Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Presseportal

Sie fahnden nach einem speziellen Sauerstoff

Zum Beispiel lumox: HU-Physiker entwickeln ein neuartiges Nachweisgerät – und wollen es vor Nachahmern schützen.

Das Gerät sieht wie viele moderne, naturwissenschaftliche Apparaturen aus: unscheinbar. Es ist etwa 30 mal 35 Zentimeter groß, hat eine goldene Hülle, Lüftungsschlitze und vor allem LED-Leuchten und Elektronik in sich. Doch was genau in dem handlichen Apparat passiert, wollen die zwei Erfinder des Geräts, Steffen Hackbarth und Jan Schlothauer, nicht verraten. Es ist zum Patent angemeldet.

Die Anwendung ist aber kein Geheimnis. Das Gerät dient zum Nachweis von einer ganz bestimmten Sorte von Sauerstoff, die dem Laien im Alltag nicht unbedingt begegnet: Singulettsauerstoff. Dieser spielt etwa in der Photodynamischen Therapie (PDT), einem Verfahren zur Behandlung von Tumoren und anderen Erkrankungen, eine tragende Rolle.

„Bei der PDT wird dem Patienten ein Photosensibilisator verabreicht, der sich idealerweise in den Tumorzellen ablagert“, erklärt Schlothauer. „Wird dieses Gewebe beleuchtet, wird der Photosensibilisator angeregt, aus der Wechselwirkung mit Sauerstoff entsteht Singulett-Sauerstoff. Dieser führt zum Tod der Tumorzellen.“ Die unbehandelten, gesunden Zellen bleiben, anders als in der Chemotherapie, unberührt.

Die beiden Physiker, die im Bereich Photobiophysik der Humboldt-Universität forschen und dabei sind, ein eigenes Unternehmen zu gründen, interessieren sich aber nicht nur für den medizinischen Aspekt, sondern auch für die Prozesse, die stattfinden. „Um die Wirksamkeit von Photosensibilisatoren für die PDT zu beurteilen, ist nicht nur die Menge des generierten Singulettsauerstoffs von Bedeutung, sondern insbesondere seine Wechselwirkung mit der Umgebung“, erklärt Steffen Hackbarth. „Ein Problem ist aber, dass sich Singulettsauerstoff nur schwer aufspüren lässt und es eine Herausforderung ist, ihn zu beobachten.“

So steht im Institut für Physik eine aufwändige, wartungsintensive und empfindliche Komposition, bestehend aus großen Geräten auf Laserbasis, mit der die Forscher Singulettsauerstoff messen können. „Als wir einen Messauftrag mit blauem Laserlicht durchführen sollten, konnte unsere Apparatur das nicht leisten, wir hätten 150 000 Euro investieren müssen, um passende Geräte dazu zu kaufen“, berichten die beiden Forscher. Spätestens hier war der Anfang der Erfindung gemacht, die unter dem Arbeitstitel lumox läuft, und für die die beiden Erfinder bereits einen Preis erhalten haben: den Innovation Award auf der SPIE Europe in Brüssel.

„Unser Gerät hat viele Vorteile: Es ist wartungsfrei, einfach zu bedienen und kostet viel weniger als die Technik auf Laserbasis“, sagt Hackbarth. Neben Medizinern kommen auch Chemiker, Biologen oder Pharmazeuten als Zielgruppe in Frage. Um die Erfindung vor Nachahmern zu schützen, wurde beschlossen, ein Patent anzumelden.

Dies ist eine langwierige und kostspielige Angelegenheit, die vielen Prüfungen standhalten muss und im Auftrag der Universität stattfindet. Die Erfinder selbst können nur dann ein Patent anmelden, wenn kein Interesse von Seiten des Arbeitgebers besteht. Im Fall von lumox war dies nicht der Fall. „Das Produkt wurde als Neuheit mit Marktpotenzial eingestuft und von der Universität angemeldet, um die geplante Ausgründung zu unterstützen“, sagt Simone Zahn, Referentin für Patent- und Lizenzangelegenheiten an der Humboldt-Universität. Wenn sie das Gerät in Serie produzieren möchten, müssen Hackbarth, Schlothauer und ihre zwei Kompagnons für ihre Erfindung dann von den Einnahmen aus verkauften Geräten Lizenzgebühren an die Universität bezahlen. Sie erhalten 30 Prozent vom Bruttoerlös.

Das mag sich nach keinem so guten Deal anhören. Die Erfinder müssen dafür aber nicht die Kosten tragen, die eine Patentanmeldung mit sich bringt – beispielsweise das Honorar für den Patentanwalt. „Je nachdem, ob auf Deutschland begrenzte, europagültige oder internationale Patente angemeldet werden, können schnell Kosten von mehreren zehntausend Euro entstehen“, sagt Simone Zahn. „Bis ein Patent angemeldet ist, dauert es oft nur wenige Wochen; der Weg bis zur Erteilung manchmal nur zwei, in den meisten Fällen aber mehrere Jahre.“

Derweil wird bei lumox an der Unternehmensgründung gearbeitet. Drei der Gründer werden bereits durch ein Exist-Stipendium gefördert. Aber eine Serienproduktion des Geräts wird nicht von heute auf morgen möglich sein. „Wir müssen unseren Prototyp weiterentwickeln. Das braucht Zeit.“

Ljiljana Nikolic