Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Presseportal

Frau Dr. Studienrätin

Lehramtsstudierende können an der HU im Fast-Track-Verfahren promovieren – das hilft auch der Schule.

Geht es nach Stefan Kipf, kommt der promovierte Studienrat bald wieder in Mode. „Der Gymnasiallehrer war doch immer auch Wissenschaftler“, sagt der Professor für Didaktik der Alten Sprachen und Direktor der Professional School of Education (PSE) an der HU. „Aber jetzt stirbt er aus. Dabei brauchen wir dringend wissenschaftlich ausgebildeten Nachwuchs in den Fachdidaktiken – und zwar an den Schulen ebenso wie an den Universitäten.“

Um Nachwuchskräfte für eine wissenschaftliche Karriere anzuwerben, hat das Interdisziplinäre Zentrum für Bildungsforschung (IZBF) einen Fast-Track-Promotionsstudiengang für Lehramtsstudenten initiiert und gemeinsam mit der PSE ein Curriculum erarbeitet.

So wird an der Humboldt-Universität erstmalig ein verkürztes Masterstudium mit Promotion angeboten, wobei die Teilnehmer in vier Jahren sowohl den Master of Education als auch einen Doktorgrad erwerben. Die Teilnehmenden werden schon im Masterstudium mit zusätzlichen forschungsorientierten Seminaren auf die Promotion vorbereitet. Diese sollen sie nach ihrem Master in zwei Jahren abschließen. „Danach stehen den Absolventen alle Türen offen“, sagt Kipf. Sie können ins Referendariat gehen und Lehrer werden oder an der Universität bleiben.

Der Fast-Track-Promotionsstudiengang ist Teil der Humboldt Initiative „Strukturierte Promotion“. Vier Stipendien haben IZBF und PSE gemeinsam ausgeschrieben, alle finanziert aus Mitteln der Exzellenzinitiative. „Durch den Exzellenzwettbewerb hat die Lehrerbildung an der HU einen richtigen Schub bekommen“, sagt Kipf. Insgesamt 200 000 Euro fließen in das Programm, in der Promotionsphase bekommt jeder der vier Stipendiaten monatlich 1365 Euro zuzüglich Sachbeihilfen und, wenn nötig, Geld für Kinderbetreuung. Insgesamt zwölf Studierende sollen am Fast-Track-Promotionsstudiengang teilnehmen, neben den vier Stipendiaten sollen acht weitere Promovierende aus anderen Programmen dazukommen. „Das wird kein Massenprogramm“, sagt Kipf. Aber es sei ein Versuch, Studenten für eine wissenschaftliche Karriere zu gewinnen.

Das war bisher nicht leicht. Denn wer Professor in einer Fachdidaktik werden will, muss mindestens drei Jahre unterrichtet haben. „Das ist eine sinnvolle Anforderung“, sagt Kipf. Doch sei es schwierig, die Absolventen nach dem Referendariat und einigen Berufsjahren wieder zurück an die Universitäten zu holen, um sie in der Forschung zu qualifizieren. Deshalb hätten alle Fachdidaktiken massive Nachwuchsprobleme.

Und deshalb will die HU ihrem Nachwuchs mit dem neuen Promotionsweg auch etwas bieten. Die Teilnehmer werden sowohl im Masterstudium als auch während der Promotionsphase intensiv betreut – von je zwei Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen. PSE und IZBF werben mit internationalen Kontakten. Während der Promotionsphase sind die Teilnehmer zudem intensiv in die Gremienarbeit ihrer Institute eingebunden und können eigene Lehrveranstaltungen anbieten. Bewerben können sich Bachelorabsolventen mit hervorragendem Abschluss und ausgeprägtem Forschungsinteresse an fachdidaktischen oder pädagogisch-psychologischen Themen. Bewerbungsschluss ist am 28. Februar.

Nicht nur mit der Fast-Track-Promotion will die HU die wissenschaftlichen Kompetenzen ihrer Lehramtsstudenten stärken. Sondern das ist grundsätzlich eines der Ziele der PSE – „forschendes Lernen“ ist das Schlüsselwort. Dazu unterstützt das Forschungskolleg Studierende bei der Planung und Ausführung empirischer Forschungsarbeiten. „Die Studenten sollen eine wissenschaftliche Perspektive der Schule gegenüber einnehmen und sich schulischen Themen und Problemen nähern“, sagt Kipf. Das gelte auch für das künftige Praxissemester, in dem die Studenten nicht nur viel selbstständige Unterrichtserfahrung sammeln, sondern außerdem schulische Fragestellungen systematisch analysieren sollen: „Die wissenschaftliche Perspektive soll zur Berufshaltung der Lehrer werden.“

Und das gilt nicht nur für den promovierten Studienrat.

Barbara Kerbel