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Dänisch für Anfänger

Mehr als Vokabeln lernen: Babbel ist die führende Online-Software für den Sprachunterricht.

Berlin-Kreuzberg, Bergmannstraße. Im Kunterbunt einer Einkaufspassage weist ein schlichtes Schild mit einem orangefarbigen Schriftzug auf ein Start-up hin, das gut in den vielsprachigen Kiez passt. Im Dachgeschoss sitzt die junge Firma, auf einer Etage sind Menschen zwischen Anfang 20 und Ende 40 unterwegs, sitzen an Computern und Konferenztischen. Ihre Büros sind durch bekritzelte Glaswände voneinander getrennt. Man setzt hier auf Transparenz und Austausch.

Wir sind bei Babbel. Babbel wird von der Firma Lesson Nine GmbH betrieben und steht für das deutschlandweit marktführende Online-Lernsystem für Fremdsprachen. Vor sechs Jahren wurde das Start-up von vier Mittdreißigern gegründet.

Ihre Idee: Eine Lernsoftware zu entwickeln, die man überall benutzen kann: online am PC, per Tablet oder mit dem Smartphone. „Uns interessieren diejenigen, die gern eine Sprache lernen wollen, aber nicht unbedingt müssen. Leute, für die die Hürden Preis, Zeit, festes Timing oder Selbstdisziplin ansonsten zu hoch sind“, sagt Mitgründer Markus Witte, Kultur- und Medienwissenschaftler, Absolvent der Humboldt-Universität und geschäftsführender Vorstand von Babbel.

„Sich durch ein traditionelles Selbstlernprogramm durchzukämpfen, braucht schon eine Menge Disziplin“, sagt Witte. Lernen solle aber Freude machen – was gelingt, wenn einen niemand dabei behindert und man die richtigen Werkzeuge hat. Für ihn sind Apps für den Tablet-Computer „das perfekte Tool“. Es wirke einfach weniger unfreundlich für andere, wenn man darauf lese und lerne, als wenn man einen Laptop aufklappt.

Aus mittlerweile 13 Weltsprachen können Einsteiger und Fortgeschrittene bei Babbel Kurse auswählen. Die Programme sind vielfältig: von einer kulinarischen Reise durch Frankreichs Regionen über das Verstehen türkischsprachiger Schilder in der Großstadt bis zum Umschiffen sprachlicher Fettnäpfchen im Dänischen. Im Mittelpunkt stehen immer die Alltagstauglichkeit und die Freude am Lernen. So ist Babbel interaktiv, beispielsweise indem die Nutzer Begriffe Bildern zuordnen. Mit spielerischen Elementen lernen sie sukzessive Vokabeln und Grammatik. Der Clou ist eine eingebaute Spracherkennung, mit der man die eigene Aussprache mit der eines Muttersprachlers vergleichen und trainieren kann.

Mit diesem Ansatz ist Babbel überaus erfolgreich. Seit der Gründung haben sich 17 Millionen Nutzer in die Sprachkurse eingeloggt, sagt Witte. Dabei wollten die Babbel-Gründer ursprünglich eine ganz andere Richtung einschlagen. Der Medien- und Kulturwissenschaftler, die Informatiker und der BWLer und Musiker hatten schon zehn Jahre bei der Musiksoftwarefirma Native Instruments in Berlin gearbeitet. Sie wollten im Bereich „professional musicians“ bleiben – und sich mit einem neuen Onlineprodukt selbstständig machen. Die zunächst angedachten Geschäftsmodelle erschienen dann aber wenig aussichtsreich. Bis Lorenz Heine, einer der späteren Gründer, auf eine Marktlücke stieß: Lernsoftware für Sprachen im Internet.

Die ersten Schritte auf dem neuen Terrain waren nicht leicht, erzählt Witte: „Es gab nichts auf dem Markt, woran wir uns orientieren konnten. Wir waren am Anfang weder Didaktik- noch Sprachexperten.“ Aber das Gründerteam hat sich in die Materie eingearbeitet. „Denn wie man Produkte baut, die sich sehr gut bedienen lassen und die man sofort versteht, das wussten wir“, sagt Witte. „Und wir gehörten selbst zur Zielgruppe, die möglichst unkompliziert Sprachen lernen will.“

Die Software, die die Babbel-Macher zuerst kostenfrei anboten, fand schnell eine wachsende Fangruppe. Doch die Gründer merkten bald, dass ihr Unternehmen mit Werbeeinnahmen allein nicht expandieren kann. Diese Zeiten sind lange vorbei – dank eines Bezahlmodells kann nun mehr Geld eingenommen werden. Seit Anfang dieses Jahres ist die Beschäftigtenzahl um 50 Prozent auf 193 Mitarbeiter gestiegen. Unter den 100 Festangestellten in Berlin sind 20 Nationalitäten vertreten. Nutzer aus über 190 Ländern lernen mit Hilfe des Programms eine Fremdsprache. Zehn Millionen US-Dollar sind am Anfang des Jahres von Investoren bereitgestellt worden. Der Jahresumsatz bewegt sich im zweistelligen Millionenbereich.

Der Sprung vom jungen Start-up zum mittelgroßen Unternehmen sei groß, sagt Markus Witte. „Das ist eine Lernkurve. Wir sind eine Lernfirma – das ergänzt sich hervorragend.“ Start-ups hätten zudem ihre eigene Kultur. Neue Mitarbeiter müssten ihren Job oft erst einmal „erfinden“, erklärt er. Dadurch sei das Arbeiten bei Babbel sehr selbstständig und flexibel, alle dächten mit, und zwar in die gleiche Richtung.

Die Richtung heißt für das Unternehmen, international Marktführer werden, sagt Witte. Anfang des Jahres wurde der US-Konkurrent PlaySay gekauft. Das Onlineunternehmen in San Francisco ist im Bereich Sprachlernsoftware auf mobile Anwendungen spezialisiert. Darauf also, wo Babbel hin will. Der neue Standort in den USA erlaube dem Unternehmen auch eine neue Perspektive, auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen.

Und was rät der 42-Jährige seinen HU-Kommilitonen von heute, die über ein Start-up nachdenken? Junge Gründer sollten sich anfangs ganz auf ihr Produkt und dessen Nutzer zu konzentrieren. Und nicht nur auf die Investoren. Dass er erst einmal angestellt war, zwischenzeitlich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kulturwissenschaftlichen Seminar der Humboldt-Universität und danach bei Native Instruments, habe ihm durchaus geholfen, sagt Witte. „Ich musste erst einmal einen Chef haben, um zu sehen, was Chef sein bedeuten kann.“ Andererseits sei man nie wieder so risikofreudig wie direkt nach dem Studium, wenn die Lebenshaltungskosten gering sind und man noch keine Familie hat.

Wenn es sein Arbeitsalltag einmal hergibt, würde Firmenchef Witte gerne Nachwuchskräfte unterrichten – in Entrepreneurship.

Mehr im Internet:

www.babbel.de

Heike Zappe