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Grüne Revolution in Adlershof

Die Universität engagiert sich auch intern für den Klimaschutz. Weltweit einmalig ist die bepflanzte Fassade des Physik-Gebäudes

Rund 33 000 Studierende lernen und forschen an der Humboldt-Universität. Sie besuchen Vorlesungen und Seminare, experimentieren in Labors, arbeiten in Computerräumen, absolvieren Prüfungen. Dafür müssen sie von einem Unigebäude zum anderen fahren, brauchen Licht und Wärme, im Sommer manchmal Abkühlung. Wasser gehört immer dazu: zum Händewaschen, Teekochen, für die Toiletten. Jeden Tag entsteht eine riesige Menge Müll, mitunter gar Sondermüll. Wissenszuwachs kann der Umwelt schaden – und nützen. An der HU setzen viele Menschen ihr Wissen ein, um das zu schützen, was uns täglich umgibt.

Foto: Beate DiederichsThomas Hoffmann hat einen abwechslungsreichen Job. „Heute früh habe ich den Boden eines sanierungsbedürftigen Laborraums auf Schadstoffe überprüft, später in meinem Adlershofer Büro am Computer die Abfalldatenbank aktualisiert. Dann musste ich ins Gefahrstofflager.“ Gerade sichtet der 54-Jährige dort Altchemikalien, die ein emeritierter Professor hinterlassen hat. „Wir müssen entscheiden, welche Substanzen man weiterverwenden kann und welche entsorgt werden müssen“, sagt Hoffmann. Er hat an der HU Chemie studiert, promoviert und als wissenschaftlicher Assistent gearbeitet, bis er 1991 Abfallbeauftragter der HU wurde. Hoffmann überwacht die Sonderabfallentsorgung, den Gewässerschutz, den Umgang mit Gefahrenstoffen und Betäubungsmitteln. Wird etwas um- oder neugebaut, achtet er darauf, dass das möglichst umweltgerecht geschieht.

Vieles, das der Umwelt dient, ist gesetzlich vorgeschrieben. Das erleichtert Hoffmanns Aufgabe. „Das Geld muss also da sein, auch wenn man es an anderer Stelle einsparen muss.“ Hoffmanns nächste große Baustelle: Mit den Mitteln des Konjunkturprogramms II sollen Gebäude ökologisch saniert werden. Außerdem wird es ab 2010 ein weltweit verbindliches System für Kennzeichnung und Gebrauch von Chemikalien geben, auf das die HU sich einstellen muss.

Gleich umweltgerecht geplant und gebaut wurde das Institut für Physik, der wahrscheinlich auffälligste Bau auf dem Adlershofer Campus. Waagerechte Stege tragen, über die gesamte Fassade verteilt, Tröge mit Pflanzen. Ab Mai soll das 2003 fertig gestellte Haus von außen üppig ergrünt sein. Die Architekten Georg Augustin und Ute Frank projektierten das Gebäude als stadtökologisches Modellvorhaben – in Zusammenarbeit mit der HU und der TU Berlin sowie der Hochschule Neubrandenburg.

Seitdem ist diese Art der Fassadenbegrünung oft in Wettbewerben und in Entwürfen anderer Architekten aufgetaucht, außerdem gibt es in Paris und Madrid ähnliche Methoden, die Wände von Häusern bewachsen zu lassen. „Doch ein fertiges Gebäude, dessen Fassade so gestaltet ist wie hier, existiert bisher nicht“, sagt Architekturprofessor Georg Augustin. Das Haus ist nicht nur ästhetisch bemerkenswert, sondern auch ökologisch: Die Pflanzen spenden Schatten und fangen das Regenwasser auf. Das verdunstet dann und hilft, das Gebäude kühl zu halten. Außerdem wird es benutzt, um die Temperatur der Abluft zu senken. So braucht man kaum noch technisch erzeugte Kälte, um das Haus zu kühlen.

Das Dach des Geographischen Instituts trägt mehrere Geräte für klimatologische Messungen. „Unser Institut tut viel für Umweltforschung und Umweltbildung“, sagt Reinhard Kleßen, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Klimatologie. Unter anderem versuchten Studierende 2008 in einem Projekt, die Kohlendioxidbilanz des Campus für 2007 aufzustellen. Einer von ihnen ist Jonas Jägermeyr. „Leider konnten wir teilweise nur mit geschätzten Daten arbeiten: So lässt sich zum Beispiel der Energieverbrauch detailliert ermitteln, aber nicht, wie die Studenten genau anreisen“, sagt Jägermeyr.

Mit ihren Richtwerten ermittelten die vier Mitglieder der Projektgruppe, dass der Campus im Jahr 2007 rund 14 000 Tonnen des umweltschädlichen Kohlendioxids ausgestoßen hat und dass fast die Hälfte daraus auf Strom entfällt. Auch Transport- und Heizkosten tragen stark zur Kohlendioxidemission des Campus bei. In ihrem Abschlussbericht empfehlen die vier unter anderem, die Lehrveranstaltungen in Mitte und Adlershof besser zu koordinieren, um Fahrten einzusparen.

Beate Diederichs