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Den Müll bekämpfen

Warum Menschen ihren Abfall achtlos entsorgen und wie Berlin sauberer wird.

Flaschen auf der Straße, Hundekot auf dem Bürgersteig, benutzte Spritzen auf Kinderspielplätzen: Das Thema Müll erregt in Berlin immer wieder die Gemüter. Auch Wissenschaftler beobachten, dass immer mehr Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung Abfall unachtsam entsorgen. Für viele ist das eines der drängendsten Probleme der Stadt. Schließlich stellt Sauberkeit für den überwiegenden Teil der Bevölkerung einen wesentlichen Aspekt der Lebensqualität dar.

Das Wegwerfen von Abfällen, ohne Abfallbehälter zu benutzen, bezeichnet man in Fachkreisen als Littering. „Littering schadet dem Image bestimmter Stadtteile, die besonders stark betroffen sind“, sagt die Psychologin Rebekka Gerlach.

Die Vermüllung befördere so die zunehmende soziale und sozioökonomische Aufteilung in „gute“ und „schlechte“ Wohnviertel. Gerlach und ihre Kollegen vom Institut für Psychologie und vom Lehrstuhl für Kognitive Psychologie haben eine Projektstudie zum Thema Littering ins Leben gerufen, die sich über mehrere Jahre erstreckte und die als Drittmittelprojekt von der Humboldt-Innovation GmbH unterstützt wurde. Insgesamt wurden rund 3800 Probanden zur Wahrnehmung und Bewertung von Sauberkeit in Großstädten befragt.

An zu wenigen Mülleimern in der Stadt kann das Problem nicht liegen – so lautet zumindest ein Ergebnis der Studie. In 79 Prozent der beobachteten Littering-Fälle befand sich ein Abfallbehälter in einer maximalen Entfernung von 50 Metern. Trotzdem wurde der Abfall in der Umgebung entsorgt. Dass trotzdem immer wieder argumentiert wird, es würden Abfalleimer fehlen, hält Gerlach daher für eine „Rechtfertigungsstrategie von Litterern“. In 70,2 Prozent der beobachteten Fälle warfen Raucher Zigarettenstummel auf den Boden. Jüngere neigen eher zum Littern: Der Anteil Jugendlicher (bis 20 Jahre) und junger Erwachsener (bis 30 Jahre) unter den Verursachern lag bei 64,3 Prozent. Die Orte, an denen Abfall unachtsam entsorgt wird, variieren. Menschen littern zu 51,9 Prozent an öffentlichen Plätzen, zu 18,6 Prozent an Haltestellen. Ein kleinerer Prozentsatz betrifft Gehwege und Grünanlagen.

Gerlach hält es für wichtig, die Bevölkerung für die städtische Sauberkeit zu sensibilisieren. Dies könne etwa durch Plakatkampagnen oder Patenschaften geschehen. „Menschen müssen aktiv mit eingebunden werden, um das Stadtbild zu verbessern“, sagt Gerlach. „Sauberkeit geht alle an, die Verantwortung liegt nicht allein bei den Reinigungsunternehmen.“ Umweltverschmutzung könne auch verhindert werden, indem die Abfalleimer überall mit Aschenbechern ausgestattet werden. Das Thema sei umso wichtiger, weil Littering erhebliche Kosten verursache. Es bringt auch gesundheitliche Gefahren: Verletzungen durch Glasscherben etwa oder durch herumliegende Spritzen.

Für die Studie arbeiteten die Wissenschaftler mit Blickbewegungsmessungen im Labor. Die Forscher wollten die Wahrnehmung von Sauberkeit überprüfen. Anschließend analysierten sie Straßenszenen, um nachzuvollziehen, wie Menschen unachtsam Müll entsorgen. Bei der Auswahl des Bildmaterials wurde gezielt auf Personen- und Situationsmerkmale geachtet, wie Alter und Geschlecht der Verursacher oder die betroffenen Orte.

Rebekka Gerlach und ihre Kollegen hoffen, dass eine Sensibilisierung für das Thema Littering sich auf spätere Generationen auswirkt: Auf dass Berlin in Zukunft sauberer wird.

Milena Dragic