos und sagen „oooh“.

Informationen im Internet:

www.humboldt-exploratorium.de