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Wissen für die Jüngsten

Von der Grundschule bis zum Gymnasium: Wie die Universität Kontakte zu künftigen Studierenden knüpft. Von Lutz-Helmut Schön.

„Das war toll!“ Johanna drängelt sich durch die aufgeregte Kinderschar zum Ausgang des Audimax und stürmt zu ihrer Mutter. „Ich weiß jetzt, warum tonnenschwere Flugzeuge fliegen können“, erklärt die Grundschülerin stolz. Wenn die Humboldt-Universität die Türen ihres größten Hörsaals für die ganz Kleinen öffnet, dann ist Kinderuniversität. Zur nächsten Staffel der Humboldt-Kinder-Uni vom 9. bis 30. September wird wahrscheinlich wie jedes Mal das Audimax bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Fast alle Hörer sind Grundschulkinder, viele kommen mit ihrer Schulklasse, andere mit ihren Eltern.

Natürlich sind dies keine „normalen“ Vorlesungen, und die Humboldt-Universität will mit der Kinderuniversität auch nicht die Aufgaben einer frühkindlichen, wissenschaftlichen Bildung übernehmen. Es ist für die Lehrenden schon eine besondere Herausforderung, ihr Fachgebiet für diese junge Hörerschaft verständlich zu machen! Die Universität will sich öffnen und Kindern und deren Eltern die Gelegenheit bieten, die Hochschule von innen zu erleben. Hemmschwellen sollen abgebaut werden, nicht zuletzt, um die Zahl studierwilliger junger Frauen und Männer zu erhöhen. Denn unsere Gesellschaft braucht mehr hoch qualifizierte Menschen, vor allem für den naturwissenschaftlich-technischen Bereich.

In vielfältiger Weise öffnet sich die Humboldt-Universität den Schulen, um Schülerinnen und Schüler zu informieren und als Studierende zu gewinnen. Hier bieten beispielsweise die Biophysikalische und die Chemische Schülergesellschaft Vorlesungen, Laborbesuche und Praktika an und das Unilab Schülerlabor lädt Schulklassen von der Grundschule bis zum Leistungskurs des Gymnasiums zu themenbezogenen Kursen ein. Schülerinformationstage, Lange Nächte der Wissenschaften, Tage der Forschung und Girls days sind weitere Angebote der Universität für Schülerinnen und Schüler, aber auch für alle anderen Interessierten.

Eine besondere Herausforderung sieht die Humboldt-Universität in der Aufgabe, Jugendliche aus bildungsferneren Schichten für ein Studium zu gewinnen. Hier steht die Universität allerdings noch ganz am Anfang. Der „Club Lise“ ist aber ein gelungenes Beispiel: Interessierte Mädchen mit Migrationshintergrund (und einige wenige ohne) treffen sich regelmäßig und erarbeiten sich gemeinsam, betreut von Wissenschaftlerinnen, naturwissenschaftliche Themen, die sie dann auch an der Uni präsentieren.

Die Humboldt-Universität geht auch selbst zur Schule. Zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler halten dort Vorträge, helfen bei der Durchführung von Projekten und gestalten den Unterricht mit. Von der Landwirtschaftlich- Gärtnerischen Fakultät über die Juristen und die Philosophischen Fakultäten bis hin zur Mathematik, den Naturwissenschaften und der Charité – nahezu alle Fakultäten pflegen enge Kontakte zu einzelnen Schulen. Fast immer ist es das Engagement einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, das zu dieser Kooperation zwischen einem Institut und einer oder mehrerer Schulen führt. Erst kürzlich ist der enorme Umfang solcher Kooperationen sichtbar geworden, als die Arbeitsgruppe Universität und Schule eine entsprechende Befragung unter den Kolleginnen und Kollegen durchführte: Mit über 70 Schulen von den Grundschulen bis zu den beruflichen Gymnasien gibt es Kooperationen mit fast allen Instituten der Universität.

Viele Institute haben Verträge und Kooperationsvereinbarungen mit Schulen geschlossen, in denen die wechselseitigen Aufgaben geregelt sind. Einige Beispiele: Die Wirtschaftpädagogik hilft mit Studierenden im Praktikum bei der Datenerhebung und Auswertung im Bereich Qualitätsentwicklung, bei der Schulprogrammarbeit und der inneren Evaluation der Schule. Im Projekt „Kinder forschen“ soll an fünf Standorten in Berlin in Zusammenarbeit von Kindertagesstätte, Grundschule und Hort eine Lernwerkstatt aufgebaut werden, die von Kindern, Erziehern sowie Lehrkräften gemeinsam für naturwissenschaftliches Lernen genutzt wird. Dieses Projekt wird vom Institut für Grundschulpädagogik wissenschaftlich begleitet.

Hochschullehrer der Mathematik gehen in die Schule und bieten Leistungskurse an, die als Studienleistung für das erste Semester anerkannt werden können. Gemäß der Patenschaftsvereinbarung zwischen der Europaschule „Neues Tor“ und der Charité wird sich Letztere unter anderem zu Fragen der Gesundheitserziehung engagieren, indem sie geeignete Referenten zu Elternfortbildungen über Themen wie Impfungen, Ernährung oder Rauchen benennt. Die Vereinbarung sieht auch die Teilnahme von Musik- und Tanzgruppen der Europaschule an Veranstaltungen der Charité vor, wie beispielsweise dem Tag der offenen Tür oder der Langen Nacht der Wissenschaften.

Ein ganz neues Projekt will die Humboldt-Universität in den nächsten Monaten starten und hofft dabei auf finanzielle Unterstützung durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD): Es gibt zahlreiche deutsche Schulen im Ausland, die auch den Namen Humboldts tragen, meist den Namen des Naturforschers Alexander von Humboldt. Zwischen diesen Schulen und der Humboldt-Universität soll ein Netzwerk aufgebaut und wechselseitige Kooperationen entwickelt werden, die unter anderem Besuche von Hochschullehrern in den Schulen dort und umgekehrt der Schülerinnen und Schülern in Berlin vorsehen. Vor allem aber sollen Studierende des Lehramts Gelegenheit erhalten, Auslandserfahrungen sammeln zu können.

Und wenn im Jahr 2010 die Humboldt-Universität das große Jubiläum ihrer Gründung vor 200 Jahren begeht, sollen auch Humboldt-Schulen mitfeiern dürfen: Schulklassen von Humboldtschulen Deutschlands, Europas und der ganzen Welt, die erfolgreich entweder am Wettbewerb zu Ehren des Naturforschers Alexander oder am Wettbewerb zu Ehren des Geisteswissenschaftlers Wilhelm teilgenommen haben, werden nach Berlin eingeladen. 2010 wird das Audimax dann wieder einmal voller Schülerinnen und Schüler sein, und es wird turbulent wie bei einer Vorlesung der Kinderuniversität zugehen. Aber dann werden Humboldt-Schüler die Vorträge halten und die Humboldt-Hochschullehrer werden wahrscheinlich sagen: „Das war toll! Ich habe viel gelernt!“

Der Autor ist Professor für Didaktik der Physik und Leiter der AG Kooperation Universität und Schule der Gemeinsamen Kommission für Lehramtsstudien.

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